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Sprachen

Schleswig-Holstein lebt nicht nur vom Hochdeutsch und Dänisch, sondern auch von seinen besonderen Sprachen, die regional gepflegt werden. Friesisch und Plattdeutsch prägen die Kultur des nördlichsten Bundeslandes, und Plattdeutsch dürfte sogar überregional verstanden werden, nicht erst seitdem "Büttenwarder" entdeckt wurde. 

Haushaltskonsolidierung bedeutet, dass Ausgaben reduziert werden sollen. Betroffen sind auch Mittel für den Erhalt der Sprachen - sogar dort, wo großes ehrenamtliches Engagement für ihren Erhalt wirbt: An der Niederdeutschen Bühne Flensburg (NDB). Die WiF-Fraktion hat die verfügbaren Fördermittel verglichen, und ein Ungleichgewicht in der Sprachenförderung festgestellt, das so nicht bleiben sollte. Die Feststellung des Ungleichgewichts erfolgt in der Absicht, Sprachenförderung auf hohem Niveau auszugleichen, statt Gleichheit auf niedriger Ebene zu schaffen. Die NDB erhält, fördert und prägt die plattdeutsche Sprache - auch dank des ehrenamtlichen Einsatzes Vieler.  


Das "NDB-Studio" in der Augustastraße


Die NDB muss als Institution abgesichert sein, statt jedes Jahr um ihre Existenz bangen zu müssen! 

Wir berichteten den Fraktionen des Kieler Landtages die Situation. 



E-Mail der WiF-Fraktion an die Kieler Landtagsfraktionen, 22.02.2013:

Vergleich der Sprachenförderung: Plattdeutsch & Friesisch

Sehr geehrte Damen und Herren der Landtagsfraktionen,


die Vorgabe der Landesregierung ist, dass die Stadt Flensburg die für die Jahre 2013/14 geplante (weil notwendige Neuverschuldung) deutlich reduziert. 

Weil diese Entscheidung umgesetzt werden muss, müssen die im Rat der Stadt tätigen (ehrenamtlichen) Kommunalpolitiker auch im Bereich der freien („freiwilligen“) Leistungen Kürzungen vornehmen, von denen z. B. auch eine bedeutsame und wichtige Kultureinrichtung Niederdeutsche Bühne (NDB) erfasst wird. Eine von uns geschriebene Erklärung ist als Kopie beigefügt. 

Wie die Sprache Friesisch so ist Plattdeutsch gleichfalls ein wichtiges Kulturgut, das auch in schwierigen Zeiten unterstützt gehört und zwar gleichrangig. Deshalb ist unsere Bitte und Erwartung, dass Sie sich tatsächlich auch für eine Gleichrangigkeit in der Finanzförderung einsetzen.

Unerklärlich ist für uns, warum Friesisch im Zeitraum 2007-2012 vom Land mit über 1 Million € (für das Nordfriesische Institut sowie über 850.000 € für Vereine und Institutionen) gefördert wurde (insgesamt also über 1,8 Mio. Euro!), während die niederdeutsche Sprache mit nur ca. 420.000 € (vorwiegend für die niederdeutschen Zentren in Leck und Ratzeburg und ca. 186.155 € für den Niederdeutschen Bühnenbund, von denen die NDB jährlich 1.200 € erhält) gefördert wird. 

Wir hoffen, dass Sie sich zeitnah mit dieser Thematik und der auffälligen unterschiedlichen Gewichtung befassen und erwarten Ihre Stellungnahme mit hoher Zuversicht.

 

Mit freundlichen Grüßen

Wolfgang Schmiel (Ratsherr und finanzpolitischer Sprecher der WiF-Ratsfraktion, Flensburg) 



Anhang: 
Stellungnahme der WiF-Fraktion an die Kieler Landtagsfraktionen, 22.02.2013

Friesisch und Plattdeutsch im Vergleich der Sprachenförderung 
Stellungnahme zur ungleichen Behandlung zweier Landessprachen

Der Haushalt unserer Stadt Flensburg für die Jahre 2013/14 ist von der Landesregierung nur unter der Bedingung freigegeben worden, dass die geplante Neuverschuldung um mehrere Millionen reduziert wird. Die städtische Verwaltung hat diese Entscheidung an die im Stadtrat vertretenen Fraktionen weitergegeben und gefordert, dass sie bestimmen, welche geplanten Ausgaben entsprechend gekürzt werden sollen. 

Da die meisten Kostenpositionen durch Gesetze vorgeschrieben sind und nicht angetastet werden dürfen, bleiben für Einsparungen nur die so genannten freien, d. h. „freiwilligen Leistungen" wie z.B. der Kulturbereich. Deshalb werden der für diesen Sektor verantwortliche Verwaltungsleiter und die im Kulturausschuss tätigen Politiker aufgefordert, den jährlichen Gesamtetat um 800.000 € zu kürzen. 

Protestiert haben alle, die in Bereichen der Kultur Zuschüsse von der Stadt Flensburg erhalten. Dazu zählen neben dem Landestheater auch die Niederdeutsche Bühne (NDB), die bisher jährlich mit ca. 214.000 Euro von der Stadt Flensburg gefördert wird. Dieser Betrag sollte – so die Vorstellung – komplett eingespart, d. h. gestrichen werden. 

Gespräche wurden geführt, die Verantwortlichen der NDB legten ihre Kalkulationen offen und verdeutlichten, dass sie sofort die Insolvenz einreichen müssen, wenn es zu dieser Kürzung kommt. Also wurde verhandelt mit dem heutigen Ergebnis, dass der städtische Zuschuss ab der Spielzeit 2013/14 auf jährlich 168.000 Euro gesenkt wird, wenn für diese Vereinbarung eine Laufzeit bis zur Spielzeit 2019/20 vertraglich festgelegt wird. 

Ein Beiratsmitglied der NDB, eine überregional bekannte Persönlichkeit, hat uns gebeten, Ihnen die Situation zu verdeutlichen. Er stellte klar: In Jahren mit hohen Besucherzahlen wird die NDB, in der fast nur Ehrenamtliche arbeiten, mit dem erwähnten Betrag über die Runden kommen. Aber bereits ein Jahr mit schlechten Einnahmen bedeutet für die NDB, dass sie die Insolvenz anmelden müsste! 

Wir haben ihm unsere Unterstützung zugesagt, denn der Erhalt und die Förderung der plattdeutschen Sprache sind für uns von grundlegender Bedeutung. Wir werden umgehend eine Sonderförderung beantragen, sobald die NDB angesichts sinkender Einnahmen in Probleme gerät. Die plattdeutsche Sprache ist ein national bekanntes Erkennungszeichen für das nördlichste Bundesland. Das Land sollte dieses Zeichen pflegen, statt Kultureinrichtungen, die ehrenamtlich getragen werden, existenziell zu gefährden. 



19.03.2013

Auskömmliche Sprachförderung für das Niederdeutsche! 
Stellungnahme und Replik zur Debatte um die Sprachenförderung (Flensburger Tageblatt und Flensborg Avis, 15.03.2013) 

Die Existenz der Niederdeutschen Bühne ist leider nicht vollständig gesichert. 
Bereits 2011 haben wir die Frage nach den Landeszuschüssen für beide Sprachen gestellt und erhielten am 24.01.2012 Auskunft von der damaligen Vorsitzenden des Bildungsausschusses, Susanne Herold (CDU): Im Zeitraum 2007-2012 hätte das Land S.-H. über 1,85 Mio. € für die  friesische Volksgruppe und die friesische Sprache zur Verfügung gestellt und im gleichen Zeitraum für die Niederdeutsche Sprache insgesamt nur ca. 606.000 €.
Dieses Ungleichgewicht hat uns veranlasst zu fordern, dass die Niederdeutsche Sprache (Plattdeutsch) vom Land gleichrangig wie Friesisch gefördert wird. Daher haben wir die Minister der neuen Landesregierung und an alle Fraktionsvorsitzenden im SH-Landtag angeschrieben und in diesem Zusammenhang auch klargestellt, dass wir sofortige Sonderzuweisungen beantragen werden, wenn die NDB nach der jetzt durchgeführten Kürzung in Schwierigkeiten kommen sollte. Natürlich ohne eine Kürzung der Zuschüsse für die Friesische Sprache.

(Erika Vollmer, Fraktionsvorsitzende)