Unsere Themen‎ > ‎Bauplanungen‎ > ‎

Karstadt-Parkhaus

Das alte Flensburger Rathaus am Holm wurde 1964 abgerissen und wich dem Bau des Kaufhauses Hertie, das ein großes Parkhaus erhalten sollte. Aus Hertie sollte später Karstadt werden. 

  2006: Das Karstadt-Parkhaus und der ZOB von oben     (c) Microsoft 


Bereits 2011 deutete Karstadt Pläne an, das Parkhaus, das große Pkw-Aufzüge enthält, umbauen zu wollen. Der Öffentlichkeit vorgestellt wurden diese Pläne jedoch erst am 04.01.2013 als das Flensburger Tageblatt über sie berichtete. Der Ausschuss für Umwelt, Planung und Stadtentwicklung (SUPA) sollte erstmals am 08.01.2013 über die Umbau-Pläne und den Architektenentwurf beraten. 


 
Karstadt-Parkhaus 2012: Verbesserungsbedarf                                                             (c) sh:z


Karstadt-Parkhaus in Zukunft: eine wuchtige Lösung?                                                    (c) sh:z


  Der Architektenentwurf                                                 (c) Schnittger-Architekten 


Der Entwurf scheint nicht zu berücksichtigen, dass zwischen ZOB-Bussteig und Karstadt-Einfahrt eine Versorgungsstraße für PKW und Radfahrer verläuft. Auch der Busbereich des ZOB wird von einem PKW zweckentfremdet. 


Presseartikel im Flensburger Tageblatt / sh:z:
24.01.2011: Eine neue Ära - Karstadt startet durch (Erneuerung des Warenhauses; in Planung ist ein Parkhaus zwischen Europa- und Ärztehaus mit 500 zusätzlichen Stellplätzen
(...)
08.01.2013: "Alles ist besser als der jetzige Zustand" (meinte der CDU-Vorsitz des SUPA
07.02.2013: Große Zustimmung zum Parkhaus am ZOB ("Alles, was jetzt kommt, ist besser als das, was jetzt da ist", fasste ein FDP-Vertreter die verbreitete Stimmungslage zusammen.
23.07.2013: City-Immobilien in neuen Händen (Abbruchbeginn Parkhaus: August
17.08.2013: "Tigerkäfig" für immer geschlossen ("Fertigstellung des Neubaus ist für Ende 2014 geplant"
04.04.2015: Neues Karstadt-Parkhaus fertig und in Betrieb (Übergabe mit 490 Stellplätzen an Betreiber Apcoa Parking

Eckwerte zu Karstadt gemäß Randspalte des Flensburger Tageblatts, 10.01.2013: 
    1964: Abriss altes Rathaus an den Süderhofenden
    1967: Bau Kaufhaus Hertie
    1996: Hertie wird Karstadt 
    2001: Bau Zufahrt von der Rathausstraße, die nie verwendet wird 
    2002, Dez.: Karstadt kündigt Neubau zwischen Ärzte- und Europahaus an inkl. neuem Parkhaus mit Zufahrt Rathausstraße 
    2006, März: Karstadt entwickelt Ausbaupläne 
    2007, Juni: Karstadt saniert Außenwände inkl. ZOB-Seite 
    2010, Dez.: Karstadt kündigt Erneuerung, d. h. Umbau von Rückseite und Parkhaus an; zum Termin keine Angabe 
    2011, März: Karstadt kündigt Passagen-Lösung für ZOB an; zum Termin keine Angabe 
    2013, Jan.: Hochtief Formart präsentiert konkrete Pläne für neues Parkhaus 


Am 04.01.2013 überraschte das Tageblatt die Bürger mit der Information: "Zur Gestaltung der Fassade hatte der Investor, unbemerkt von der Öffentlichkeit, im Herbst 2012 einen Fassadenwettbewerb ausgelobt, aus dem der Entwurf des Kieler Büros Schnittger Architekten als Sieger hervorging. Das Preisgericht hatte bereits am 3. Dezember getagt und sich einstimmig entschieden."(Flensburger Tageblatt, 04.01.2013; Unterstreichung WiF) 

Warum musste es plötzlich so schnell gehen, wo doch mit langem Vorlauf geplant worden war? Warum wurde nicht zumindest Zeit für eine Bürgerbeteiligung in Form einer Befragung gelassen? 
Wollte Karstadt nicht wissen, was die Bürgerinnen und Bürger, die das Kaufhaus wahrscheinlich als Kunden für sich gewinnen will, von der Planung mitten in ihrer Innenstadt halten? 

Verdächtig waren Formulierungen wie, alles sei besser als der jetzige Zustand. Der Inhalt des Neuen und angeblich Besseren sollte doch erst eindeutig bestimmt sein, bevor er breite Zustimmung erhält - und möglichst auch Beteiligung. 
"Die Entscheidung ist so gut wie gefallen: Im Ausschuss gab es nahezu keinen Widerspruch gegen die Planungen für ein neues Karstadt-Parkhaus in Flensburg" schrieb das Tageblatt (10.01.2013) und machte noch vor der Abstimmung Glauben, dass Einwände am Ergebnis nichts mehr ändern könnten. Zunächst wurde für Einwände eine Frist bis zum 17.01.2013 bekanntgegeben, die dann aber nach Intervention von Dr. Harro Teichmann bis zum 31.03.2013 verlängert wurde; der Planungsausschuss hatte sich aufgrund negativer Erfahrungen im Nov. 2010 verpflichtet, Verfahren nach § 34 BauGB zu entschleunigen. Das letzte Wort war also noch nicht gesprochen. 

Angeblich waren im Planungsausschuss "keine Widersprüche gegen den Parkhaus-Plan" zu vernehmen. Tatsächlich aber gab es Einwände zur Höhe der neu geplanten Parkhaus-Fassade sowie zur Verkehrsanbindung, bei der Fußgänger und Radfahrer benachteiligt zu sein schienen. Auch sollten die Fahrräder zukünftig besser abstellbar sein. 

Am 05.02.2013 beriet der SUPA abschließend über das Bauvorhaben und die vorliegenden Bürgereinwände. Weitgehend war man sich einig, dass die Lücke, die das Parkhaus gegenwärtig aufgrund der nur eingeschossigen Parkpalette hat, geschlossen werden solle. Der Investor hat die Bedenken der Bürger wahrgenommen und wird einige, wenn auch nicht alle berücksichtigen können. 

Das Tageblatt berichtete von der SUPA-Sitzung: "Kurz vor der Abstimmung erhöhte Chefplaner Peter Schroeders ganz sanft den Druck: "Wir haben den zeitlichen Korridor ausgereizt. Das Grundstück steht nicht dauerhaft zur Verfügung. Ein Nein würde eine hochgradige Gefährdung des Projekts bedeuten." Das wollte niemand, und am Ende stimmten alle bis auf Glenn Dierking (SSW), der sich enthielt, mit Ja für eines der bedeutendsten Innenstadt-Bauprojekte nach der Flensburg-Galerie. Für den Investor Hochtief Solutions ist der Weg frei für einen Bauantrag; der soll binnen 14 Tagen im Rathaus eingehen, sagte Hochtief-Sprecherin Gabriele Stegers. Baubeginn könne im Juli sein, man rechne mit einer Bauzeit von 18 Monaten."("Große Zustimmung zum Parkhaus am ZOB"; Flensburger Tageblatt, 07.02.2013) 


Wir werden weiter über die Umsetzung des Bauvorhabens berichten und darauf achten, dass die Ansprüche an die Verkehrssituation erfüllt werden und dass die Gestaltung das Innenstadtbild aufwertet, statt es zu beeinträchtigen (was das Parkhaus in seinem gegenwärtigen Zustand leider tut). Dass Planungen für Bauvorhaben "unbemerkt von der Öffentlichkeit" vorbereitet werden, um dann schnell entschieden werden zu müssen - womöglich noch mit Hinweis auf Ausreizung zeitlicher Korridore, die nur zum vorgegebenen Ziel führen und nicht auch zu Alternativen -, werden wir weiterhin kritisieren.(März 2013)

Kurz vor Fertigstellung der Fassade ist man skeptisch, weil sich Tag- und Nachteindruck des Parkhauses sehr unterscheiden.("Scharfe Kritik an Parkhaus-Fassade"; Flensburger Tageblatt, 10.03.2015)