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Harniskaispitze

veröffentlicht um 16.04.2013, 02:42 von FlensburgAktuelles   [ aktualisiert: 17.04.2013, 01:39 ]
Ratsversammlung beschließt Ausstieg, nachdem sich die Wolken über der Technologie-Ansiedlung verdichteten  
Der 15.04.2013 markiert den Ausstieg aus einer Ansiedlung, die Ende 2010 viel versprach, aber bis 2013 nur wenig halten konnte 


"Hohe Dringlichkeit in 2010, jetzt lange Wartezeit bis Frühjahr 2014" (24.10.2012) 
...war nur einer der Widersprüche, die das Projekt von Anbeginn begleiteten. 

Außerhalb des Rahmens der im Hauptausschuss noch am 07.12.2010 beschlossenen Planung für den Hafen-Ost hatte die Ratsversammlung relativ eilig zwei Tage später am 09.12.2010 nichtöffentlich beschlossen, das Gebiet an der Harniskaispitze langfristig zu verpachten: an eine bis dahin unbekannte Immobilienfirma ("Tycoon"), die eine Technologiefirma für Bodeneffektfahrzeuge ("Highship") ansiedeln sollte. Im Dezember 2010 konnte es nicht schnell genug gehen mit dem Beschluss, den die Ratsversammlung in ihrer 5. Sitzungsstunde der Ratsversammlung fasste, auch auf eine Empfehlung der WTSH. Küstenbewohner/innen hätten den Fisch eigentlich riechen müssen: Eine Firma, die sich am Ende der Förde in Flensburg ansiedeln und ihre Technologie auf einem Testgelände in der Ostsee erproben möchte, steht vor dem Problem, dass jede einfache Fahrt zwischen Flensburg und Ostsee mindestens 40 km Revierfahrt bei teils erheblich vermindertem Fahrttempo bedeutet. Die Stunden für die Fahrtzeit wären kostenintensiv und ein an der Ostsee gelegender Erprobungsort wäre naheliegender gewesen. Kalkuliert man pro Revierfahrt großzügig nur 3 Stunden, so blieben für die Tests in der Ostsee lediglich die Mittagsstunden, ehe die Rückfahrt nach Flensburg angetreten werden müsste. 

Nachdem die WiF-Fraktion schließlich die Geschäftsführerin in den Hauptausschuss eingeladen hatte (22.11.2011) und das Ergebnis einer Recherche öffentlich präsentiert hatte (19.06.2012), kam Bewegung in die Angelegenheit. Die Verwaltung gab bekannt, dass ausstehende Pachtzahlungen angemahnt worden seien. Die für eine aufstrebende Firma ungewöhnlichen Befunde ließen aufhorchen: "Keine Spur vom Harniskai-Investor"(09.10.2012). Weil "Fristen verstreichen" und der Investor "mit 24.500 Euro für die Pacht im Rückstand" sei (bei einer "Jahrespacht von 34.800 Euro"), bereite die Stadt den Ausstieg vor. Im Herbst noch antwortete die Firma bzw. deren Geschäftsführerin, indem sie den Baubeginn für "Frühjahr 2014" ankündigte; auf der Firmen-Website war schließlich "2013" zu lesen. Die Kommunikation verbesserte sich jedoch nicht nennenswert, sondern ihre Defizite wurden durch Presseberichte zunehmend sichtbar. Den veröffentlichten Fragen wurde nicht glaubhaft begegnet. Die Einladung der Stadtverwaltung scheiterte seit Sommer 2012, dem Bekanntwerden der WiF-Firmenrecherche, an Mißverständnissen in der Kommunikation, um es diplomatisch zu formulieren.("Die Harniskai-Investorin taucht ab"; Flensburger Tageblatt, 26.02.2013) 

Angesichts der eingetretenen Verzögerung hätte die Stadt sich mehr Zeit für vorteilhaftere Verträge mit Fristen und Ausstiegsklauseln lassen können. Wer unter Zeitdruck entscheidet, macht Fehler. Diese Fehler sollen nun durch Auflösung des Pachtvertrages und angestrebten Heimfall des Grundstücks an die Stadt Flensburg korrigiert werden. Einige Fraktionen - SSW, CDU, SPD - möchten bereits wieder "nach vorn blicken", aber aus einer Rückschau statt eines Reflexes könnten sie auch in diesem Fall wichtige Lektionen für Flensburg lernen. 


Umfangreichere Informationen bieten wir auf unserer Seite zur Harniskaispitze: Lernen, statt nur "nach vorn blicken". 

 Sperrt die Pächterin der Harniskaispitze ein Gebiet frei?                        (c) Google