Das Nordertor


    "Friede ernährt, Unfriede verzehrt"
Inschrift unter dem Wappen auf der Nordfassade des Stadttores.



Das Nordertor (*1595/1596) ist das Wahrzeichen von Flensburg (Wikipedia: Nordertor). Mit der Entwicklung des Stadtteils Neustadt (ab 1796) verlor das Nordertor seine Funktion als nördliches Stadttor. 
Seitdem suchen Stadtplaner nach einer befriedigenden Einbindung des Tores in seine Umgebung. Einiges wurde ausprobiert, der Verkehr wurde um das Tor herumgeleitet, bis es schließlich durch den Bau einer Mauer wieder also Stadttor zu erkennen war. Zunächst ließ der Stadtrat in den 1990er Jahren links und rechts des Tores Arkaden errichten, die sich in ihrer türkisen Farbgebung wenig in die Umgebung einfügen wollten. Die rechte Arkade ist noch erhalten, während die linksseitige Arkade dem Anbau der Phänomenta weichen musste. 

Der Erweiterungsanbau der Phänomenta, erbaut 2007 ("Phänomenta: Anbau im Plan"; Flensburger Tageblatt, 10.05.2007), war umstritten: Anfang 2008 wurde er fertiggestellt.("Anbau fast fertig, Eröffnung folgt"; Flensburger Tageblatt, 07.01.2008) Der Anbau wurde vom Verschönerungsverein beanstandet ("Phänomenta-Anbau: 'erschreckendes Ergebnis'"; Flensburger Tageblatt, 10.03.2008. "'Nordertor wird zurück gedrängt'"; Flensburger Tageblatt, 11.03.2008), wurde von der Denkmalschutzpflege gerechtfertigt ("Nordertor: Denkmalschützerin rang sich zur Zustimmung durch"; Flensburger Tageblatt, 13.03.2008) und war auch Titelthema der WiF-Zeitung. Geplant war, auch rechtsseitig einen ähnlichen Bau zu errichten, der das Nordertor vollständig mit moderner Glasarchitektur eingerahmt hätte: Den so genannten "Dom der Sinne". Diese Objektplanung ist vorerst gestoppt.("Planungspause am Nordertor?"; Flensburger Tageblatt, 16.01.2009) Die WiF wird sich, wie auch der Verschönerungsverein, weiterhin dafür einsetzen, dass das Tor eine Umgebung erhält, die ihm würdig ist! ("Freiheit für das Nordertor?", Flensburger Tageblatt, 20.12.2010) Ein Dresdner Professor sieht im blauen Anbau der Phänomenta "ein um Aufmerksamkeit heischendes Gebäude, das am liebsten selbst Denkmal sein möchte"; und er erkenne "eine architektonische Haltung, die sich gegenüber dem Bestand herablassend und auftrumpfend verhält."("Neue Freiheit für das Nordertor?"; Flensburger Tageblatt, 06.08.2014) Der Professor legte nah, das Nordertor langfristig wieder freizustellen. 


Am 15.09.2012 besichtigten wir Flensburgs Wahrzeichen und machten Fotos von der Südfassade des Nordertores.

Der Blick durch die Norderstraße nach Norden in Richtung Neustadt. Erkennbar sind rechtsseitig die alten Arkaden. 


Nähert man sich dem Tor, entdeckt man die Fassade der Phänomenta, in der sich Tor und Himmel spiegeln. 


Je weiter man vom Tor abrückt und je ungünstiger das Licht einfällt, umso mehr dominiert das Blau der Fassade des Phänomenta-Neubaus. 


Der Phänomenta-Neubau kontrastiert, es kollidieren Fassaden unterschiedlicher Epochen. 

Unkenntlich wird das Nordertor, wenn man es durchschreitet und links in die Duburger Straße einbiegt. Von der Duburger Straße betrachtet, dominiert der blaue Phänomenta-Bau, indem er das Nordertor vollständig verschwinden lässt.


Der historische Vergleich (aufgenommen in einem Schaufenster nahe dem Kompagnietor im August 2008):

Auch zu früheren Zeiten war es - gleichfalls unvorteilhaft - nicht gelungen, die bauliche Umgebung auf das Stadttor abzustimmen.



Zum Vergleich: Nordertor vor dem Phänomenta-Anbau, nur mit den Arkaden. 
                            Mit freundlicher Genehmigung von Captain Tony Nelson. Quelle (extern). 


Historische Perspektiven: 
Das private Portal Flensburg Online bietet unter dem angegebenen Link eine historische Übersicht über die jahrzehntelang veränderte Umgebung am Nordertor.
Die private Seite Flensburger Allerlei bietet ebenfalls historische Bilder von der unterschiedlichen Gestaltung des Umfeldes des Nordertors.




Am 27.10.2012 ergaben sich folgende Perspektiven:

Aus dieser Perspektive trifft eine "blaue Welle" auf das alte Nordertor, von der ein kleines Bächlein abfließt. 


Die blaue Front stellt das Nordertor in den Schatten.


Ein Schattenspender und Spiegel für das Nordertor.




Versuch eines Fazits:
Wäre der Neubau der Phänomenta nicht derart rechteckig ausgefallen, sondern wäre er abgerückt worden und hätte er evtl. eine Einbuchtung erhalten, hätte er die Wirkung des Nordertors unterstützen können (4x Möglichkeitsform). Die gegenwärtige Form ist nicht zufriedenstellend und wirkt, als wäre die rechteckige Form die preisgünstigste Gebäudeform gewesen: Ein Raumgewinn der Phänomenta auf Kosten des Nordertors und des Nordertorplatzes, dem einige Kommunalpolitiker unbedingt einen Personennamen geben mussten.





Unsere Zeitungsartikel zur Gestaltung am Nordertor(platz)
erschienen vor der Kommunalwahl im Mai 2008, als noch ein weiterer Anbau an der Ostseite des Nordertors im Gespräch war.