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Baut Flensburg wirklich zu langsam?

veröffentlicht um 20.03.2013, 11:02 von FlensburgAktuelles   [ aktualisiert: 20.03.2013, 11:10 ]
Wohnraum-Kontingente könnten bei weitem nicht aufgefüllt werden, so dass die Abgabe von Kontingenten an die Nachbarkommunen im Gespräch sei.("Flensburg baut zu langsam"; Flensburger Tageblatt, 12.03.2013)
"Obwohl der Stadt für die nächsten sieben Jahre noch 3948 neue Wohneinheiten zustehen, hat ihr die Landesplanung noch einmal 1270 dazu gegeben, so dass bis 202 in der Stadt 5218 neue Wohnungen gebaut werden könnten - zu viel, wie es aussieht."(a.a.O.) Die Kontingente sollen verhindern, dass jede Gemeinde ungesteuert bauen läßt. In Flensburg seien in fünf Jahren noch nicht einmal die Hälfte des Kontingents gebaut worden, sondern nur 1162 Wohnungen.(a.a.O.)



Die Einschätzungen unserer Mitglieder im Ausschuss für Umwelt, Planung und Stadtentwicklung (SUPA):


Flensburg baut zu langsam!

Das trifft zu. Aber woran liegt das? Es ist ein hausgemachtes Problem. Hausgemacht, weil die Verwaltung sich immer nur in endlosen Diskussionen verliert und mit Zahlen operiert, die höchstens eine vage Aussage machen, wohin der tatsächliche Trend geht. Die Tendenz ist zur Zeit steigend, und Bauplätze mit Baurecht haben wir keine. Das ist Schuld der Verwaltung!
Vor fast 5 Jahren hat die Siedlungsvorsorge – eine Arbeitsgruppe der Politik und Verwaltung – Bauland für ca. 1.400 Wohneinheiten ausgewiesen und damit den Auftrag an die Verwaltung erteilt, dort nach sorgfältiger Prüfung Baurecht zu schaffen. Flächen mit Baurecht sind eine der Voraussetzungen, dass Flensburg auch wachsen kann. Aber in diesem Zeitraum hat man sich lieber mit anderen Dingen beschäftigt oder gar gezielt kein Baurecht geschaffen, um andere Projekte mit der Behauptung „wir haben keine Bauplätze“, um vor allem Tarup-Südost durchzusetzen. Machtkampf der Verwaltung? Wir meinen - ja.
Es ist ein unnötiger Machtkampf der Verwaltung, der sich lähmend auswirkt. Und wenn es so weiter geht, wird Flensburg überhaupt nicht wachsen. Denn ein gesundes Wachstum ist nur möglich, wenn genug Bauplätze mit Baurecht vorhanden sind und natürlich vor allem auch Flensburgs Wirtschaft wächst.
Eine pragmatische Lösung des Problems muss her. Und die gibt es auch. Wir, die WiF, vertreten sie seit langem: Ohne viel weiteres Geschwafel muss man nur stets eine ausreichende Anzahl von Bauland mit Baurecht für den tatsächlichen Bedarf vorhalten und stets dem Abverkauf entsprechend ergänzen. Dann braucht man sich auch nicht irre machen zu lassen und über tausende Wohneinheiten bis 2025 zu diskutieren. So ist Flensburg dem wirklichen Wachstum unserer Stadt, das keiner mit der ausreichenden Schärfe voraussagen kann, gewachsen.

(Dr. Harro Teichmann, Bürgerschaftliches Mitglied der WiF)


Warum baut FL zu langsam?

Weil Verwaltung und Politik zuviel Zeit Geld und Energie für ein Projekt aufgewendet haben, dessen Konzeption noch aus einer Zeit stammte, in der man Abwanderung von Eigenheimbauern ins Umland um jeden Preis verhindern wollte.
Seitdem hat sich folgendes geändert:
1. Damals ging man davon aus, dass man viel mehr Eigenheime bauen müsste als Etagenwohnungen. Heute ist es genau umgekehrt.
2. Damals sah man die Nachbargemeinden als Rivalen. Heute verkauft auch Planungschef Dr. Schroeders die Idee der Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden als "neue Dimension der Kooperation". Eine Idee, die OB Faber schon nach 100 Tagen im Amt öffentlich ausgesprochen hatte.
Um das überholte Projekt Tarup-Südost trotzdem durchzubekommen, wurden andere, leicht zu verwirklichende Entwicklungen beiseite geschoben und schlechtgeredet.

Jetzt blockiert außerdem die Idee von fantastischem Wachstum bis zu 100.000 Einwohnern viele Köpfe.
Wie berauscht betrachten sie die auf ganz schmaler Basis erstellten Berechnungen des Statistikamtes Nord als Vorhersage.
Genau davor warnen die Verfasser der Bevölkerungsvorausberechnung von 2010-2025 ausdrücklich:
"Vorausberechnungen sind keine Vorhersagen, sondern sie zeigen auf, wie sich Einwohnerzahlen ... unter bestimmten ... Annahmen entwickeln werden ... sind eher eine Status-Quo Prognose."

Es ist also ähnlich wie beim Wetter. Bevor ich mich auf den Weg mache, gucke ich lieber noch einmal aus dem Fenster. Die wichtigen Fragen sind also: Wie entwickelt sich unsere Wirtschaft? und: Wie geht es mit unseren Hochschulen weiter?
Für unsere Hausarbeit ist nicht eine denkbare Gesamtzahl von Wohneinheiten im Jahr 2025 das Wichtigste, sondern für welche Bevölkerungsgruppen welche Art Wohnungen jetzt gebaut werden müssen, nach Größe, Preis und Qualität!
Daran denken: "Vorausberechnungen müssen in der Regel ... aktualisiert werden."

(Elmar Westphal, WiF-Ratsherr)