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Landestheater

Wie kann der Finanzbedarf des Landestheaters gedeckt werden?
Eine Frage, die nicht nur die WiF-Fraktion derzeit beschäftigt.

Zahlreiche Einrichtungen in den Bereichen Kultur und Soziales müssen gegenüber einer kalkulierenden Finanzpolitik bestehen. Wie kann das angesichts der Steuerpolitik des Bundes gelingen?



Stellungnahme der WiF-Fraktion zu den Kosten und Besuchern des Theaters  

Schon bei der Budgetvorlage für das Jahr 2009 hat die WiF auf die problematische Finanz- und Zuschauersituation beim Landestheater hingewiesen – leider ohne wirksame Resonanz. 

Darum ist es jetzt an der Zeit, für alle Flensburger konkret darzustellen, wie die Lage wirklich ist und was zu tun ist, damit Theater und Sinfonieorchester eine nachhaltige Zukunftsposition bekommen.

Wir verweisen auf den Wirtschaftsplan für die Spielzeit 2009/2010:

    geplante Gesamtausgaben: 20,820 Mio. €
    geplante Gesamteinnahmen: 19,337 Mio. €
    geplanter Verlust: 1,393 Mio. € (exklusive sonstige Erträge 0,090 Mio. €)

Die Landesregierung beteiligt sich an den Einnahmen mit 13,270 Mio. € (= 68,62%). 
Die Gesellschafter zahlen einen Zuschuss von 3,963 Mio. € (davon Flensburg 1,802 Mio. €). 
Die Einnahmen aus dem Kartenverkauf sind geplant mit 1,909 Mio. €.

Aus dieser Situation ergeben sich der Wunsch und die Erwartung, die Landesregierung und die Gesellschafter sollten einen höheren Zuschuss gewähren, weil sonst die Insolvenz oder eine „Umstrukturierung" (= die Entlassung von Mitarbeitern) droht. Die Erhöhung des Zuschusses, das verdeutlichen die Defizite in anderen Bereichen, ist nicht erfüllbar! Dem Land und der Stadt fehlen aufgrund ihrer hohen Verschuldung die finanziellen Möglichkeiten. Alle Appelle und alle Solidaritätserklärungen sind begrüßenswert aber unrealistisch.

Besteht also wirklich keine Chance für unser Theater und Sinfonieorchester?

Die WiF stellt fest: Es gibt sie, wenn sich Vernunft und Augenmaß durchsetzen.


Der Handlungsrahmen, den die WiF vorschlägt, ergibt sich aus den Zahlen des Wirtschaftsplanes für die Spielzeit 2009/10 im Vergleich zur Spielzeit 2008/09:

I. Bei 339 Stellen entspricht dies durchschnittlichen Kosten von ca. 50.852 € pro Stelle pro Jahr (Spielzeit 2008/09: ca. 46.236 € pro Stelle). Bei insgesamt 388 Mitarbeitern sind es durchschnittliche Kosten von ca. 44.430 € pro Mitarbeiter pro Jahr gegenüber 40.397 € pro Mitarbeiter in 2008/09. 
Die Steigerung von nahezu 10% erklärt sich wesentlich daraus, dass zurückliegend ein Haustarif vereinbart wurde mit der Zusage, tarifliche Einkommensverluste in 2009/2010 auszugleichen.

II. Rückläufig sind die Einnahmen durch den Rückgang bei den Besucherzahlen um -45%! Zählte die Oper in der Spielzeit 2005/06 noch 22.111 Besucher, waren es 2008/09 nur noch 12.020; bei der Operette sank die Zahl der Besucher gleichfalls von 23.216 (2005/06) auf 12.619 (2008/09).

III. Diese Darstellung verdeutlicht, was angesichts der Subventionsabhängigkeit kurzfristig zu geschehen hat, um eine drohende Insolvenz bzw. Entlassungswelle zu vermeiden und gleichzeitig eine tragfähige Zukunftsperspektive aufzubauen.

Dazu unsere Vorschläge:

- Die Personalkosten für die Spielzeit 2009/10 müssten zeitnah um einen Betrag nahe der Millionengrenze gesenkt werden, beispielsweise durch den Abbau von Sonderzuwendungen wie Weihnachtsgeld.

- Eine Neuausrichtung müsste gewährleisten, dass die jährlichen Gesamtkosten nicht mehr als 1%, höchstens jedoch 2% steigen.

- Die stark rückläufigen Besucherzahlen (Spielzeit 2008/09: nur noch 134.840 Besucher), müssen noch in dieser Spielzeit unbedingt wieder die Besucherzahl der Spielzeit 2005/06 (= 163.645 Besucher) erreichen.

- Die Eintrittspreise müssen in jeder Spielzeit um mindestens 2,5–5,0% steigen.

Um das zu gewährleisten, benötigen der neue Intendant, Herr Griesebach, und alle Künstler, Musiker und Mitarbeiter des Landestheaters und Sinfonieorchesters die Unterstützung aller Flensburger und aller im Umland ansässigen theater- und musikinteressierten Menschen. 
Die WiF plädiert für eine gemeinsame Anstrengung, um das gegenwärtige Verhältnis an Subventionen im Verhältnis zu den Besucherzahlen auf ein vernünftiges Maß zu bringen.

Die Selbstkosten pro verkaufter Karte betrugen in der Spielzeit 2008/09 ca. 142,12 € (ermittelt aus 134.840 Besuchern bei 19,164 Mio. € Aufwendungen). Jede verkaufte Karte wurde – neben dem durchschnittlichen Erlös von 11,24 € pro Karte – mit ca. 131 €, dem Zehnfachen der Einnahmen, subventioniert. Die Einnahmen aus Kartenverkäufen betrugen in der Spielzeit 2008/09 1,516 Mio. €. 
Bei einer Besucherzahl von 134.840 waren dies 11,24 € pro Karte bzw. pro Besucher. Die geplanten Personalkosten betragen für die Spielzeit 2009/10: 17,239 Mio. €, was einer Steigerung von ca. 10% gegenüber der Spielzeit 2008/09 (15,674 Mio. €) bedeutet. 

Wolfgang Schmiel, Finanzpolitischer Sprecher der WiF-Fraktion
 



Folgen der Finanzsituation des Landestheaters? - "Schleswigs Rat sagt Nein zum Theater auf dem Hesterberg" (Flensburger Tageblatt, 27.02.2014)