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Handwerkskammer

Der Umbau der Handwerkskammer im Johannisviertel sollte im Jahr 2010 für Schlagzeilen sorgen. Die Neugestaltung des Gebäudes der Handwerkskammer fand zunächst nicht die Zustimmung der Anwohner. Die Handwerkskammer wiederum drohte bereits früh mit ihrem Wegzug, was die Diskussion verschärfte und das Finden einer vernünftigen Gestaltung für das alte Stadtviertel erschwerte. 

Ein Kommentar drückte es so aus: "Dennoch haben die Verantwortlichen der Handwerkskammer mit ihrer Planung die Ratsvertreter in eine Zwickmühle gebracht. Sie können nun nur noch entweder einer Planung zustimmen, die dem Viertel in Flensburgs historischen Herzen eigentlich nicht gerecht wird, weil es bestenfalls die zweitbeste Lösung ist", schrieb das Tageblatt am 20.02.2010 über die entstandene Situation. 

  2006: Die Handwerkskammer aus der Luft                     (c) Microsoft 


Presseartikel im Flensburger Tageblatt / sh:z zum Ausbau der Handwerkskammer: 

11.05.2007: Sanierung soll Standort sichern (Investitionsplanung von 4,3 Millionen Euro


19.02.2010: Kammer: Ringen um Haus B; Dilemma [Kommentar
24.02.2010: OB-Kompromiss abgelehnt (SPD, WiF und Grüne wollen doch noch Nachbesserungen
10.03.2010: Grüne retten Kammer-Lösung (Grüne stimmen Umbau zu, nachdem die Kammer das Mediationsverfahren abgelehnt hatte
13.03.2010: Meditieren an der Förde [Kommentar
28.10.2010: Viel Applaus für die Kammer-Fassade (Gestaltungswettbewerb für die Süderfischerstraße); Nur Gewinner [Kommentar
16.12.2010: Stadtplanung. Hauchdünne Mehrheit für Handwerkskammer-Planung (6 zu 5 mit Stimmen von CDU, SSW und Grünen gegen die von WiF, SPD und Akopol.
17.12.2010: Aufatmen bei der Handwerkskammer (Flensborg Avis) (Grüne sorgten zum 2. Mal für Verfahrensbeschleunigung)

01.07.2011: Geldsegen für die Handwerkskammer (1,7 Millionen Euro Förderung für Baumaßnahmen

07.09.2012: Die Baustelle über dem Bunker (Berliner Wirtschaftsministerium schickt Millionen-Fördermittelzusage





Keiner möchte die Handwerkskammer in Flensburg verlieren! 
(Replik und Positionsbestimmung der WiF-Fraktion vom 08.03.2010)

Den Volksvertretern der SPD, der Grünen und der WiF zu unterstellen, sie würden dem gleichgültig gegenüberstehen, ist eine infame Behauptung. Was auf dem Spiel steht, weiß jeder, denn die Drohung, die Handwerkskammer könne aus Flensburg wegziehen, ist nicht zu überhören. So auch der Artikel im Flensburger Tageblatt vom 27.02.2010, in dem der Schaden für Flensburg im schlimmsten Fall dargestellt wurde.

Die WiF lehnt den derzeitigen Vorschlag zur Umgestaltung der Handwerkskammer aus zwei Gründen ab: Erstens passt der Entwurf nicht in die kleinteilige Bebauung des Stadtviertels. Die Fehlplanung (es sollte an dieser Stelle eine „Behördenmeile“ entstehen) dieses Komplexes in den 1960er Jahren war schlimm genug. Nach dem Abschluss der vorbildlichen Altstadtsanierung in den letzten 20 Jahren würde der jetzige Vorschlag diese Bausünden sogar noch verschlimmern. Dass die Handwerkskammer, der OB und die Verwaltung sowie das Tageblatt immer von einem Kompromiss sprechen, ist reine Augenwischerei. In Wirklichkeit handelt es sich um den Versuch der Abmilderung einer baulichen Provokation.

Es ist anerkennenswert, dass die Handwerkskammer endlich einen Weg gefunden hat, das Internat auszugliedern und den Willen bekundet hat, die Waschbetonfassade des Gebäudes C (gegenüber der Kirche) in den nächsten 10 Jahren neu zu gestalten. Die hochgelobte angebliche Reduzierung der Höhe von Haus B ist jedoch eine Täuschung, denn die Traufhöhe wird höher und durch das Vorziehen der Fassade von Gebäude B wird der Blickwinkel zur Oberkante noch steiler. Dadurch wirkt der Neubau, der auch 7 m länger werden soll, noch erdrückender auf die kleinteilige Bebauung der Süderfischerstraße.

Der zweite Grund, weshalb die WiF die Umgestaltung ablehnt, ist das Vorgehen von Handwerkskammer, OB Tscheuschner und der Verwaltung bei der Umsetzung des Vorhabens, da die wichtigsten Prinzipien der WiF, nämlich Transparenz und die Einbeziehung der Bürger in politische Entscheidungsprozesse, in hohen Ausmaß verletzt wurden. Wir wehren uns gegen die Eile, mit der das Projekt nun durch die politischen Gremien durchgepeitscht werden soll. So ein Projekt sollte nicht aus der Hüfte geschossen, sondern sorgfältig geplant und mit allen Betroffenen abgestimmt werden. Das Gegenteil ist jedoch geschehen. Die Handwerkskammer hat das zuständigen Umwelt- und Planungsamt viel zu spät informiert, legte dann ein fertiges Konzept vor, das in einigen entscheidenden Punkten so nicht die Zustimmung finden konnte. Auch der Gestaltungsbeirat drückte sein Missfallen aus (F.T. vom 28.01.2010). Gleiches gilt für die Bevölkerung und erst recht für die Anwohner der Handwerkskammer.

Die Bereitschaft der Handwerkskammer, sich den örtlichen Gegebenheiten anzupassen, ist äußerst gering, die Argumente sind nicht stichhaltig. So wurde behauptet, dass die Zuschüsse von Land und Bund nicht fließen würden, wenn nicht so, wie geplant, gebaut würde, was Peter Jensen, Vorsitzender des Vereins zur Erhaltung der östlichen Altstadt St. Jürgen und St. Johannis e.V. in seinem Leserbrief „Wer führt wen an der Nase herum“(Flensborg Avis, 24.02.2010), widerlegt. Weder OB Tscheuschner noch die Verwaltung, sonst bestens vertraut mit Zuschussverfahren, stellte diese Aussage der Handwerkskammer richtig. Peter Jensen fragt folgerichtig: Wurden die Kommunalpolitiker durch unvollständige Informationen benutzt? Werden Vertreter der Stadt aus dem gleichen Grund missbraucht? Werden Bürger absichtlich nicht vollständig informiert?

Das sind starke Worte, und darauf weder im Ausschuss noch nach Erscheinen des Leserbriefs von Peter Jensen zu reagieren, erscheint wie ein Schuldeingeständnis und ist ein nicht gerade vertrauenbildendes Verhalten. Wir fragen uns, warum der OB solch einen Druck auf die Politik ausübt. Die politischen Entscheidungsträger konnten nach Abwägung aller „Für und Wider“ keine Mehrheit für das erforderliche gemeindliche Einvernehmen für den Neubau finden.

In einer umfangreichen Stellungsnahme kommt die Kirchengemeinde St. Johannis zu folgendem Schluss: „Das bisher Vorgelegte stellt keinen Kompromiss dar. Vielmehr erkennen wir den Verzicht auf die kommunale Planungshoheit.“ Und weiter: „Der Verzicht auf die Planungshoheit zu Lasten der Bürger … stellt aus unserer Sicht die politische Kultur in Frage.“

Die WiF hält dieses für nachvollziehbar, zumal die starre Haltung der Handwerkskammer von vielen Bürgern und auch von deren rechtmäßigen Vertretern als Erpressungsversuch empfunden wird. Dieses Verhalten können und dürfen wir nicht zulassen, denn der nächste Erpressungsversuch wird nicht lange auf sich warten lassen. 

Elmar WestphalDr. Harro Teichmann 

Mitglieder der WiF im Ausschuss für Umwelt, Planung und Stadtentwicklung (SUPA)