„Chefsache"

Stadt- und insbesondere Bauplanung verlangt ein ordentliches Vorgehen, d. h. klugen Verstand sowie umfassende Informationen und Diskussionen mit den Bürgern. 
Insbesondere die Leitungsebene muss hervorragend besetzt sein. In den vergangenen Jahren hat es personelle Wechsel gegeben, die wir an dieser Stelle anzeigen. 

Oberbürgermeister der Stadt Flensburg (seit 1983) 
 1983-1999: Olaf Cord Dielewicz (SPD) 
 1999-2004: Hermann Stell (CDU) 
 2004-2005: Helmut Trost (SPD) [kommissarisch, nach Tod von H. Stell]
 2005-2010: Klaus Tscheuschner (parteilos, nominiert von der CDU) 
 2011-2016: Simon Faber (SSW) 
 2017-2022: Simone Lange (SPD)



Die Verwaltungsspitze: Bauplanungen und städtisches Vermögen 
Bereiche, die Hauptausschuss und SUPA im vierzehntägigen Wechsel lenken

Leiter des für Umwelt, Planung und Stadtentwicklung bzw. Bauprojekte zuständigen Fachbereiches 4 "Umwelt und Planen" war mehrere Jahre Dr. Peter Schroeders. Er leitete den Fachbereich, als die Osttangente, die Südermarktpassage (beide fertiggestellt 2006) und u.a. auch "Klarschiff" (entschieden 2008 als Folgeprojekt eines gewaltigen, aber nicht realisierten 4-Sterne-Hotels) realisiert wurden, bevor er am 19.02.2008 zuletzt im Ausschuss für Umwelt, Planung und Stadtentwicklung (SUPA) als Planungschef vertreten war. Der damalige Oberbürgermeister Klaus Tscheuschner (2005-2010; parteilos, CDU-Kandidat) hielt eine personelle Veränderung für erforderlich und machte Schroeders zum Leiter des Fachbereiches 6 "Kommunale Immobilien" - vielleicht auch weil der Versetzte den Bürgern manches seiner Vorhaben "ganz leidenschaftslos" vorgestellt hatte. 

Ab dem 01.03.2008 leitete Frank Rolfes den Fachbereich 4. Aber bereits am 04.05.2010 sollte er nach etwas mehr als zwei Jahren letztmalig in einer Sitzung des SUPA als Fachbereichsleiter vertreten sein, ehe er nach unterschiedlichen Auffassungen über die Neugestaltung der Handwerkskammer von OB Tscheuschner auf eine Nebenstelle für den Umbau des Stadtteils Fruerlund als "frei schwebender Koordinator" versetzt wurde: "Alles deutet darauf hin, dass der scheidende Planungs-Chef seinen Platz nicht freiwillig räumt."("Warum muss Frank Rolfes gehen?"; Flensburger Tageblatt, 07.06.2010) 

Am 29.06.2010 war im SUPA erstmals Michael Draeger als Leiter von Fachbereich 4 vertreten. Zuvor hatte er das Rechnungsprüfungsamt (RPA) geführt und die Situation der Beteiligungen der Stadtwerke Flensburg beanstandet. 

Die Amtszeit von Oberbürgermeister Klaus Tscheuschner endete nach 5 Jahren mit Ablauf des Jahres 2010. Nachfolger im Amt wurde gemäß der OB-Wahl im Herbst 2010 Simon Faber (SSW-Kandidat), der als Verwaltungschef wiederum Veränderungen in der Verwaltungsspitze vornehmen sollte. Nachdem OB Faber sich einige Monate eingearbeitet hatte, stand für ihn fest: 
"Flensburg brauche ein neues Image, das Perspektive und Ausstrahlung vermittle ... Man müsse sich von der "Mentalität der stets besonders bedürftigen Randlage" verabschieden und auf Qualität setzen. Faber orientiert sich an Vorbildern wie Osnabrück, Malmö oder Sonderburg, nennt "Flaggschiff-Hotel in Toplage" und "attraktiver Wohnmobil-Stellplatz" als Notwendigkeiten. "Stadtentwicklung, Wirtschaft, Tourismus und Kultur gehören untrennbar zusammen", betont er. Daher werde er der Kulturentwicklung in der Verwaltung einen höheren Stellenwert zumessen, Flensburg auf dem Konferenz- und Kongressmarkt verorten und einen neuen Anlauf für ein "City-Management" unternehmen. An die Interessengemeinschaften appelliert er, "die Fehden ruhen zu lassen"."("Neue Ideen braucht die Stadt"; Flensburger Tageblatt, 03.11.2011) 

Oberbürgermeister Faber hielt es dazu für erforderlich, die Verwaltungsstruktur weiter zu optimieren: 
"Mit einem "strategischen und kontaktfreudigen Think-Tank" möchte Oberbürgermeister Simon Faber die Stadt Flensburg in die Zukunft führen. Zum Jahreswechsel soll eine runderneuerte Struktur der Stadtverwaltung greifen, die Faber am Dienstag sowohl der Rathaus-Belegschaft als auch der Politik und der Öffentlichkeit vorstellte. Kernpunkt ist eine Aufwertung der beiden bisherigen Fachbereiche 4 (Umwelt, Planen, Stadtentwicklung) und 6 (Kommunale Immobilien) sowie eine Rochade der beiden Fachbereichsleiter. 
[Dr.] Peter Schroeders, bisher Leiter der Kommunalen Immobilien, ist der neue starke Mann an Fabers Seite. Sein neuer Fachbereich heißt "Entwicklung und Innovation", wird vom Ballast des "Tagesgeschäfts" in Form des Bauordnungsamtes befreit, bindet das Kulturbüro ein und bekommt eine neue Schlüsselstelle für den Bereich Wirtschaft, Tourismus und Stadtmarketing. Auch das Sekretariat Sonderburg 2017 gehört dazu; für Faber und Schroeders gehören Stadtentwicklung und Kultur, Wirtschaft und Tourismus untrennbar zusammen. Die Zeiten, in denen Stadtplanung vor allem Bauen bedeutete, sind damit vorbei."("Faber mischt die Karten neu"; Flensburger Tageblatt, 09.11.2011) 

Dieser Rochade mussten die Ratsfraktionen jedoch noch zustimmen. Einen Monat sollte sich die Veränderung zusätzlich verzögern, da der Hauptausschuss am 20.12.2011 der Personal-Rochade von Schroeders und Draeger zunächst nicht gestimmt hatte, ehe ein Kompromiss für die nächste Sitzung am 24.01.2012 gefunden werden konnte: 
"Herzstück der Neuordnung ist die Bildung eines neuen Fachbereiches "Entwicklung und Innovation", im Rathaus-Jargon "EI", der die Bereiche Wirtschaft, Stadtentwicklung, Kultur und Tourismus umfasst. Leiter des Fachbereiches wird der Architekt und Stadtplaner Dr. Peter Schroeders, der bisher den Fachbereich Kommunale Immobilien geleitet hat. 
Im Gegenzug übernimmt der bisherige Leiter des Fachbereichs 4 (Stadtentwicklung, Umwelt und Planen), Michael Draeger, von Peter Schroeders die Kommunalen Immobilien, die künftig als Fachbereich Vermögen firmieren, der in seiner Ausrichtung ebenfalls neu aufgestellt werden soll. Zukünftig soll neben den planerischen Aspekten vor allem der betriebswirtschaftlich optimale Umgang mit dem städtischen Vermögen im Mittelpunkt stehen."("Posten-Rochade kommt doch"; Flensburger Tageblatt, 27.01.2012) 

Mit der von Faber herbeigeführten Änderung erhielt "der neue starke Mann an Fabers Seite"(das Tageblatt über Dr. Schroeders) mit dem ausgreifenden Fachbereich "Entwicklung und Innovation" einen größeren Aufgabenbereich, als ihn noch Tscheuschner für zweckmäßig gehalten hatte. Tscheuschner konnte zum Zeitpunkt seiner Entscheidungen 2008 und 2010 immerhin auf über drei Jahre Amtserfahrung zurückblicken. Faber strebte die Veränderungen der Struktur nach knapp 10 Monaten, d. h. mit weit weniger Erfahrung an, was sich auch in der Verzögerung durch zusätzlichen Diskussionsbedarf im Hauptausschuss widerspiegelte. 




Der Oberbürgermeister in der Öffentlichkeit 
Regieren nach sehr geringer Wahlbeteiligung 2010 

Noch vor seinem Amtsantritt hatte Faber für Irritationen gesorgt, die auch Pressethema wurden. Bereits im Dezember 2010 - Tscheuschner wirkte noch, z. B. bei Highship an der Harniskaispitze - machte Faber sich Gedanken über einen Umzug nach ganz oben: Von der Hauptgeschossebene, in der die Amtsvorgänger Hermann Stell (1999-2004) und Klaus Tscheuschner (2005-2010) gewirkt hatten, ins 13. Geschoss des Rathausturms. 


"Es ist eine der guten Ideen, mit denen der verstorbene Oberbürgermeister Hermann Stell den Flensburgern im Gedächtnis geblieben ist: Unmittelbar nach seiner Wahl 1999 verlegte Stell die Amts- und Besprechungszimmer des OB aus dem 13. Stock zu ebener Erde ins Hauptgeschoss H. Seitdem residierte ganz oben über dem Neumarkt das Rechnungsprüfungsamt. Das macht auch Sinn: Die Prüfer haben weniger Termine, Besprechungen und Besucher mit engem Terminkalender als der OB und seine Stellvertreter. Ein Aufzug, der zwischen Ebene 13 und Hauptgeschoss H vier- bis sechsmal für Ein- und Aussteiger anhält, kostet da unnötig viel Zeit. Für Stell seinerzeit noch wichtiger war das Signal: Der OB sollte nah am Bürger - eben schnell erreichbar sein.
Sein Nach-Nachfolger Simon Faber (SSW), der am 15. Januar seinen Dienst als OB antreten soll, erwägt, zur Ära der zum Volk herabblickenden Oberbürgermeister (bis Olaf Cord Dielewicz) zurückzukehren. Nach Informationen des sh:z hat er die Verwaltung beauftragt zu prüfen, was es kostet, nach elf Jahren Höhen-Abstinenz wieder in den 13. Stock zu ziehen. Die ermittelten Kosten von rund 50.000 Euro erschienen ihm dem Vernehmen nach durchaus akzeptabel."

Während Faber weitere Erfahrung im Amt sammeln konnte und sogar das "Flensburger Modell" beseitigte, wurden wesentliche Themen diskutiert. Neben u.a. der Neuausrichtung der Stadtwerke Flensburg, die im April 2011 ihren Geschäftsführer beurlaubt hatten, stellte der von der Kreispolitik dominierte Zweckverband der NOSPA die Forderung auf, Flensburg möge aufgrund der Vermögensverhältnisse der Flensburger Sparkasse auf Anteile am Zweckverband und Vertretungspositionen in den NOSPA-Gremien verzichten. Faber war zu jener Zeit auch mit seinem Umzug ins 13. Geschoss des Rathauses beschäftigt: 
"Die Kommunalpolitik will Kostentransparenz und verlangt, dass sich Faber lieber um die Nospa kümmert. Das Stühlerücken im Rathaus mit dem Ergebnis, dass Oberbürgermeister Simon Faber (SSW) aus dem Hauptgeschoss H in die 13. Etage umzieht, ist in der Kommunalpolitik überwiegend auf Kritik und Unverständnis gestoßen: Stadtpräsident Christian Dewanger, der im Gegensatz zu den Bürgermeistern weiter auf Ebene H repräsentiert, zeigte sich erstaunt: "Ich bin überrascht, da ich dachte, das sei längst begraben." Neben dem WiF-Politiker werden auch alle Fraktionsbüros im Hauptgeschoss H bleiben, wo auch die Ratsversammlung tagt." 
("Umzug 13. Etage: 'Haben wir keine wichtigeren Probleme?'"; Flensburger Tageblatt, 24.09.2011) 

Zwischenzeitlich hatten sich, als Reaktion auf eine empörte Öffentlichkeit, d. h. "vernichtende Leserbriefe und Kommentare", auch die geschätzten Kosten verringert: Von 50.000 Euro im Dezember 2010 auf noch 40.000 Euro im September 2011: 
"Nach Amtsantritt landete das Umzugsthema weit unten auf der Agenda; man war um Schadensbegrenzung bemüht. Doch jetzt ist es wieder soweit: Im Frühjahr 2012, wenn Zweiter Bürgermeister Jochen Barckmann aus dem Amt scheidet und nicht ersetzt wird, kommt die große Rathaus-Rochade. Als Begründung nennt das Rathaus beengte Verhältnisse im Gesundheitshaus und eine bessere Erreichbarkeit publikumsintensiver Abteilungen."("Oberbürgermeister Faber zieht ganz nach oben"; Flensburger Tageblatt, 23.09.2011) Die Leiterin des Büros für Grundsatzangelegenheiten versicherte, um Druck vom Oberbürgermeister zu nehmen: "Herr Faber wollte das alles gar nicht", versichert Maria Schlütter, "wir mussten ihn davon überzeugen, dass dies die beste Lösung für alle ist."(a.a.O.) 

Nachdem OB Faber die Forderung des Zweckverbands der NOSPA weitgehend akzeptiert hatte, stieß er auch hier auf den Widerstand einer Hälfte der Ratsversammlung; diesen hatte nicht nur beim Umzug in den 13. Stock und seiner Personal-Rochade, sondern auch bei der Durchführung einer Landesgartenschau, der Gestaltung der Zukunft von Fahrensodde sowie dem weiteren Vorgehen beim Campusbad erfahren müssen. Dem Wunsch des Kreises, auf Flensburger Anteile am NOSPA-Zweckverband zu verzichten, entsprach in der Ratsversammlung am 10.05.2012 eine knappe Mehrheit aus SSW, CDU und Akopol. Dem Erfolg für Faber sollte kurz darauf ein weiterer, verwaltungsinterner Folgen: 
"Handwerker und Techniker hatten am Freitag und Montag das Rathaus fest im Griff. Sie mussten den im Vorfeld lange und heftig umstrittenen Umzug über die Bühne bringen. Ihnen wurde eine Engelsgeduld abverlangt. Das Warten im Hauptgeschoss auf einen der drei Aufzüge war angesichts des Zeitdrucks etwas enervierend, denn die Arbeitsabläufe sollten möglichst wenig tangiert werden. Diese Geduld wird künftig auch den in luftiger Höhe arbeitenden städtischen Angestellten abverlangt. Aber sie tragen es mit Fassung, werden sie doch mit einer grandiosen Aussicht hinunter auf die Fördestadt entschädigt. 
Die schon vor der Inthronisierung des Oberbürgermeisters bekannt gewordenen Pläne hatten seinerzeit einen Sturm der Entrüstung entfacht. Nicht nur beim Bürger, der angesichts finanzieller Engpässe lieber andere Prioritäten gesehen hätte, sondern auch in der Politik. Insbesondere wurde in Frage gestellt, ob die avisierte Beschleunigung von Verwaltungsprozessen tatsächlich geschätzte Kosten von 50.000 Euro rechtfertigte. Auch die Anmietung externer Flächen stand in der Kritik."("Simon Faber ist oben angekommen"; Flensburger Tageblatt, 16.05.2012) 

In welcher Form der Umzug in aussichtsreiche Lage Früchte trägt, wird erst die Erfahrung zeigen, die alle Beteiligten machen werden. Die Verwaltungsspitze, die auch in der Ratsversammlung auf der Regierungsbank Platz nimmt, hat gegenüber den Ratsfraktionen nun eine herausragende Stellung eingenommen. Was die Ratsfraktionen nach Rechtsauffassung der Verwaltungsspitze dürfen und was nicht, war gegenwärtig Gegenstand einer Klage, über die das Verwaltungsgericht Schleswig zu entscheiden hat, nachdem die Verwaltung gegenüber den Fraktionen - verwaltungsintern - Bescheide verschickt hatte, aus denen zur Klärung des Sachverhalts formalrechtlich eine Klage erforderlich wurde. 

Presseartikel aus dem Flensburger Tageblatt / sh:z zum Umzug in den 13. Stock des Rathauses: 
21.11.2010:  Oberbürgermeister-Wahl  
10.12.2010: 
"Teurer Umzug in 13. Etage? Flensburgs OB Simon Faber will ganz nach oben" ("50.000 Euro"
*15.01.2011:  Amtsantritt Oberbürgermeister 
23.09.2011: "Faber rochiert auf Ebene 13" ("40.000 Euro"; "Herr Faber wollte das alles gar nicht ... wir mussten ihn davon überzeugen, dass dies die beste Lösung für alle ist."); "Heureka! Er muss"[Kommentar] 
24.09.2011: "Umzug 13. Etage: 'Haben wir keine wichtigeren Probleme?'"; "Baustelle Rathaus"[Kommentar]  
30.12.2011: "'An acht von zehn Tagen macht der Job Freude'"
16.05.2012: "Simon Faber ist oben angekommen" ("geschätzte 50.000 Euro")  


Es gab in den 6 Jahren Amtszeit durchaus "Chefsachen", z. B. das Thema der Bahnstruktur in und um Flensburg: Faber: "Bahn ist immer Chefsache gewesen" (Flensburger Tageblatt, 19.11.2006) 
Damit konnte sich der Oberbürgermeister jedoch nicht durchsetzen, da die Ratsversammlung am 08.12.2016 entschied, die Idee eines deutsch-dänischen Grenzbahnhofs nicht weiter zu verfolgen. 





Das Nashorn auf dem Vordach des Rathauses 

Eine kulturelle Künstler-Leihgabe, die einige Zeit das Vordach des Rathauses in Richtung Neumarkt zierte, wird aus der Stadt ausgewiesen. 

Presseartikel aus dem Flensburger Tageblatt / sh:z: 
25.05.2011: Kunst am Bau. Flensburgs Nashorn in Not / Das Rathaus-Nashorn bittet um Asyl  
26.05.2011: Kunst am Bau II. Alle wollen das Rathaus-Nashorn 
31.05.2011: Nashorn verlässt Rathaus - ein Dickhäuter weniger 
01.03.2017: Träumerisch: Neue Job für das Rathaus-Nashorn (beim Yachting Heritage Center am Harniskai


  Die Skulptur auf dem Rathausvordach zum Neumarkt             (c) shz