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„Klarschiff"

„Klarschiff" lautet der Projektname eines groß dimensionierten Wohnungs- und Bürobaus, der seit 2008 an einer markanten Stelle am Ostufer des Flensburger Hafens (Ballastkai 1) gemäß § 34 BauGB gebaut werden darf, nachdem das Planverfahren für ein gewaltiges Fördehotel im Mai 2007 gestoppt worden war. Zuvor wurde dazu ein fast 100 Jahre altes Kailagerhaus abgerissen, dem der Denkmalschutz versagt blieb. Der Bauriegel von „Klarschiff" wurde quer auf die Mündung des Lautrupsbaches gebaut, so dass die Sichtachse ins Lautrupsbachtal und wahrscheinlich auch dessen Frischluftzufuhr beeinträchtigt werden. 

2006: Das Kailagerhaus auf der Lautrupsbachmündung     (c) Microsoft 


Gegen das Bauprojekt an jenem Ort engagierte sich neben der WiF auch die Interessengemeinschaft Ostufer (Presseübersicht der IG-Ostufer); auch der Verein zur Erhaltung der östlichen Altstadt Flensburgs St. Jürgen / St. Johannis e.V. sah das Projekt auf dem Grundstück Ballastkai 1 sehr kontrovers.  

Was tat die WiF? (2008-2013)
„Klarschiff“: Einhaltung der Bauvorgaben gefordert!
Der Block aus CDU, SSW, SPD ließ an falscher Stelle auf viel zu kleiner Fläche auf der Mündung des Lautrupsbachs einen überdimensionierten Luxusbau für Luxuswohnungen zu. Die Bauaufsicht war großzügig, und drei Jahre präsentierte der Bauherr eine Brache am Ostufer des Hafens. Die WiF forderte eine Kontrolle der Pläne, der Parteienblock tolerierte alles, weil sie es versprochen hatten. Solch großzügige „Versprechen“ wird es mit der WiF nicht geben!



Presseartikel zum Wohnhaus „Klarschiff"
überwiegend aus dem Flensburger Tageblatt / sh:z:

01.06.2007: Hafenhotel ist Geschichte ((Abstimmungsergebnis: 23:11 bei 3 Enthaltungen. - Weichenstellung für "Klarschiff"

03.01.2008: Kailagerschuppen: Architekt stellt Pläne im Ausschuss vor 
08.01.2008: Wählergruppe reicht EU-Beschwerde wegen Lagerhaus-Verkauf ein 
09.01.2008: Neue Pläne am Ballastkai: Ein Haus wie ein Schiff ("Es gibt keinen Ermessensspielraum." - Planungschef Schroeders
14.01.2008: "Klarschiff" im Planungsausschuss 
16.01.2008: Neubau ohne Wettbewerb?; Trostpflaster [Kommentar
23.01.2008: "Klarschiff" auf Grund gelaufen ("Kein gemeindliches Einvernehmen im Ausschuss"
05.02.2008: Kailagerschuppen bald unter Denkmalschutz? ("IG Ostufer stellt offiziellen Antrag in Kiel"
06.02.2008: "Klarschiff" ahoi! SPD reißt das Ruder herum (Abstimmungsergebnis im SUPA 10:2. - Die SPD ändert ihre Meinung und verzichtet auf einen Bebauungsplan.
10.03.2008: Kein Denkmalschutz für den Hafenschuppen ("IG Ostufer will Entscheidung anfechten"
*25.05.2008:  Kommunalwahl (2008-2013) 
03.06.2008: Stadtplaner warnen: Büros allein bringen kein Leben ans Wasser 
20.08.2008: Die Tage des Schuppens sind gezählt (Kailagerschuppen kurz vor dem Abriss)
03.09.2008: Trotz Kailagerhaus-Abriss: IG Ostufer ringt mit Investoren ("3744 Unterschriften hat die IG Ostufer noch für den Erhalt des alten Kailagerhauses gesammelt."

06.01.2009: Baustellen: Flensburg buddelt weiter (1. Spatenstich im Frühjahr 2009 prognostiziert: "Ab dann wird mit einem Jahr Bauzeit kalkuliert")
06.05.2009: Freiluft-Projekt: Lautrupsbach soll offen in die Förde fließen ("Bau einer kleinen Brücke im Laufe der Promenade, die zwischen "Klarschiff" und Kaikante... neu angelegt wurde"
19.05.2009: "Klarschiff" als Spaßbremse am Hafen (Stadtverwaltung: "Genehmigungsverfahren... lief einwandfrei und transparent"
29.07.2009: Klarschiff-Projekt startet mit Zufahrt (ohne separaten Beschluss der Politik, es genügt ein Vertrag mit dem TBZ)
21.11.2009: "Klarschiff" liegt auf dem Trockenen ("Mit der Fertigstellung rechnet Höft für 2011.")
09.12.2009: "Klarschiff". Die Bagger sind wieder da ("im Herbst 2011 soll 'Klarschiff' einlaufen"; "Gesamtvolumen von neun Millionen Euro"

06.03.2010: "Klarschiff" mit Unklarheiten (Fischmarkt erhebt Einspruch gegen Baugenehmigung; Bauplanung: durch langen Winter 6 bis 7 Wochen Zeitpuffer verloren
20.08.2010: Grünes Licht für Klarschiff (Architekt: "Wir planen weiterhin mit einer Fertigstellung im Jahr 2011."
01.10.2010: Scharmützel um "Klarschiff" ("WiF argwöhnisch: Mehr Wohnungen als genehmigt?"
05.11.2010: Klarschiff verzögert sich um ein halbes Jahr ("verzögert sich um eine weiteres halbes Jahr bis Frühjahr 2011")

17.02.2011: Dieselgeruch am Ballastkai (Bergung einer Altlast
20.04.2011: Projekt "Klarschiff". Operation am offenen Lautrupsbach (Bagger nimmt Abrissarbeiten vor. Laut Architekt verlaufe alles nach Plan
05.05.2011: Hochwasser für 'Klarschiff' ("soll bis zum Sommer 2012 ein vierstöckiges Gebäude entstehen"
09.08.2011: Von Baulücken und Schandflecken ("Klarschiff" - ein "Bürohaus"?

29.03.2012: Protest im Großformat: Hochschulen fordern Zukunftspakt (das Gerüst an der Südseite des "Klarschiff"-Rohbaus erhält ein "84 Quadratmeter große[s] Riesenbanner"
30.03.2012: Sturmböen lassen Baugerüst einstürzen: Arbeiter verletzt (Böen ließen "ein Gerüst auf einer Baustelle am Ostufer" einstürzen", ein Arbeiter "leicht verletzt... in die Notaufnahme", vermeldet das F.T.; die Polizei ermittele, "ob das Gerüst ausreichend gegen die Sturmböen gesichert war" - Ermittlungsergebnis: Bis dato unbekannt.
04.05.2012: "Der Promenaden-Slalom geht weiter" 

Frühlingsblüten von "Klarschiff": Plötzliche Veränderungen in der Entwicklung des Hafens
08.05.2013: Auch WiF macht sich für Ballastkai-Schiffe stark 
23.05.2013: Machtkampf um Schiffsliegeplätze ("Hauptausschuss contra Oberbürgermeister: Offener Streit um die Verlagerung alter Schiffe am Ballastkai" - eine Klarstellung über das Verhältnis von Politik und Verwaltung

09.05.2014: "Lautrupsbach bleibt unter der Erde" (Stadt: "Diese Planungen haben sich im Laufe des Verfahrens verändert, so dass der Bach nun verrohrt in den Hafen mündet."

 2013 wurde das Gebäude schließlich fertiggestellt (nach 3,5 Jahren Bauzeit mit mehrjähriger Brache auf sandigem, bachumspülten Hafengrund). 
 Das Bauvorhaben am Ballastkai 1 stand insgesamt unter keinem guten Stern, was nicht nur am verlängerten Zeitplan sichtbar wurde. 




(April 2012, Artikel aus 10. WiF-Zeitung)
Klarschiff – Nachlese zum politischen Mahnmal
Am Ostufer wächst der feudale Wohnungsbau

Einst besaß die Stadt ein zentral gelegenes Grundstück am Ostufer des Hafens, auf dem ein knapp 100 Jahre alter Kailagerschuppen stand. Führende Politiker kamen überein: Dort müsse neu gebaut werden. Sie befürworteten den Plan für ein großes Hotel, das die ganze Umgebung weit überragen sollte. 

Als Reaktion gründete sich die IG Ostufer, die den Flensburgern mit einer Zeitung die gigantische Planung verdeutlichte (2007). Die Fraktionen (CDU, SSW, SPD, Grüne) verwarfen das Hotel, fühlten sich jedoch offensichtlich weiterhin den Investoren verpflichtet. Der Bauherr sah gar seine Arbeitsplätze gefährdet, orakelte er im Planungsausschuss (2008). Der emotionale Nachdruck hatte Wucht. Der Bauherr sollte nun das Projekt „Klarschiff“ bauen dürfen: auch ohne Bebauungsplan mit Hilfe des § 34 BauGB und damit ohne Beteiligung der Flensburger Bürgerinnen und Bürger – auch zu Lasten des freien Hafenblicks vom Lautrupsbachtal aus. 

Zunächst schien alles glatt zu laufen: Auch gegen denkmalschutzrechtliche Bedenken und weit publizierte Alternativen der IG Ostufer wurde der Kailagerschuppen im August 2008 abgerissen. Wer auf einen schnellen Baubeginn gehofft hatte (wie das Tageblatt) wurde enttäuscht: Drei Jahre lang war das Ostufer von einer undeklarierten Baugrube quasi verwüstet. Politik und Verwaltung ließen den Bauherrn großmütig gewähren. Lediglich die WiF meldete Bedenken an, auch als das TBZ die Wegverbindung zur Hafenspitze ohne politischen Beschluss verändert hatte. Die IG Ostufer informierte fortlaufend und sammelte Zustimmung bei den Bürgern, ohne dass sich die Altparteien einer Alternative geöffnet hätten. 

Eine Bauvorbereitung von drei Jahren ist unüblich für den angesehenen Bauherrn. Anscheinend wollte auf der Mündung des Lautrupsbachs und dem morastigen Untergrund die sichere Gründung nicht einfach gelingen; 24 m lange Pfähle wurden eingebohrt. Der Kauf des Kailager-Grundstücks war mit ca. 200.000 Euro zwar relativ günstig, allerdings dürfte die lange Bauzeit den geschätzten Verkaufserlös der Luxuswohnungen von wohl über 10 Mio. Euro geschmälert haben. Zunächst gesellte sich zur mahnenden Informationstafel der IG Ostufer ein großes Schild des Bauherrn hinzu, das für den Kauf der Luxuswohnungen wirbt. Dann wurde die Informationstafel von einem präzise platzierten Baucontainer verdeckt (siehe Bild), wohl um potentielle Käufer nicht zu verunsichern. 

Die meisten Flensburger können sich einen Kauf nicht leisten, und auch ihre Unterschriften für eine Alternative zählten nicht. Man kann nur rätseln, wen der Bauherr meinte, als er im Planungsausschuss verkündete, er werde nichts gegen den Willen der Flensburger Bürger tun. Meinte er die zustimmenden Ratsmitglieder der Altparteien, dann lag er richtig. Klarschiff wird für lange Zeit daran erinnern, wie nahe die Parteien dem Bauherrn und wie weit sie von den Bürgern entfernt stehen. Erst seit dem Einzug der WiF in den Rat sprechen sie von „mehr Bürgerbeteiligung“.
 
* * * 

Im Januar 2013 erfuhr die Öffentlichkeit, einer der Investoren werde "eine der drei großzügig geschnittenen Wohnungen im oberen Geschoss beziehen", obgleich das Gebäude nicht ganz sein Baustil sei.(Flensburger Tageblatt, 23.01.2013) Er wird dann einen stattlichen Blick über die nicht-ganz-Großstadt genießen, in der große Gebäude keinen Bebauungsplan benötigen, wenn Ratsfraktionen über § 34 BauGB die Planungshoheit an die Verwaltung abgegeben haben. 




I. 
Die Vorgeschichte: Ein ****Hotel
2007 scheiterte eine wuchtige Hotelplanung

 

Wiederholt wurde in Flensburg das Fehlen eines 4-Sterne(plus)-Hotels beklagt. 
Dieser Mangel sollte ab 2006 durch den Bau des "Fördehotels" behoben werden. 

Der Hotelentwurf hatte ca. 36 Meter Höhe. Seine Dachgiebel hätten die 
Baumwipfel des Volksparks vermutlich erreicht, wenn nicht sogar überragt.  

Die goldene Farbe des Entwurfs entspricht dem Inhalt: Das "Fördehotel" sollte solvente 
Gäste nach Flensburg locken und deshalb im oberen Preissegment angesiedelt sein. 

Gegen diese Pläne, vor Flensburgs historischer Ostufer-Bebauung und mitten vor der 
Lautrupsbachmündung ein solches Gebäude zu errichten, gründete sich eine IG Ostufer. 



Öffentliche Aufmerksamkeit erzielte die "IG Ostufer" bereits im Herbst 2006, als es ihr gelang, mit der ersten von zwei selbst herausgegebenen Zeitungen über den geplanten Hotel-Neubau am Flensburger Innenhafen zu informieren. Kritisiert wurden die Dimensionen des Gebäudes und der Standort, für den alternativ ein 230 Meter weiter nördlich gelegener Ort vorgeschlagen wurde. Der geplante Neubau sollte nicht nur darin versagen, die Attraktivität der Gebäude am Ostufer zu unterstützen, sondern auch auf der Mündung des verrohrten Lautrupsbaches errichtet werden (erkennbar am schwarzen Rechteck in der Kaimauer auf dem Titelbild der IG-Ostufer-Zeitung) . 

Das gewaltige Vorhaben war im Umwelt- und Planungsausschuss (UPLA) am 14.11.2006 in 1. Lesung behandelt worden, ehe es nur 14 Tage später im UPLA am 28.11.2006 in 2. Lesung mit knapper Mehrheit beschlossen werden sollte: 7 Ja- gegen 5 Nein-Stimmen. Eine Bürgerbefragung war von der CDU-SSW-Mehrheit in der Ratsversammlung abgelehnt worden. Das reguläre Vorgehen nach Bebauungsplan sah mit dem Beschluss immerhin formvollendet vor: "Der Planentwurf sowie die Begründung sind für die Dauer eines Monats öffentlich auszulegen und das Verfahren zur Beteiligung der Träger öffentlicher Belange vorzunehmen."(UPLA, 28.11.2006

Die Planung sah vor, dass die Ratsversammlung am 15.02.2007 hätte beschließen sollen. Gegen das Fördehotel auf dem Grundstück Ballastkai 1 informierte die IG Ostufer die Öffentlichkeit, die von den in nur zwei Wochen geschaffenen Tatsachen überrascht gewesen sein dürfte.   

   
   Zeitung #1 der IG Ostufer, September 2006, S.1                 Zeitung #1 der IG Ostufer, September 2006, S.7

   
   Zeitung #2 der IG Ostufer, Januar 2007, S.1                        Zeitung #2 der IG Ostufer, Januar 2007, S.7


Auf Seite 5 der Zeitung #2 (Januar 2007) der IG Ostufer waren die Ratsmitglieder abgebildet, die bereits in der Ratsversammlung am 04.05.2006 den Aufstellungsbeschluss für das "Fördehotel Ballastkai" erwirkt hatten. Erstmals in Flensburg waren Kommunalpolitiker durch eine Zeitung öffentlich mit den wuchtigen Folgen einer Entscheidung konfrontiert. Dieses "Abgeordnetenwatch" sorgte für Unbehagen - vermutlich, weil man die Folgen des Beschlusses nicht ausreichend abgewogen und die Bürger auch nicht mehr als unbedingt nötig an der zukünftigen Gestaltung des Panoramas des inzwischen historischen Hafens beteiligt hatte. Demokratische Untertanen konnten der Form, dass überhaupt gewagt wurde, die gewählten Vertreter öffentlich mit ihrer Verantwortung zu konfrontieren, wenig abgewinnen. Nur: Mittelpunkt der Kommunalwahl 2003 war die Südermarktpassage gewesen und nicht ein gewaltiges "Fördehotel Ballastkai". 
Auf Seite 10 der Zeitungsausgabe war die Zusammensetzung des Preisgerichts für den Architekturwettbewerb aufgeführt: Ein Kreis von Personen, dessen Zusammensetzung Meinungsverschiedenheiten von vornherein ausschloss, nahm die IG Ostufer an. Der Planungschef wurde auf der gleichen Zeitungsseite mit widersprüchlicher Wahrnehmung konfrontiert. Ein 76 Meter langes Kultur-Restaurantschiff hatte an der Schiffbrücke keine Liegeerlaubnis erhalten, was der Planungschef in diesem Fall so begründete: "Die Aufbauten würden die Hafenkulisse verdecken, das sollte man sich immer vor Augen halten."(Flensburger Tageblatt, 19.11.2005; zitiert nach IG Ostufer) - Ein anderer Fall erfordert stets auch andere Regeln, eben die Einzelfallprüfung, wo Nutzen und Schaden zu verorten sind.  

Die Zeitungen hinterließen Wirkung. Die stärkste Fraktion in der Flensburger Ratsversammlung stellte seit der Kommunalwahl 2003 die CDU. Da sie für ihre Treue gegenüber Investoren bekannt ist, blieb es den anderen drei Fraktionen - SSW, SPD, Grünen - überlassen, auf den Druck der Öffentlichkeit zu reagieren und das Planverfahren für den Bau des Fördehotels mittels Vorlage RV-70/2007 einzustellen. Der Planungschef informierte den UPLA über den Umfang der Einwendungen: 
"Herr Dr. Schroeders berichtet, dass knapp 8.000 Unterschriften gegen das Fördehotel und etwas mehr als 150 individuelle Einwendungen vorliegen, die sich um wiederkehrende Themenblöcke wie Größe des Baukörpers, Standort, Immissionsschutz, Erschließung oder Verfahrensrecht drehen und diesen zugeordnet werden. Derzeit laufe die Bewertung der Einzelpunkte und Zusammenstellung des Abwägungsmaterials. Die Verwaltung bereite für die Zeit nach Ostern den nächsten Verfahrensschritt vor. Der Politik könnte in 4 Wochen die tabellarische Zusammenstellung zur Verfügung gestellt werden."(UPLA, 06.02.2007)

Drei Fraktionen sollten schließlich 3 Monate später einen Kurswechsel vollziehen und die Einstellung der Hotel-Planung beantragen.

Flensburger Tageblatt - Samstag, 26.05.2007

Drei Fraktionen fordern offizielle Einstellung der Hotel-Planung
Wählerinitiative lässt Grundstücksverkauf juristisch überprüfen

Mit der Mehrheit von SPD, SSW und Bündnis'90/Die Grünen soll bei der nächsten Sitzung der Ratsversammlung am Donnerstag, 31. Mai, das Planverfahren für das gescheiterte Fördehotel am Ballastkai offiziell eingestellt werden. Einen entsprechenden gemeinsamen Antrag haben die drei Fraktionen jetzt gestellt. Darin ist auch eine Aussage zur weiteren Nutzung des Grundstücks enthalten, das nach wie vor den Investoren Hermann Höft und Gerd Theilen gehört. 

Die drei Fraktionen schlagen vor, die weitere Nutzung des Grundstücks, auf dem bislang noch das alte Kailagerhaus steht, nach Paragraph 34 Baugesetzbuch (BauGB) zuzulassen. Dieser Abschnitt des BauGB besagt, dass Bauvorhaben in Gebieten, in denen es keinen Bebauungsplan gibt, sich in die vorhandene Bebauung einpassen müssen. 

Das seit Jahren geplante Hotel am Hafen-Ostufer hatte erst vor wenigen Wochen die politisch erforderliche Mehrheit verloren und kann deshalb nicht realisiert werden. Obwohl die Investoren immer wieder einen anderen Standort für den Hotel-Bau ausgeschlossen haben, appellierten politische Vertreter auch zuletzt wieder an das Duo, andere Standorte wie etwa die Harniskaispitze ins Auge zu fassen. 

Die neu gegründete Wählerinitiative „Wir in Flensburg“ (WiF) hat indes angekündigt, die Rechtmäßigkeit des Verkaufs des Grundstücks an die Investoren juristisch überprüfen zu lassen. In einer Pressemitteilung wird daran erinnert, dass ein früherer Investor für das Grundstück, das Hamburger Unternehmen PGH, das dem aus Flensburg stammenden Kai
-Uwe Petersen gehört, das Grundstück 2004 an die Stadt zurück gegeben hat, nachdem aus betrieblichen Gründen die damalige Planung für ein Wohn- und Bürohaus nicht umgesetzt werden konnte. Daraufhin sei das Grundstück „ohne erneute öffentliche Ausschreibung angeblich für 200.000 Euro Ende 2006 mit Zustimmung der Stadt und der im Aufsichtsrat der Stadtwerke vertretenen Ratsmitglieder “an Höft und Thielen „weiter gereicht“. Nach Auffassung von „WiF“ stieß dieser Verkauf gegen deutsches und gegen EU-Recht. Zudem, so „WiF“, hätte das Grundstück nach dem Scheitern der Planung an die Stadt beziehungsweise die Stadtwerke zurückfallen müssen.

                                                                                                                                                                                                                                                                                    

Die Ratsversammlung am 31.05.2007 bot den seltenen Vorgang im Parlamentarismus, dass nicht eine oder zwei, sondern gleich drei Fraktionen unter öffentlichem Druck eine bereits getroffene Entscheidung revidierten. 
 
Mit der Entscheidung der drei Fraktionen war nur die Bauplanung für das Fördehotel am Ballastkai eingestellt worden. Das Grundstück Ballastkai 1, auf dem das fast 100 Jahre alte Kailagerhaus stand, befand sich aber weiterhin im Besitz des Investors, der das Grundstück laut Aussage des damaligen 2. Bürgermeisters Heinz für einen Preis von "200.000 €"(IG-Ostufer-Zeitung Januar 2007, S.2) erworben hatte. Der Verzicht auf den Bau eines Fördehotels sollte nun nicht bedeuten, dass nicht etwas Anderes gebaut werden könnte, schließlich bot das Grundstück noch immer eine Renditechance. Es bedurfte bloß einer neuen, weniger wuchtigen Planungsidee... 


Presseartikel zum „Förde-Hotel" am Ballastkai
überwiegend aus dem Flensburger Tageblatt / sh:z:

19.04.2005: Pläne für ein Spitzenhotel am Hafen
12.05.2005: Grundsatz-Streit um Hotel am Hafen ("eine tolle Übernachtungsmöglichkeit für aussteigende Passagiere der Kreuzfahrtschiffe", meint ein CDU-Ratsherr)
20.05.2005: SPD und Grüne gegen Hotelbau am Kailagerhaus ("Planungsstart dennoch mehrheitlich beschlossen"
24.06.2005: Hotel am Hafen: Investoren im Feuer der Kritik
21.12.2005: Hotel-Planung: Hohe Würfel und Dreiergiebel; Erste Entwürfe [Kommentar]

24.01.2006: Ein Bronze-Trio für den Ballastkai
25.01.2006: Theilens Gold-Speicher entzweit die Geister; Quadratbau mit Atrium kam auf Platz 2
28.01.2006: Bürgerversammlung diskutiert Hotelprojekt am Hafen
02.02.2006: Wahrzeichen oder Fremdkörper?
15.02.2006: Hotel-Beschluss wurde um vier Wochen vertagt
07.03.2006: Hotel ohne Mehrheit?
16.03.2006: Wie hoch wird das Hotel wirklich?
23.03.2006: Hoteliers bündeln ihre Kräfte
27.03.2006: Mutige Entscheidungen statt endloser Debatten
29.03.2006: Hafenhotel ohne Mehrheit im Fachausschuss
01.04.2006: Wirtschaft für Hotelbau
04.04.2006: Hotel am Silo-Standort?
08.04.2006: „Mir fehlt die politische Unterstützung“ (beklagt der Investor
22.04.2006: Keine Lösung im Hotel-Streit; Förde-Hotel: Standort spaltet die Gemüter; Hotel-Investoren sind im Norden Mangelware
27.04.2006: Schutz für die erste Baureihe
28.04.2006: Hotel-Gegner der CDU verliert Ausschusssitz
04.05.2006: Pro und Contra zum Hotel am Flensburger Hafen
05.05.2006: Rat gibt grünes Licht für Hotel (Abstimmungsergebnis 26:15); Ein guter Tag [Kommentar] 
06.05.2006: Hotel braucht ein Jahr Planungszeit
27.09.2006: Ausschuss kippt Planung für das Hotel am Hafen; Konsequent [Kommentar] 
28.09.2006: Hotel: Gegner und Befürworter gehen in Stellung
06.10.2006: Hotel am Hafen: Kritiker laufen weiter Sturm
11.10.2006: Es wird knapp für das Hotel am Hafenostufer; Glaubwürdig? [Kommentar]
13.10.2006: Rat ebnet Weg für Fortsetzung der Hotelplanung
24.10.2006: Hotel erneut im Ausschuss
31.10.2006: Neue Konkurrenz für alte Parteien
04.11.2006: Hafen-Hotel: Entscheidung erneut vertagt 
14.11.2006: Neues Bündnis gegen das Hafenhotel
16.11.2006: Die Hotel-Hängepartie geht weiter
25.11.2006: Hafen-Hotel: Bürger-Befragung abgelehnt ("Sollen wir künftig bei jeder unbequemen Frage kneifen und eine Umfrage starten?", fragt der SSW-Fraktionsvorsitz); Armutszeugnis [Kommentar] 
30.11.2006: Hotel: Wichtiger Schritt nach vorn
08.12.2006: Förde-Hotel: Kritik an der Höhen-Darstellung
20.12.2006: Ein Hafenhotel, ein Meermuseum und drei Giebel

16.01.2007: 5350 Mal Nein zum geplanten Hotel am Hafen
22.01.2007: SSW kündigt Broschüre zum Hafen-Hotel an
15.03.3007: Hafen-Hotel droht zweite Auslegung 
21.03.2007: Existenz-Angst im Fischmarkt 
29.03.2007: Projekt Hafenhotel: Politik auf dem Rückzug
30.03.2007: Grüne: Planung für das Hafenhotel aufheben
09.05.2007: Aus für das Hotel am Hafen
26.05.2007: Drei Fraktionen fordern offizielle Einstellung der Hotel-Planung
30.05.2007: Rat will Hotelplanung einstellen
01.06.2007: Hafenhotel ist Geschichte (Abstimmungsergebnis: 23:11 bei 3 Enthaltungen. - "Das [Denunzierung der Hotel-Befürworter] war schockierend und hat mit Demokratie nichts zu tun.", meint ein SSW-Ratsherr.
02.06.2007: Terror-Kampagne gegen die Hotel- Befürworter
16.06.2007: Hotel-Investoren verlieren Vertrauen in die Politik 
22.06.2007: Offenes Rennen um den neuen Hotel-Standort
01.08.2007: Stadthotel: Noch keine Alternative zum Ballastkai
06.11.2007: Hotel: Übergeordnete Planung gefordert
27.12.2007: Aus für das Hotel am Hafen 
...
17.01.2017: Vier Sterne für Flensburgs neue Perle [an der Schiffbrücke] (Investor zum Förde-Hotel: 
„Die Gegner des Hotels haben gelogen und betrogen, am Ende knickte die Politik ein.“)

Das Letzte
Dafür ["eine konsequente Entscheidung" für "ein Projekt von so prägender Bedeutung"]... als Hilfe eine repräsentative Bürgerbefragung zu fordern, gleicht einem politischen Armutszeugnis. Mit ihrer Wahl haben die Kommunalpolitiker die Verantwortung übernommen, für ihre Bürger zu entscheiden. Jeder, der die Pflicht[?] in heiklen Fragen wieder auf seine Wähler abwälzen will, hat in der Ratsversammlung nichts verloren. (aus dem shz-Kommentar "Armutszeugnis" vom 25.11.2006, eingeleitet mit: Jetzt reicht es!

Klarstellung: 
GesetzesgrundlageDie Gemeindevertreterinnen und -vertreter handeln in ihrer Tätigkeit nach ihrer freien, durch das öffentliche Wohl bestimmten Überzeugung.(§ 32 Abs. 1 der Gemeindeordnung für Schleswig-Holstein




II. 
Geschichte wiederholt sich: Mitbestimmung? 
2008 wurde auf Bürgerbeteiligung sicherheitshalber verzichtet

Die Planung des "Fördehotel Ballastkai" war als ordentliches Verfahren mit Aufstellungsbeschluss und Bebauungsplan erfolgt, auch wenn der Planungsausschuss (UPLA) sich 2006 nur zwei Wochen Bedenkzeit gegeben hatte. Das Scheitern des Fördehotels sollte nun aber nicht den Übergang zu einer Kommunalpolitik mit konsequenter Beteiligung an dem für viele Flensburger prägenden Hafengrundstück bedeuten. Das Grundstück Ballastkai 1 war seit dem Verkauf weiterhin Privateigentum, das gekauft worden war in der Hoffnung, eine Rendite zu erzielen. Die Renditechance wäre durch einen erneuten Architektenwettbewerb nicht gestiegen, aber der Verkauf des Grundstück war ursprünglich an einen solchen gebunden worden. Noch bevor der UPLA am 22.01.2008 tagen sollte, problematisierte das Tageblatt die Rahmenbedingungen des Nachfolgeprojekts, einem "Mehrzweckgebäude".

Der Entwurf von "Klarschiff": Ein ansprechend gestaltetes Gebäude an einem zu kleinen, ungeeigneten Standort

 
"Jetzt wird, wenn nichts dazwischen kommt, ganz ohne Wettbewerb der erste öffentlich präsentierte Entwurf für ein Mehrzweckgebäude umgesetzt. Doch damit nicht genug: Nach Darstellung des städtischen Chefplaners muss[sic!] die Stadt dieses Projekt nach Paragraph 34 Baugesetzbuch genehmigen", wurde noch vor der UPLA-Sitzung behauptet. Nachdem der Oberbürgermeister versichert hatte, die voraussichtliche Genehmigung des geplanten Projektes sei auch keine Kompensation gegenüber den Investoren, erfuhr man zur geplanten Bruttogeschossfläche von 3.800 qm: "Nach Dafürhalten der Stadtplanung ist diese Fläche genehmigungsfähig nach Paragraph 34 Baugesetzbuch, nach dem sich ein Bauvorhaben 'nach Art und Maß' in die Umgebung einfügen muss." Aber Grünen-Ratsherr Uwe Lorenzen konnte sich an einen unterschiedliche Flächenbewertung gegenüber dem Projekt aus dem Jahr 2002 erinnern, dem Jahr als die Ausschreibung erfolgt war: "2002, als die Hamburger Planungsgesellschaft Holzbau zunächst den Zuschlag bekommen hatte und in die Planung einsteigen wollte, durften 2.000 qm nur geringfügig überschritten werden" schreibt das Tageblatt und zitiert den Ratsherrn: "Das für die Zulässigkeit eines Vorhabens relevante Maß der baulichen Nutzung kann 2008 nicht anders beurteilt werden als 2002." Aber: "Planungschef Peter Schroeders kann sich sechs Jahre später nicht mehr an eine derart restriktive Flächenbeschränkung erinnern. Für ihn steht hingegen fest, dass sich der heute vorgesehene Bau aus der Feder des Architekten Laust Lorenzen trotz der Fläche von 3.800 Quadratmetern in die Umgebung einfügt und deshalb zugelassen werden muss."("Neubau ohne Wettbewerb?"; Flensburger Tageblatt, 16.01.2008)

Der seinen Artikel auch kommentierende Journalist fragte: "Jetzt soll der erste präsentierte Entwurf quasi nach Aktenlage genehmigt werden. Wo bleibt der Wettbewerbsgedanke? Die Aussage, der einst geforderte Wettbewerb habe ja bei der Hotel-Planung stattgefunden, kann nicht wirklich überzeugen. Das Hotel wird bekanntlich nicht gebaut. Zumindest seltsam mutet an, dass die verhinderten Hotel-Investoren jetzt deutlich größer bauen dürfen, als man[?] es dem ersten Interessenten vor sechs Jahren erlauben wollte. Das riecht sehr nach schlechtem Gewissen der Politiker und finanziellem Trostpflaster für die Investoren."(Standpunkt "Trostpflaster"; Flensburger Tageblatt, 16.01.2008) 

    
    
    "Klarschiff"-Loftbesitzer werden alle wesentlichen Einrichtungen der Stadt im Blick haben, inklusive des Rathauses und exklusive des Finanzamtes.  -  Blick aus 2. Reihe vom Werftkontor, im Vordergrund das Kailagerhaus, 08.05.2008. 


Der Planungschef, dem die Erinnerung fehlte, war bereits ganz auf die Umsetzung des Vorhabens konzentriert, ohne die politische Außenwirkung vollständig zu berücksichtigen; vielleicht auch ein Grund, weshalb Oberbürgermeister Tscheuschner zum Frühjahr 2008 einen Wechsel der Fachbereichsleitung vornahm? Während einige Fraktionen die Außenwirkung durchaus im Blick hatten, gab sich die CDU ganz unbeirrt: "Herr Dr. Döring führt für die CDU-Fraktion aus, dass das Grundstück nach wie vor für ein Hotel prädestiniert sei und wegen seiner hervorragenden Lage durch einen Bebauungsplan überplant werden müsste. Durch den Ratsbeschluss am 31.05.2007 sei aber eine politische Bindung ausgelöst worden. Ein nach Fachmeinung nach § 34 entwickeltes Vorhaben liege nun vor und es bestehe kein politischer Handlungsspielraum mehr. Es bestehe eine Pflicht zur Erteilung des Einvernehmens."(UPLA, 22.01.2008) Wenn tatsächlich eine "Pflicht zur Erteilung" und "kein politischer Handlungsspielraum" alternativlos gewesen waren, warum bestand dann in der Abstimmung überhaupt noch eine Wahl? 

Zusätzlich waren die Politiker im UPLA mit der Unzufriedenheit der Investoren konfrontiert: "Der in der Ausschreibung geforderte Wettbewerb sei für das von der Stadt gewünschte Hotel durchgeführt und anschließend das Bauleitplanverfahren von der Politik beendet worden." Und sie wurden verwarnt: Erst auf Einladung der Fraktionsvorsitzenden seien die Investoren "damals auf die Einstellung des Verfahrens und die Möglichkeit des Vorhabens nach § 34 [BauGB] hingewiesen worden. Dabei seien die groben Daten des Projektes bekannt gewesen. In Umsetzung dieser Absprachen habe man einen kleinen internen Wettbewerb mit 3 Büros durchgeführt und sich für den vorliegenden Entwurf ["Klarschiff"] entschieden." Damit noch nicht genug: "Wegen der fehlenden Verlässlichkeit werde nun rechtlicher Beistand geholt und zukünftige Investitionen in Flensburg seien fraglich."(UPLA, 22.01.2008 

Die damals die Ratsversammlung dominierenden Fraktionen von SSW, SPD und CDU saßen in der Zwickmühle zwischen eingegangenen Verpflichtungen (ihrer "Einladung") und den Wünschen der Bürgerinnen und Bürger, deren Beteiligung beim Verfahren nach § 34 BauGB nicht vorgesehen war. Das war ihnen anscheinend bekannt, wenn sie die Investoren von der Wirksamkeit jenes BauGB-Paragraphen tatsächlich zu überzeugen versucht hatten. Waren sie tatsächlich im Baurecht so gut beraten, dass sie die Rechtsfolgen aus § 34 so vollständig kannten, um selbst beraten zu können? 

Die großen Fraktionen waren sich schließlich im UPLA zwei Wochen später, am 05.02.2008, einig, das Nachfolgeprojekt zum kontrovers diskutierten Fördehotel ohne ein Verfahren mit Bebauungsplan zu realisieren und auf jeglichen Gestaltungsanspruch und auch einen Architektenwettbewerb zu verzichten. Ein Verfahren mit Bebauungsplan hätte den Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit für Einwände und Anregungen gegeben - ein heikles Unterfangen, nachdem das Fördehotel solch Maß an Ablehnung erfahren hatte. Auch deshalb hatte sich die SPD nochmals mit den Abmessungen des Gebäudes befasst und alle Zweifel ausgeräumt: "Das Bauvorhaben 'Klarschiff' bewegt sich höhenmäßig 20 m unter dem Projekt 'Hotel' und 4 m über dem jetzigen Kailagerschuppen. Es fügt sich in die vorhandene Bebauung ein und ist somit nach § 34 BauGB zulässig."(UPLA, 22.01.2008) Die SPD stimmte daher ebenfalls zu, was dem Tageblatt eine Schlagzeile wert war: "'Klarschiff' Ahoi! SPD reißt das Ruder herum."(Flensburger Tageblatt, 06.02.2008) 

So wurde die Verantwortung in die Hände der Verwaltung gelegt, die sich fortan um die Umsetzung zu bemühen hatte. Das neue Bauvorhaben "Klarschiff" bedeutete auch: Mit allen möglichen Einwendungen Klarschiff gemacht zu haben, d. h. sie von vornherein außenbords befördert zu haben. Die Ratsfraktionen der Parteien sollten die Zustimmung der Bürgerinnen und Bürger in den Zeitungen der WiF und bei der Kommunalwahl 2008 bemerken. 

Wer gehofft hatte, dass Landesamt für Denkmalpflege würde das alte Kailagerhaus als schützenswert einstufen, wurde noch am 04.03.2008 informiert, es habe den Antrag auf Anerkennung des Kailagerhauses als Kulturdenkmal zurückgewiesen.(UPLA, 04.03.2008Zunächst sollte es ruhig bleiben um das Kailagerhaus, dessen letzte Tage bereits vor der Kommunalwahl gezählt waren.   

Das bereits zum Abriss freigegebene Kailagerhaus am 08.05.2008 





III. 
Der Abriss und die Brachezeit 
Das Kailagerhaus weicht, Ödnis entsteht 


Im Sommer 2008 wurde schließlich ernst gemacht: Schweres Gerät erschien am Kailagerhaus und deponierte Entsorgungscontainer.(19.08.2008) 



Die Zerstörung des Kailagerhauses hatte begonnen. Wolken bedeckten die "sinnlose Gewalt" der Maschinen am 04.09.2008. 

Der Abbruch öffnete für ca. 3 Jahre den Blick auf ein malerisches Hafenpanorama. - Der "Klarschiff"-Riegel sollte den Blick wieder verstellen. 


Das sollte es für die nächsten Monate und Jahre gewesen sein. Etwa drei Jahre bot sich den Passanten am Hafen das Restfundament mit einem "Chaos" an Grünpflanzen. Das hatte nicht nur Charme, sondern erstmals seit langer Zeit entfaltete sich auf dem Hafendamm das sehenswerte Panorama des Westufers. Das Kailagerhaus wurde nicht wirklich vermisst. Das Panorama hingegen sollte noch verwertet werden: Für exklusives Wohnen. 

WiF-Mitglieder sehen, was Hafenbesucher drei Jahre (2009-2011) besichtigen konnten: Eine bauplanerische Leere, 26.08.2009                          (c) NDR


Die Fläche des Grundstücks Ballastkai 1, auf der das Gebäude "Klarschiff" gebaut werden sollte, ist eigentlich zu klein für raumgreifende Gebäude. Deshalb hätte das ursprünglich geplante Fördehotel eine Höhe von über 35 Metern gehabt, um die kleine Grundfläche bestmöglich zu verwerten - mit den entsprechenden Konsequenzen für das Stadtbild.

  Grundstücksfläche am Ballastkai: Zu klein für Großes       (c) Google

Zwischen Abriss und Baubeginn von "Klarschiff" sollte viel Zeit verstreichen. Der weiche Untergrund und der unterhalb des Baugrundstücks in die Förde einmündende Lautrupsbach sollten Probleme bereiten. Der Bach sollte ursprünglich nicht unter dem neuen Gebäude "Klarschiff" verlaufen, wurde dann aber doch nicht verlegt, so dass die Verrohrung erneuert werden musste. Das Gießen eines neuen Betonkanals stellte sich durch das ständig eindringende Fördewasser "als unmöglich heraus", was "zeitlich als auch finanziell" zu einem "Super-Gau" wurde, wie der Bauleiter kundtat. Vom Plan, "bis zum Sommer 2012 ein vierstöckiges Gebäude" zu errichten, wurde notgedrungen abgewichen.("Am Lautrupsbach. Hochwasser für 'Klarschiff'"; Flensburger Tageblatt, 05.05.2011)

Der Baugrund bzw. die Mündung des Lautrupsbaches, die von "Klarschiff" auf ewig(?) verrohrt wird, war der Förde vor weniger als 100 Jahren abgerungen worden, wie das Foto der Zeppelin-Fahrt von Hugo Eckener über Flensburg zeigt. Damals, im August 1912, gab es das heutige Ostufer mit seiner Kaimauer noch nicht, da die Aufschüttung für den Ausbau der Gleisanlagen erst später erfolgen sollte. 

Zeppelin-Überflug: Lautrupsbachmündung am 11.08.1912                                     (c) Stadtarchiv

Die zeitlichen Prognosen, die in der Presse wiederholt hoffnungsfroh vermeldet wurden, konnten fast alle nicht eingehalten werden. Zwar war im August 2010 "Grünes Licht für Klarschiff "(Flensburger Tageblatt, 20.08.2010) angekündigt, aber die Prognose "Wir planen weiterhin mit einer Fertigstellung im Jahr 2011" sollte sich bereits im Frühjahr 2011 als Irrtum herausstellen. Wohnungskäufer erhielten dadurch zusätzliche Zeit, den Sparstrumpf für ihren Apartementtraum zu füllen. Im Jahr 2012 blieb es - abgesehen von einem durch ein Riesenbanner der Hochschulen verursachten Gerüsteinsturz mit Verletzungsfolge - ruhig um das Bauvorhaben. Man war zurückhaltend geworden und baute Stein auf Stein, biss die schöne, unverstellte Aussicht der Bürger auf das Panorama des Westufers schließlich zugemauert war. 

Erst im Januar 2013 sollten erste Bezugsdaten veröffentlicht werden - sowohl mit einem Grund zur Freude (ein Investor würde sich mit dem Einzug ins Obergeschoss belohnen) als auch mit einem realen Wermutstropfen: "Klarschiff" ohne Kneipe (Flensburger Tageblatt, 23.01.2013). Eine urige Hafenkneipe hätte sich mit dem edlen Loft-Ambiente vermutlich auch nicht vertragen. 




IV.
"Politische Bindung"(CDU) geht vor Wettbewerb und Beteiligung
Die Fraktionen hatten ihren Frieden gemacht - mit einer Ausnahme

Nach dem Abriss des Kailagerhauses Anfang September 2008 hatte das Hafengrundstück in zentraler Lage nahezu ein Jahr lang brach gelegen war mit seinem Kräuterfundament keine Attraktion geworden. Daher forderte die WiF-Fraktion per Schreiben vom 07.08.2009 die Verwaltung begründet auf, die im März erteilte Baugenehmigung zurückzunehmen, da das geplante "Klarschiff"-Gebäude aufgrund der Dimensionen im krassen Gegensatz und Widerspruch zu der früheren Bebauung stehen würde. Auch hatte das Technische Betriebszentrum (TBZ) nach der für "Klarschiff" im März 2009 erteilten Baugenehmigung per separatem Vertrag eine Zufahrt zur Hafenspitze angelegt, da der Neubau die alte Zufahrt überbauen würde. Grundlage dieser Maßnahme war ein Erschließungsvertrag zwischen TBZ und Bauherr, für den sich die Politik mehrheitlich nicht mehr interessierte. 
Der Bürgermeister beantwortete die Forderung der WiF-Fraktion mit dem Hinweis auf die durch § 34 BauGB erleichterten und nachgiebig auslegbaren Bauvorschriften: 
"Das beantragte Vorhaben fügt sich nach Art und Maß der baulichen Nutzung, der Bauweise und der Grundstücksfläche, die überbaut werden soll, in die Eigenart der näheren Umgebung ein.[§ 34 BauGB] Die Erschließung ist gesichert. Die Rücknahme einer Baugenehmigung setzt zwingend die Rechtswidrigkeit der Baugenehmigung voraus. Diese trifft jedoch im vorliegenden Fall nicht zu. Für die beantragte und genehmigte Nutzung wurde bereits im Rahmen des Vorbescheidsverfahrens das gemeindliche Einvernehmen am 05.02.2008 mehrheitlich bei zwei Gegenstimmen erteilt. Zwischen Vorbescheidsplanung und Baugenehmigungsplanung  hat sich zwischenzeitlich keine Veränderung in der Nutzung ergeben. Die genehmigte Nutzung entspricht der im Bauvorbescheidsverfahren beantragten Form. Eine Rücknahme der Baugenehmigung würde nicht nur rechtswidrig sein, sie würde auch zu Ersatzansprüchen der durch die Baugenehmigung Begünstigten führen (Vertrauensschutz). Ein Widerruf oder eine Rücknahme der Baugenehmigung ist aus diesen Gründen nicht möglich."(Bürgermeister Brüggemann, Brief vom 19.08.2009) 

Nachdem der Bau der neuen Hafenspitzen-Zufahrt zügigst durchgeführt und als Startschuss dargestellt worden war ("Klarschiff-Projekt startet mit Zufahrt"; Flensburger Tageblatt, 29.07.2009), tat sich lange Zeit nichts am Ballastkai. Das Terrain war schwierig: "Es gilt, in der Tiefgarage ein Fließgewässer zu integrieren. Es muss eine Einigung mit den Nachbarn getroffen werden, die dort mit Fisch handeln - mit entsprechenden Geräusch- und Geruchsbelästigungen. Und schließlich müssen Käufer für die nicht gerade kleinen und billigen Wohnungen gefunden werden."("'Klarschiff' liegt auf dem Trockenen"; Flensburger Tageblatt, 21.11.2009) Außerdem hatte eine Beschwerde der WiF bei der Kommunalaufsicht die Genehmigung eines weiteren Bauantrags verzögert, nachdem der erste Bauantrag am 05.03.2009 genehmigt worden war.(a.a.O.) Ein Nachtrag zum Bauantrag sorgte schließlich für die Baugenehmigung im November 2009: "Herr Rolfes teilt mit, dass das Innenministerium die Anwendung des § 34 BauGB für die Genehmigung des Projektes Klarschiff bestätigt habe. Hierfür seien Teilbaugenehmigungen erteilt, eine weitere stehe wegen der Verlagerung von Stellplätzen infolge der Entscheidung zur Führung des Lautrupsbaches noch aus."(UPLA, 24.11.2009) Die Aufsichtsbehörde war den Einwänden der WiF nicht gefolgt; das Gesamtvolumen wurden vom Bauherrn auf 9 Mio. Euro taxiert.("Die Bagger sind wieder da"; Flensburger Tageblatt, 09.12.2009) 

Die WiF-Fraktion reagierte auf den Presseartikel, indem sie eine Erklärung zum Kailagerhaus-Grundstück abgab. 

Kailagerhaus: Planabweichungen
Fragen an eine flexible Planung (09.12.2009)
 
Wie ein roter Faden ziehen sich Missverständnisse und nicht nachvollziehbare Entscheidungen durch die Bauvorhaben der Investoren Theilen und Höft auf dem Gelände des Kailagerhauses II. So wurde das Hotelprojekt, das im Rahmen eines Bauleitverfahrens unter Einbeziehung der Flensburger Bevölkerung entstehen sollte, im Mai 2007 zu Grabe getragen, nachdem eine politische Ratsmehrheit nicht mehr gegeben war. Dieser Entschluss wurde von den damaligen Fraktionsvorsitzenden mit großer Mehrheit gefasst und im Rahmen einer Pressekonferenz bekannt gegeben.

Auf dieser Pressekonferenz wurde dann fortgeführt, dass die Investoren „im Gegenzug“ auf dem Grundstück des Kailagerhauses nach vereinfachten Baurecht bauen dürfen, etwa 2 bis 3 m höher als der abzureißende alte Schuppen. Und was daraus wurde: Grundstücke wurden hinzugekauft, die genehmigte Planung sieht ein großes, die schmalste Stelle im Hafenbereich plombierendes Gebäude vor, nicht 2 bis 3 m, sondern 5 m höher als das Kailagerhaus, vor.

Was heißt eigentlich „im Gegenzug“? Gegenzug bedeutet doch so viel wie „Wiedergutmachung“, aber wofür? Gelingt es nicht, beim Hotelbau das Bauleitvorhaben durchzubringen, so ist das das alleinige Risiko des Investors. Wer hat hier wem Versprechungen gemacht? Und warum nun das vereinfachte Baurecht? Da können die Flensburger nicht mitreden!

Die WiF hat sich gegen das neuerliche Bauvorhaben, das nicht nur in der Bevölkerung, sondern auch in der Verwaltung auf wenig Gegenliebe stößt, gewendet und versucht nach wie vor, das geplante und nicht ins Ortsbild passende Bauvorhaben zu verhindern. Deswegen haben wir uns nach anwaltlicher Beratung und auf Grund einer Rechtsauskunft eines des Baurechts wirklich Kundigen an die obere Bauaufsicht gewendet. Der Investor Höft, wie im F.T. vom 09.12.2009 berichtet, scheint nicht recht informiert worden zu sein, dass die Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Baugenehmigung bei der WiF ausgeräumt seien. Denn die obere Bauaufsicht geht in ihrem Antwortschreiben in keiner Weise auf unsere Begründung der Unrechtmäßigkeit ein. Also werden wir uns noch einmal an die obere Bauaufsicht wenden müssen, um eine nachvollziehbare Antwort zu bekommen. Wir sind gerade dabei. Je mehr jetzt investiert wird, desto teurer werden auch eventuelle Schadensersatzansprüche, sollten wir Recht bekommen. Der rote Faden ist sicher noch nicht zuende. 




2009+2010: Brache mit betonierter Lautrupsbachmündung   (c) Google

Konsequent waren auch die Fraktionen von SSW, CDU, SPD, Grünen: Nachdem sie über § 34 BauGB eine Bürgerbeteiligung umgangen hatten, sahen sie auch von einer Kontrolle des Bauvorhabens ab. Das Scheitern des Fördehotels im Mai 2007 und die Nebenfolgen hatten die "politische Bindung"(CDU) in keiner Form gelockert.  

Nachdem ein weiteres Jahr verstrichen war, ohne dass etwas auf dem Gründstück geschehen war, unternahm die WiF-Fraktion im September 2010 einen weiteren Versuch, die Einhaltung der Rahmenbedingungen des Bauvorhabens "Klarschiff" sicherzustellen. Mit der Vorlage RV-135/2010 strebte die Fraktion eine Überprüfung des Bauvorhabens an, da sie den Eindruck hatte, dass die in den Beschlüssen eigentlich vorgesehene Mischnutzung Büro und Wohnen verändert worden war, so dass nun eine überwiegende Wohnnutzung angestrebt würde. Die Vorlage wurde in der Ratsversammlung am 30.09.2010 behandelt, wobei der Planungschef der Verwaltung meinte, ihm lägen keine Erkenntnisse vor, dass die in der Vorlage enthaltenen Aussagen zuträfen. Die Vorlage wurde schließlich gegen die Stimmen der WiF-Fraktion von der Ratsmehrheit abgelehnt, die kein Interesse an einer Überprüfung hatte und den Bauherrn gewähren ließ. 

Eine Veränderung der Brache am Ostufer ließ zunächst weiter auf sich warten. Der Ankündigung der Presse ("Grünes Licht für Klarschiff", 20.08.2010) sollte im November die Ernüchterung folgen, da sich der Bau "um ein halbes Jahr" verzögern sollte. "Der Grund seien 'technische Probleme bei der Verlegung des Lautrupsbaches', hieß es. Der Bach soll in einem Kanal durch die Tiefgarage des kombinierten Wohn- und Geschäftshauses fließen, jedoch zwischen dem Haus und der Kaikante sowie zwischen Ballastbrücke und Haus freigelegt werden."("Klarschiff verzögert sich um ein halbes Jahr"; Flensburger Tageblatt, 05.11.2010) 


2011/2012: "Klarschiff" wächst in die Höhe                      (c) Microsoft


Im Jahr 2011 machte "Klarschiff" wenige Schlagzeilen. Zunächst kam wieder Zuversicht zum Ausdruck: "Nicht nur der Architekt betont, dass alles nach Plan verlaufe. Auch die Arbeiter an der Baustelle sind zuversichtlich, dass unter den jetzigen Bedingungen alles glatt läuft: 'Wir haben Glück, dass kein Ostwind ist, sonst würde das Wasser die Arbeiten erschweren.'"("Operation am offenen Lautrupsbach"; Flensburger Tageblatt, 20.04.2011) Aber 14 Tage später setzte Ernüchterung ein: "Während der Abrissarbeiten des alten, ohnehin sanierungsbedürftigen Betonfundaments wurde die Kraft des Wassers in der Flensburger Förde deutlich. Durch den hohen Wasserstand umspült das Hafenwasser beständig das Fundament und füllt die Baugrube mit Wasser - das Gießen des ursprünglich geplanten neuen Betonkanals stellte sich als unmöglich heraus ... Statt das alte Betonfundament durch einen neuen Rechteckkanal zu ersetzen, sieht das Unternehmen als einzige technische Lösung, den Bach durch Rohre fließen zu lassen, erklärte der Bauleiter."("Hochwasser für 'Klarschiff'"; Flensburger Tageblatt, 05.05.2011) 

Die Kraft der Natur war weit stärker als die Kraft der politischen Gegner, die dem Bauvorhaben und seiner Umsetzung weiterhin mißtrauten. Während die WiF ihre Möglichkeiten ausgeschöpft hatte, konfrontierte die IG Ostufer die Ratsfraktionen ausdauernd mit Kritik und alternativen Vorschlägen. Die "politische Bindung" der für das Bauvorhaben verantwortlichen Fraktionen war unerschütterlich. Auch Unterschriftenaktionen konnten sie nicht beeindrucken, sondern SPD/SSW/CDU/FDP verhinderten im neu gewählten Landtag geschlossen die Einführung kommunaler Bürgerbegehren. So weit ging ihre politische Bindung, dass sie Einwände der Bürgerinnen und Bürger gegen Bauprojekte weiterhin nur auf den alle vier Jahre stattfindenden Wahlsonntag beschränken wollen, an dem dann das neue Regierungspersonal durch Stimmabgabe bestellt werden darf. Investoren sollten mit ihren Wünschen auch weiterhin nicht zu kurz kommen. Daran wird "Klarschiff" in Flensburg noch längere Zeit erinnern. 


"Klarschiff" setzt erste Segel, 15.09.2012 


2013: Das angestrebte Jahr der Vollendung 

Panorama des Ballastkai: Welche Veränderungen werden sich aus dem Bau von "Klarschiff" ergeben?  


Auf der Lautrupsbachmündung beginnt die "Hafen-City", 05.03.2013 


  "Klarschiff" kurz vor der Fertigstellung, 01.05.2013                                    ...aber noch nicht ausverkauft: "Nur noch 3 Wohnungen frei". 


 Nach "Art und Maß" in die Umgebung eingefügt (= Chefplanung)



 Wird die "MS World" andocken und die Südfassade Käufer anlocken?


Der Besuch der "MS World" am 10.05.2013 genügte nicht, um den Leerstand zu beseitigen: "Vier der 16 Wohnungen warten auf einen Käufer."("Schmierereien bei Klarschiff"; Flensburger Tageblatt, 14.08.2013) 

Aufmerksamkeit erhielt das Gebäude - allerdings in unerwünschter Form: Unbekannte verübten einen "Farbanschlag"(sh:z). Dass der Vorgang umgehend große Berichterstattung erhält, ist ein Beleg für die exponierte Lage des Gebäudes, dessen Bau strittig war. Gleich drei Artikel war dem Tageblatt der Sachschaden wert. Zum Vergleich: Als Sturmböen Ende März 2012 ein Transparent aufblähten, was das Baugerüst einstürzen ließ und zu Personenschaden führte, war die Berichterstattung geradezu dezent, wenn nicht sogar verschleiernd; über die Ermittlungen, deren Ergebnis auf der Hand lag, wurde nichts bekannt gemacht. 

Farbanschlag auf die Südfassade, 14.08.2013   (c) shz

Vielleicht sollte ein gestalterische Überarbeitung der kahlen Südfassade erwogen werden? Ein Kunstwerk würde die spartanische Südfassade aufwerten und könnte dem Gebäude vielleicht einen Namen geben. 
Aus Großstädten weiß man: Farbige Flächen werden selten mit Farbe verunreinigt, einfarbige grau-weiße Flächen hingegen schon; ein Verstoß gegen den Graffiti-Kodex ist der "Farbanschlag" allemal. 




Vergleich Hafenblick: 2008 mit 2013

"Klarschiff" hat das Panorama am Ostufer stark verändert, und mit einem Gutachten für ein Hotel an der Hafenspitze besteht eine Absicht, es weiter zu deformieren. Wie viele Jahre das nun vergleichsweise niedrig erscheinende Gebäude der "Fischperle" noch bestehen wird, ist fraglich. Durch die durch Höhe der Werftkontor-Gebäude, an der sich "Klarschiff" orientiert hatte, drängt sich eine Verwertung des Grundstücks in der 3. Dimension auf. Spätestens, wenn in der "Fischperle" ein Sanierungsbedarf entstanden sein wird, dürften die Frage nach der Zukunft des Gebäudes gestellt werden. 


  Hafenblick vom Werftkontor, 08.05.2008                                                  Hafenblick vom Werftkontor, 10.05.2013