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Campus ohne Bad?


Ein "Campusbad" ohne Campus-Kooperation
"Campus" beschreibt zwar den Ort, nicht aber den Inhalt

Neben der undurchsichtigen Vertragskonstruktion mit vielen, verdienstorientierten Beteiligten sind zwei der sportpolitischen Fehler des Bades am Hochschulcampus
1. Mit dem nur 400 Meter entfernten Sportzentrum der Universität, das auch Sportstudenten ausbildet, bestehen weder eine Kooperation noch gemeinsame Projekte; 
2. Ein Schwimmbad, das den Namen des Campus nutzt, aber keinen Studententarif bewirbt. Die Studierendenvertretungen können sich an keine Werbung erinnern. 


 Eine sportpolitische Absurdität                                            Flensburger Tageblatt, 20.04.2010



Zwei Jahre zuvor bestanden Hoffnungen: "Sportbad mit Uni-Erweiterung" berichtete das Flensburger Tageblatt am 22.01.2008, knapp zwei Monate vor dem Ratsbeschluss. 

Sportbad mit Uni-Erweiterung

Sieben 50 Meter-Bahnen und drumherum ein modernes Sport-Dienstleistungszentrum - das sehen die Pläne eines der beiden verbliebenen Investoren für das neue Hallenbad vor. Die Universität durfte mit planen.

Flensburg/sh:z/Holger Ohlsen

In der nächsten Ratsversammlung werden die Weichen gestellt: Ein namhafter, bundesweit tätiger Investor und ein regional mindestens ebenso namhafter bewerben sich noch um den Bau des Flensburger Sportbades. Dass es gebaut wird, steht für Oberbürgermeister Klaus Tscheuschner außer Zweifel. Unzweifelhaft ist auch, dass Flensburgs neues Bad auf dem Campus errichtet wird. Und ganz klar ist, dass die Uni Flensburg diese Investition in die Infrastruktur des Campus’ begrüßt.

Dr. Thorsten Ohldag zum Beispiel. Der Chef des Sportzentrums der Universität knüpft große Hoffnung besonders an einen der beiden Entwürfe, denn er beinhaltet nicht nur ein Wettkampf-taugliches Sportbad, sondern auch die Lösung seiner Platznöte. "Wir stoßen hier nur zweieinhalb Jahre nach Eröffnung des Sportzentrums an unsere Grenzen", sagt Ohldag. "Wir hatten in jedem Fall vor zu erweitern. Da käme uns diese Lösung sehr gelegen."

Die lokale Investorengruppe war - als einzige von ursprünglich 18 - frühzeitig an die Universität heran getreten und hatte nach deren Wünschen gefragt. Die Nachfrage zog eine enge Kooperation nach sich, denn die Uni hatte an einem Teilaspekt des Unternehmens Sportbad ein vitales Interesse. "Wir sind zwar erst vor zweieinhalb Jahren eingezogen, aber wir platzen mit dem Sportzentrum aus allen Nähten", sagt Ohldag. Intern habe die Uni bereits eigene Neubaupläne gewälzt - sollte jedoch der lokale Investor als Sieger aus dem Wettbewerb hervorgehen, sei das aus Sicht der Universität sicher ein Vorteil. Das Institut für Bewegungswissenschaften und Sport mit seinen rund 300 Studierenden würde in Form eines deutlich größeren Platzangebotes profitieren. Übungshalle, Atrium und das - öffentlich zugängliche - Fitness-Zentrum brächten es zusammen auf 1400 Quadratmeter. Im Moment findet Aktion auf lediglich 400 Quadratmetern statt - und das mit 2000 Besuchern monatlich. "Klar, dass sich die Universität da freut", sagt Ohldag.

Er hofft, dass Flensburg sich politisch durchringt und diese neue Einrichtung baut. "Das wäre nicht nur für die Universität gut, das ist ein echtes Leuchtturm-Projekt für die ganze Stadt", so Ohldag. Wettkampf-schwimmbecken, Sportzentrum der Uni, Fitness, Sauna, Gastronomie mit Außenterrasse wären für den gesamten Campus eine Aufwertung - und Eingemeindung zugleich. "Es gibt Leute, die waren noch nie auf dem Campus. Das dürfte sich dann bald ändern."

"ein echtes Leuchtturm-Projekt für die ganze Stadt" - so die berechtigte Hoffnung von Dr. Thorsten Ohldag am 22.01.2008, als der Vertrag zum Campusbad gestaltet wurde. 



Nah und doch weit entfernt: Campusbad und Hochschulen


Als am 21.11.2008 der Spatenstich für das Campusbad erfolgte, stand der Leiter des Uni-Sportzentrums der studentischen Campuszeitung für ein Interview zum Campusbad nicht zur Verfügung. 
Das neue Campusbad würde mit dem etablierten Hochschulsport keine gemeinsame Schnittmenge haben. Trotz des Baubeginns für ein neues Schwimmbad bestand nur wenig Grund zur Freude

OB Tscheuschner erwähnte zwar die Nähe zu den Hochschulen, aber Vertreter beider Hochschulen waren zu dem Spatenstich nicht anwesend. 

Vergessen hatte er die Möglichkeiten des Campus aber nicht, wie in einem Interview am 30.12.2008 deutlich wurde: 
Interview-Frage: Beim Thema Campusbad steht nach wie vor die Kritik im Raum, dass es zu teuer ist für die Stadt.
Antwort OB Tscheuschner: "Es gibt Kritiker, die behaupten, das neue Bad kostet 35 Millionen (Anm. der Redaktion: 25 Jahre lang 1,4 Millionen Euro Zuschuss pro Jahr an den Betreiber = 35 Mio.). Wenn man davon ausgeht, dass das alte Bad in diesem Zeitraum 25 Millionen kostet, dann habe ich eine ganz andere Aussage. Nämlich die, dass ich für die Differenz von zehn Millionen etwas ganz Neues bekomme, was insbesondere dem Schulsport zu Gute kommt. In dem alten Bad muss Schulschwimmen schon morgens vor 7 Uhr stattfinden - das ist für die Kinder und Jugendlichen unzumutbar! Wir haben sehr erfolgreiches Vereinsschwimmen, und mehr als die Hälfte der Nutzungszeit ist diesen Vereinen, ist Jugend-Schwimmen und Schulschwimmen vorbehalten. Dieser Klientel helfen wir mit dem neuen Bad. Dazu kommt die Stärkung des Campus’. Wenn man die Sportlehrer-Ausbildung für Schleswig-Holstein hier in Flensburg macht, dann gehört das Schulschwimmen auch dazu."("99 Prozent Arbeitskraft für Sparkasse"; Flensburger Tageblatt, 30.12.2008)