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Fahrensodde

http://www.flensburg.de/bauen-wohnen/planungen/fahrensodde-befragung/

shz.de, Flensburger Tageblatt, Juli 2011:
Drei-Jahres-Moratorium von Dantronik stößt auf Zustimmung / Verärgerung über Verwaltung / "Jetzt letzte Hintertür zur Wohnbebauung schließen"

Das Thema Fahrensodde dürfte schon sehr bald wieder auf dem Sitzungsplan des kommunalen Alltagsgeschäfts auftauchen. Das Angebot der Mieter, unter Federführung von Dantronik im schützenden Rahmen eines dreijährigen Moratorium gemeinsam mit Politik und Verwaltung ein Konzept für das Grundstück zu entwickeln, stieß bei den Ratsfraktionen auf Zustimmung. WiF, SSW, CDU und SSW sprachen sich auf Anfrage unserer Zeitung dafür aus, den Dantronik-Vorschlag als Grundlage für neue Gespräche nach der Sommerpause zu nutzen.

Damit dürften Befürchtungen, die Verwaltung würde die zehn mit kurzfristigen Mietverträgen ausgestatteten Gewerbebetriebe kündigen, vom Tisch sein. Der Dantronik-Vorschlag zielt darauf ab, die Stadt von den Kosten und der Verantwortung für das Gelände im Rahmen eines Pachtvertrages freizuhalten. Parallel soll ein beschlussreifes, gemeinsam abgestimmtes Konzept entstehen, das die Weiterentwicklung des Standortes für maritimes Gewerbe und öffentliche Freizeitnutzung zum Inhalt hat (wir berichteten). Die FDP-Ratsfraktion hatte unmittelbar nach Bekanntwerden Zustimmung signalisiert. Bei den anderen Fraktionen ist es nicht anders.

Namentlich die WiF fühlt sich bestätigt. Ratsherr Elmar Westphal reklamiert für SSW und WiF, die sich frühzeitig mit der IG Fahrensodde kurzgeschlossen hatten, erfolgreiche "Hebammendienste". Der klar erkennbaren Verwaltungstaktik, durch die Hintertür ein Wohngebiet einzurichten, stehe ein klarer politischer Wille entgegen. Der Dantronik-Vorschlag sei sehr eng entlang eines Zehn-Punkte-Plans gestrickt worden, der bereits seit Monaten bekannt sei. "Das ist weitestgehend identisch mit dem, was wir an dieser Stelle möchten: Ein maritimes Zentrum für Gewerbe und Tourismus mit hohem Erholungswert für die Flensburger. Schön, dass jetzt alle Fraktionen begriffen haben, dass eine Wohnbebauung an dieser Stelle nur gegen die Interessen von Anwohnern, Gewerbetreibenden und Sportvereinen durchgesetzt werden könnten. Und das sind Tausende." Westphal plädiert dafür, jetzt schnell Klarheit zu schaffen und durch eine deutliche Erklärung auch das letzte Hintertürchen zu schließen. 

Der SSW will auch mehr Tempo. "Das Ziel ist klar. Wir wollen das dort unten so erhalten", sagt Ratsherr Edgar Möller. "Es geht jetzt nur darum, den weiteren Weg abzuschätzen." Er bezweifelt, dass die Stadt ihre Verantwortung für den Brandschutz an die Mieter abtreten kann. Immerhin sei die Liegenschaft in Verantwortung der Stadt so weit heruntergekommen, dass jetzt Gefahr für Leib und Leben als Kündigungsgrund herbeigeführt werde. "Wir müssen sehen, ob wir sanieren können oder neu bauen müssen. Wir werden in jedem Fall Zwischenlösungen benötigen, mit denen die Mieter leben können." 

Die Anfang letzter Woche ausgesprochenen Nutzungsuntersagungen hält er für unglücklich. "Wir als Politik fühlen uns durch die Verwaltung ein bisschen überfahren. Es war nicht gut, dass all diese Schritte in der Urlaubszeit stattgefunden haben."

Da ist ihm der Beifall der SPD sicher. Fraktionsvorsitzender Helmut Trost sieht in der Verlagerung folgenreicher Schritte in die Ferienzeit eine Verhinderungsstrategie. "Die Kreativität und Fantasie, mit der die Verwaltung ihre Wohnbaupläne durchdrücken will, wünsche ich der Verwaltung, wenn es darum geht, den Betroffenen zu helfen. Der ausgestreckte Arm der Gewerbetreibenden muss ergriffen werden - nachdrücklich und vor allem sofort!"

Für die CDU-Ratsfraktion gibt sich Thomas Dethleffsen, Vorsitzender im Finanzausschuss, noch etwas bedeckter, aber durchaus wohlwollend. Eine Gesprächsgrundlage ist das Dantronik-Angebot für ihn allemal: "Wir benötigen dringend einen vernünftigen Dialog." Dass plötzliche Brandgefahr durch die Verwaltung in die Ferien gezogen wurde, sei nicht richtig und nicht gut. Im selben Atemzug nimmt er die Verwaltung freilich auch in Schutz. Stichwort Denkverbot. Überlegungen, die Immobilie vielleicht besser zu verwerten, müssten erlaubt sein. Die Entscheidung sei doch schließlich ein politischer Prozess, gibt er zu bedenken. Und als Ratspolitiker sei er den Unternehmen vor Ort ebenso verpflichtet wie den Bürgern der ganzen Stadt. Das angebotene Moratorium sei vor diesem Hintergrund ein guter Weg, den Dialog zu führen.

Kommentare

Erika Vollmer - 30.11.2011 10:59

In der gestrigen Supa-Ausschusssitzung Sitzung wurde die Vorlage der Verwaltung zu Bebauungskonzepten für Fahrensodde, in der immer noch trotz massiver Kritik "(Ferien-)Wohnbebauung" eingeplant wurde, von dieser zurückgezogen. Die WiF wird gemeinsam mit anderen Fraktionen eine neue Vorlage erstellen, in der die Wohnbebauung keine Option mehr sein wird.