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Bahndammtunnel

Pfingsten 2012 wurde publiziert, dass die für die Heinrichstraße neu erstellte Wegeführung für Fußgänger und Radfahrer einseitig und sogar rechtsseitig keinen Durchgang bot. Ein Durchstich durch den Bahndamm war zwar vorgesehen, aber wäre auch teuer geworden, nämlich ca. 700.000 Euro.("Hier leben Fußgänger gefährlich"; Flensburger Tageblatt, 26.05.2012) 



Bahndammtunnel gestoppt – Verkehrsrisiko bleibt

Eine unvollendete Bauausführung und ihre Konsequenzen

 


September 2012


Auf Initiative der CDU wurde der Bau des Tunnels durch den Bahndamm zur Wiederherstellung der Verkehrsicherheit für Fußgänger, Rad- und nicht zuletzt auch Autofahrer vorerst gestoppt ("Bau eines Tunnels am Bahndamm gestoppt"; Flensburger Tageblatt, 18.09.12). Die Argumentation hierfür lautet folgendermaßen: Es wird geprüft, ob die Gleisanlagen noch benötigt werden. Ist dieses nicht der Fall, dann wird auch der Bahndamm nicht mehr benötigt und dann braucht man auch den Tunnel nicht mehr. Hier kann man also erstens unnötiges Geldausgeben vermeiden und sogar zweitens auch noch Geld sparen, denn bei einem Abriss des Bahndamms müssten die Brücken nicht mehr saniert und instand gehalten werden. Logisch.

 

Allerdings darf man nicht übersehen, dass es die CDU an anderen Stellen mit dem Geld ausgeben nicht so eng sieht und der SUPA-Vorsitzende Arne Rüstemeier (CDU) persönlich den Bahndamm abreißen will. Es geht also nicht ums Geld, sondern um die Durchsetzung einer politischen Zielsetzung: Weg mit dem Bahndamm.

 

Wir meinen aber, dass erst die Zukunft des Bahndamms diskutiert werden muss. Es gibt die Idee, diesen zu einem Fußgänger- und Radfahrerweg umzubauen. Oder die – sicherlich diskutable – Idee, auf dem Bahndamm am ZOB einen Kopfbahnhof einzurichten. Auch erfüllt dieser eine Schutzfunktion für dahinter liegende Gärten. Die Zukunft des Bahndamms aber muss mit und in einer breiten Öffentlichkeit diskutiert werden – und das braucht Zeit. Dann muss das Ergebnis dieser Diskussionen geplant und zur Umsetzung vorbereitet werden – auch das braucht Zeit.

 

Zeit ist aber gerade das, was wir angesichts der Verkehrssituation nicht haben. Richtig ist, dass die Fußgänger und Radfahrer die Straßenseite wechseln und sich damit sicher im Straßenverkehr bewegen können. Richtig ist aber auch, dass Menschen Umwege nicht mögen und täglich viele diesen sicheren Weg nicht wählen, sondern sich an der Brückenmauer halb auf der Straße entlang bewegen. Da die Politik diesen Zustand kennt, muss sie auch etwas unternehmen, um ihn zu beenden – und zwar schnell! Normalerweise wäre dieses im nächsten Jahr passiert, aber nun…?

 

Ich will – für eine transparente Diskussion – nicht verschweigen, dass ich für den Erhalt des Bahndamms mitsamt den Brücken bin.

Dr. Christian Dewanger





Für Fußgänger und Radfahrer wurde sehr knapp kalkuliert und an der Einfahrt in die Heinrichstraße vorerst eine einmalige "Lösung", bestehend aus Fußgängerverbotsschild und Radfahrerampel gefunden. Eigentlich sollte hier ein Durchstich bzw. eine Verbreiterung erfolgen. Was linksseitig großzügig ausgeführt wurde, ist rechtsseitig zu schmal geraten. 2007 waren die Pläne erstmals öffentlich geworden und mit Kosten von 370.000 Euro beziffert worden.("Teures Loch im Bahndamm"; Flensburger Tageblatt, 29.08.2007) 


West-Ost-Verbindung Heinrichstraße: Nadelöhr für Fußgänger (09/2012)



April 2013 

Die Avis berichtete im Vorfeld der TBZ-Sitzung am 11.04.2013.("Der Tunnel könnte endlich kommen"; Flensborg Avis, 10.04.2013) Der TBZ-Ausschuss beschloss am 11.04.2013 die Freigabe der Mittel, so dass ab August 2013 die Arbeiten an einem Durchfahrtstunnel beginnen könnten, wenn der Finanzausschuss sich dem Beschluss anschließt.("Zweites Mauseloch im Bahndamm"; Flensburger Tageblatt, 13.04.2013) Die Entscheidung hatte sich aufgrund unterschiedlicher Auffassungen zur Zukunft des Bahndamms, der den Flensburger Hafen an das überregionale Bahnnetz anbindet, verzögert: "Die Mittel waren im vergangenen Herbst auf Betreiben der Politik vorerst gesperrt worden, weil zunächst der Ausgang einer neuerlichen und vorerst letzten Diskussion über Für und Wider des Bahndamms an sich abgewartet werden soll. Aus Reihen der CDU wurde der Gedanke formuliert, dass man den Tunnel gar nicht benötige, wenn man zu dem Schluss kommt, dass die Stadt den Bahndamm nicht mehr brauche."(a.a.O.) 


 

Juni 2013 

Die Diskussion über das von der Verkehrsplanung bzw. Bauausführung selbstgeschaffene Problem und dessen Lösung ging weiter. Selbstgeschaffen ist das Problem insofern, als dass man (ohne wirkliche Beteiligung der Politik) den nördlichen (linksseitigen) Bürgersteig verbreitert hatte - zu Lasten des südlichen (rechtsseitigen) Bürgersteig, der auf ca. 40 cm verkleinert wurde. Nach Verkleinerung des rechtsseitigen Bürgersteigs (in einem Land mit Rechtsfahrgebot wohlgemerkt) wird nun von den Fußgängern verlangt, die Fahrbahn auf kurze Entfernung zweimal zu wechseln. Geht Verkehrsplanung etwa davon aus, dass Nicht-Motorisierte alle Zeit der Welt zu verbummeln haben? Darauf deuten z. B. zahlreiche "Bettelampeln" hin, die auf den Süderhofenden und am Hafendamm "für" Fußgänger (nach 19 Uhr) scharf geschaltet sind. 

Die linksseitigen Bürgersteignutzer (Wegstrecke Waitzstraße - Süderhofenden) hätte man in die vorhandene und bewährte Wegverbindung Angelburger Straße und Viktoriastraße lenken können! Die Fußgänger, welchen die Verkehrsplaner durch Schaffung eines Engpasses eine doppelte Straßenquerung aufnötigen, werden nun für ihr unangepasstes Verhalten auch noch gescholten. Edgar Möller, SSW-Ratsherr: "das Problem sind unvernünftige Fußgänger"("Gefährlicher Engpass unter der Brücke"; Flensburger Tageblatt, 13.06.2013) Was soll den daran vernünftig sein, ausgerechnet diejenigen, denen zugemutet wird, auf eine Entfernung von 50 Metern zweimal die Straße per Ampel zu queren, und die am Wenigsten an der Verkehrsplanung beteiligt waren, zum "Problem" zu erklären? 

Wenn die Problemlösungsmaßnahme - ein Tunnel durch den Bahndamm - die Stadt aber "nur" 64.500 der 430.000 veranschlagten Euro kostet, weil das Land "85 Prozent davon trägt"(a.a.O.; entspräche 365.500 Euro), dann mag dieser Förderbetrag die Entstehung des Problems vielleicht erklären.


Die Vorlage UPLA-49/2007, mit der der Durchstich durch den Bahndamm im Jahr 2007 vorbereitet worden war, enthält übrigens geringfügig andere Zahlen.


Nach Beratung im SUPA am 25.06.2013 wird nun zunächst - vor dem Durchstich des Bahndamms 2014 - ein Provisorium installiert: Eine Fahrspur soll für Fußgänger und Radfahrer reserviert werden.("Spurwechsel unter der Brücke"; Flensburger Tageblatt, 29.06.2013) 



August 2013

Seit dem Sommer wurde die im oben gezeigten Bild rechte Spur als Fahrspur für Fußgänger und Radfahrer provisorisch, d. h. durch Abgrenzung mit rot-weißen Randsteinen, reserviert, so dass dem Kfz-Verkehr derzeit zwei Fahrspuren zur Verfügung stehen: In jeweils eine Fahrtrichtung.  



Februar 2014

Der SSW unternimmt einen Vorstoß, die überdimensionierte Planung, zu begraben. Ein Tunnel wurde erwogen, so dass auf der Nordseite der Heinrichstraße (zwischen Süderfischerstraße und Friedrich-Ebert-Straße) ein zu breiter Fußweg angelegt wurde - Platz, der auf der Südseite fehlte und inzwischen die Sperrung einer Fahrspur nahelegte.("Aus für Flensburgs Tunnel-Träume"; Flensburger Tageblatt, 08.02.2014) 

Presserückblick im shz: 

2007, August: Tunnel erstmalig diskutiert, Kosten 370.000 Euro

2010, August: Verzögerung durch Grundstücksverhandlungen mit NDR und der Deutschen Bahn

2012, September: TBZ-Ausschuss stoppt Mittel (700.000 Euro)

2013, April: Freigabe der Mittel für den Durchstich: 430.000 Euro (städt. Anteil)

2013, Juni: Vorschlag, versuchsweise eine Autospur für Rad- und Fußweg zu nutzen

2014, Februar: SSW-Vorstoß, auf den Tunnel zu verzichten. 



September 2014

Ein Verkehrswertgutachten ergibt, dass der Bahndamm nicht angetastet bzw. durchbohrt werden muss: Der geplante Fuß- und Radweg-Tunnel durch den Bahndamm ist verzichtbar, weil eher eine Stagnation der Verkehrszahl als eine weitere Zunahme feststellbar sei. „Der innerstädtische Verkehr nimmt ab, und das bundesweit“, wird der Gutachter aus Hannover zitiert. Ein Computermodell des Straßenvierecks Heinrichstraße, Hafermarkt, Angelburger Straße und Friedrich-Ebert-Straße simulierte die tatsächlichen Verkehrsströme zur Stoßzeit zwischen 17 und 18 Uhr: In der Heinrichstraße fahren 14.000 Autos pro Tag, in der Angelburger Straße immerhin 4000. Am dichtesten ist der Verkehr auf der Friedrich-Ebert-Straße: 21.000. Es waren schon einmal 29.000 am Tag... in der Tat konnte man sehen, dass sich selten mal mehr als sechs bis acht Autos an den Ampeln stauten.("Es geht auch ohne Tunnel"; Flensburger Tageblatt, 25.09.2014) 

Die Wahrnehmung der realen Situation hat schließlich zu einer realistischen Einschätzung geführt, was aber bedeutet das für die Finanzen bzw. den Zuschuss des Landes? - Der Tunnel war Teil eines größeren Gesamtpakets, das mit Geld aus Kiel bezuschusst worden war. Wenn die Streichung des Tunnels „förderunschädlich“ ist - also nur der für den Tunnel vorgesehene Betrag zurück zu zahlen wäre – muss der Planungsausschuss den Verzicht auf den Tunnel und die dauerhafte Streichung einer Fahrspur beschließen. Letztlich würde der Geh- und Radweg auf die Breite des Provisoriums erweitert und gepflastert.“(a.a.O.) 



Ende gut, alles gut? 



Eine Entscheidung zur Bahnunterführung am Beginn der Heinrichstraße ist auch zwei Jahre später noch nicht gefallen.("Provisorium mit Langzeitwirkung"; Flensburger Tageblatt, 20.08.2016) 


Die Sache scheint weiterhin in Prüfung... ("Das Ende des Provisoriums naht"; Flensburger Tageblatt, 02.08.2017) und "Nägel mit Köpfen - Bahndamm mit Radweg"[Kommentar