Unsere Themen‎ > ‎Stadtentwicklung‎ > ‎

Fruerlund-Ost

Der Stadtteil Fruerlund liegt, eingerahmt von Lautrupsbachtal und Osbektal, im Flensburger Osten. Er ist in den 1950er Jahren entstanden und war geprägt von Menschen, die im Krieg aus dem deutschen Osten hatten fliehen müssen. Straßennamen erinnern bis heute an Flüsse östlich von Berlin. Östlich vom ersten Fruerlunder Bebauungsabschnitt zwischen Mühlenholz und Ostlandstraße erstrecken sich Alsterbogen und Fruerlundhof, die später bebaut wurden.
Fruerlund hat einen westlichen und östlichen Stadtteil, getrennt durch Schrebergärten; Fruerlund-West: Fruerlundlücke, Ostlandstraße, Bohlberg; Fruerlund-Ost: Travestraße, Alsterbogen, Fruerlundhof, Hesttoft, Fruerlunder Bogen. Am östlichen und südlichen Rand von Fruerlund-Ost wurde nach der Jahrtausendwende weiter gebaut. Diese Seite erklärt, welche Fehler bei der Stadtplanung in Fruerlund bzw. Fruerlund-Ost bis in die jüngere Zeit begangen wurden.

Die Flensburger Osttangente sollte nach Plänen der Stadt(verwaltung) ursprünglich bis an die Osterallee herangeführt werden. Jene Straßenplanung hätte zwei Kerbtäler durchquert bzw. zerstört: Das Lautrupsbachtal und das Osbektal. 
Aus heutiger Sicht erscheint merkwürdig, dass der Osten Flensburgs durch eine so genannte "Tangente" zerschnitten statt nur tangiert werden sollte - und dies ausgerechnet zu Lasten zweier landschaftlich wertvoller Täler. Engelsby und der Schottweg waren erst nach dem Krieg großflächig bebaut worden waren, aber anscheinend war bei deren Bebauung die Anlage einer leistungsfähigen Straße zwischen Südstadt und Mürwik vernachlässigt worden. Im Osten Flensburgs sollte Stadtplanung so verlaufen, dass die Anlage leistungsfähiger Straßen erst nach der Bebauung von Wohngebieten folgen sollte; eine Ausnahme bildete die Kreisstraße 8, die aus anderen Gründen (Bevölkerungsprognosen) umstritten ist. 


Versagen der Stadtplanung in Fruerlund(-Ost)?
Planungsversäumnisse der Verwaltung verärger(te)n die Bürger

Die Praxis der Stadtplanung, Straßen erst nach erfolgter Wohnbebauung anzulegen, sollte Konflikte evozieren: Zunächst beim Bau der Osttangente durch das Lautrupsbachtal und später in kleinerem Maßstab in Fruerlund. Dabei war ursprünglich teils vorausschauend geplant worden: Die Straße Fruerlundhof war z. B. so breit ausgeführt worden, um sie später an die Osttangente anzubinden, wie der alte Bebauungsplan 106 dokumentiert. Der B-Plan 106 sollte aber ab 1997 durch B-Plan 97 und B-Plan 232 aufgehoben werden. Die Planung der Osttangente war inzwischen geändert worden. Sie sollte nun als "Innenstadtentlastungsstraße Ost" in die B 199 ("Nordstraße") verschwenkt werden, so dass eine Anbindung von Fruerlund an die Osttangente nicht mehr erforderlich schien. Die Planung der Ausführung der schließlich am 26.02.1998 von der Ratsversammlung beschlossenen Osttangente vernachlässigte jedoch in der Folge bzw. bereits seit 1997 die Anbindung der Stadtteile Fruerlund und Jürgensby an die geplante Tangente. Das Argument - die Entlastung der Innenstadt mittels Anbindung der Stadtteile - hätte auch weiterhin Sorgfalt in der langfristigen Planung erfordert. Statt jedoch leistungsfähige Verbindungen am Rande eines Wohngebietes zu schaffen, wurden die Ränder des Stadtteils Fruerlund "arrondiert"(Stadtplanung), d. h. abgerundet, so dass der Verkehr nun nicht mehr am Stadtteil vorbei-, sondern regelrecht hineinfließen musste. 


Fruerlund: Übersicht über die Bebauungspläne der Stadt Flensburg            Alter B-Plan 106: Osttangente tangiert Fruerlundhof Richtung Osbektal 


Fruerlund-Ost in den 1990er Jahren: Wohnen in abgeschiedener Lage.        Alte Planung der Osttangente bis zur Osterallee (B-Pläne 106 und 227) 


Die Absicht, die geplante Osttangente durch das Osbektal zu führen und an die Osterallee anzuschließen (vgl. B-Plan 96), wurde schließlich aufgegeben. Durch den Verzicht auf den Osttangentenabschnitt nördlich der B 199 wurde Ackerland zur Verwendung frei. Das freie Land sollte verwertet werden. Ohne die Leistungsfähigkeit der Verkehrsanbindungen der veränderten Osttangentenplanung anzupassen, wurden in Fruerlund-Ost Flächen zur Wohnbebauung freigegeben. Diese Flächen lagen allerdings mitten auf der kürzesten Verbindung zwischen vorhandenen Straßen, d. h. mitten in der Verlängerung der Elbestraße, die noch an die B 199 und die Mozartstraße hätte angebunden werden können und müssen, wenn die Stadtplanung dem Zweck der Osttangente (Entlastung der Innenstadt) sorgfältig gefolgt wäre. Die Freigabe jener Flächen über B-Plan 97 sollte für die Zukunft verhindern, optimale Straßenverbindungen, d. h. kurze und die Anwohner wenig belastende Wege einzurichten. Der Alsterbogen, der bis dahin der einzige Versorgungsweg für Fruerlundhof und Hesttoft gewesen war, sollte eine östliche, winkelige und daher wenig leistungsfähige Ausführung erhalten, die ab 2006 weiteren Durchgangsverkehr verkraften sollte, nachdem die Osttangente fertiggestellt und über die Straße Jordberg an Fruerlund angeschlossen worden war; letzteres geschah mit Vorlage IFA-5/2006, deren Begründung lautete: "Der Anschluss verbessert die innerörtliche Verkehrssituation, da der Ziel- und Quellverkehr aus Fruerlund mit den hier vorhandenen und geplanten Wohngebieten direkt an das Haupt- und Fernverkehrsstraßennetz angebunden wird. Mit dieser Maßnahme wird über die Entlastungswirkung für die Mürwiker Straße hinaus auch eine Entlastungsfunktion für die nächstgelegenen Anschlussstraßen der Osttangente wie Schottweg und Adelbyer Kirchenweg erzielt."(IFA-5/2006)
Eine vernünftige Verteilung des Verkehrs im Stadtteil oder besser: das Heraushalten des Durchgangsverkehrs zwischen Engelsby und Fruerlundholz war jedenfalls mit B-Plan 97 nachhaltig zunichte gemacht worden

Planungsfehler #1: 
Die Elbestraße war im Hinblick auf die Schulzentren sehr breit ausgelegt worden. Wo sie nach Süden zur B 199 hätte fortgeführt werden können, wurde stattdessen der Elbehof mit 13 Einfamilienhäusern angelegt. Der östliche Alsterbogen wurde auf einer vergleichsweise schmalen Verbindung (einseitiger Bürgersteig, kein Radweg) mit dem Fruerlundhof verbunden. Auf der inneren Seite dieser engen, nicht auf Durchgangsverkehre ausgelegten Verbindung wurde ein Geschossbau geplant, während das gegenüberliegende Grundstück vor dem Acker für eine Wohnsiedlung mit Grasdächern ("Ökosiedlung") vorgesehen war. Das Gelände, durch das der östliche Alsterbogen verläuft, wurde vollständig durch Bebauung verwertet. Die Ausführung von B-Plan 97 enthielt also gleich drei Fehler: Blockade einer Fortführung der Elbestraße nach Süden, Anlage eines zu schmal dimensionierten östlichen Alsterbogens, maximale Verwertung allen Baugrunds bis an die Grenze des nicht aus dem Landschaftsschutz entlassenen Gebietes östlich vom Alsterbogen. Die Bauflächen hätten alternativ auch östlich einer nach Süden verlängerten Elbestraße angelegt werden können.(vgl. Textabschnitt "Verpasste Gelegenheiten, vergebene Chancen" weiter unten) 

B-Plan 97: Ausweisung Elbehof (13 EFH) und Alsterbogen-Ost                B-Plan 232 mit Süderlück-Erweiterung: Bauland ohne Verkehrskonzept


Planungsfehler #2: 
Der B-Plan 232 sollte den mit B-Plan 97 begangenen Fehler südlich des Alsterbogens fortsetzen. Die als Landschaftsschutzgebiete deklarierten Flächen sollten nach Beschluss im Jahr 2000 aus dem Landschaftsschutz entlassen werden, damit die Bebauung an Engelsby-Dorf heranwachsen bzw. -wuchern sollte. Indem man am Rande von Fruerlund-Ost weitere Flächen zur Bebauung freigab, versperrte die Stadtplanung bzw. die sie beaufsichtigende Parteienmehrheit aus SPD, CDU, SSW die Möglichkeit, das Wohngebiet mit einer Straße zu umgehen und von zukünftigen Durchgangsverkehren zu befreien. Die Durchgangsverkehre sollten erst nach Fertigstellung der Osttangente im Herbst 2006 auftreten, als Fruerlund und Engelsby verbunden wurden; außerdem waren von Engelsby Verkehre zum Schulzentrum an der Elbestraße zu erwarten. Verwaltung und Politik sahen diesen Verkehrsbedarf in den Jahren 1997 und 2000, als sie den Plänen ihren Segen erteilten, anscheinend nicht voraus. 

Fruerlund: Gekappte und blockierte Straßenverbindungen              (c) Google  B-Plan 97, östlicher Alsterbogen: Beschlossen ohne Verkehrskonzept.


Planungsfehler #3: 
Der Bau des Fruerlunder Bogen südlich von Hesttoft war ebenfalls erfolgt, ohne dass eine Anbindung der Straße Hesttoft an Fruerlund-West (Ostlandstraße, Bohlberg) vorgenommen worden war. Der Fruerlunder Bogen war als ein abgeschottetes Wohngebiet angelegt, das Durchgangsverkehre zum Hesttoft oder später über Jordberg zur Osttangente aussperrte. Damit wurde die Funktion der Osttangente, die in einer Entlastung der Innenstadt bestehen sollte, beeinträchtigt, da z. B. die Bewohner des Bohlbergs keine direkte Anbindung an die Tangente haben würden. Die jahrelang existierende Verbindung zwischen Alt-Fruerlundhof und der Richard-Wagner-Straße sollte für Kraftfahrzeuge gekappt werden. Die Anwohner des Adelbyer Kirchenweges sollten nach Eröffnung der Osttangente Ende 2006 zu spüren bekommen, dass nun ihre Straße statt Alt-Fruerlundhof/Richard-Wagner-Straße den Durchgangsverkehr bewältigen sollte. Die Anlage des Fruerlunder Bogen bedeutete ein doppeltes Hindernis sowohl für eine Verbindung Bohlberg-Hesttoft wie auch Bohlberg-Jordberg. Dieser Planungsfehler war zwar peripher, verstärkte aber die Wirkung der anderen Versäumnisse der Planung. Dieses Versäumnis hielt auch der UPLA fest: "Der Umwelt- und Planungsausschuss bestätigt das Erfordernis eines Verkehrskonzeptes, da Fruerlund verkehrstechnisch in zwei Bereiche (Hesttoft / Bohlberg) zerfalle[sic!]. Die Bewohner am Bohlberg belasten mangels eigener Anbindung überwiegend den Bereich Hesttoft. Es müsse daher eine bessere eigene Anbindung erfolgen."(UPLA, 14.08.2007
Die Planungschefs hatten dazu einen fragwürdigen Vorschlag: "Herr Dr. Schroeders und Herr Rolfes sehen eine Anbindung des Bereiches Bohlberg an die Nordstraße als erforderlich an (z. B. von der Bismarckbrücke), da Maßnahmen der Verkehrslenkung wohl nicht ausreichend sein werden."(a.a.O.) Dieses Vorhaben würde allerdings die Idylle des Lautrupsbachtals, das nach dem Bau der Osttangente renaturiert worden war, zerstören. 

2006: Fruerlund-Ost mit Osbektal und Engelsby-Dorf                    (c) Microsoft    Fruerlunder Bogen, Jordberg, Alsterbogen, Elbehof und Elbestraße


Planungsfehler #4: 
Auf den Anschluss der Osttangente an die Osterallee zu verzichten, hätte nicht zugleich auch einschließen müssen, auf eine leistungsfähige Verbindung zwischen Mürwiker Straße und B 199 zu verzichten. Die Osttangente hat(te) offiziell die Funktion, die Innenstadt zu entlasten ("Innenstadtentlastungsstraße Ost"). Die Begründung zum B-Plan 144 (Hochschulcampus) erklärt nicht nur, wie sich die Namensgebung der Straße im Laufe des Planungsprozesses veränderte, sondern zusätzlich zur "Verkehrsentlastung der Flensburger Innenstadt durch Verteilung des Verkehrs auf den hufeisenförmigen Straßenhalbring", sollte von dieser Straße "im Gegensatz zu einer reinen Umgehungsstraße ... nicht nur der überregionale Durchgangsverkehr aus Norden, Westen und Süden in Richtung Osten, sondern auch ein großer Prozentsatz des stadtteilverbindenen Durchgangsverkehrs[sic!] und des städtischen Quell- und Zielverkehrs aus der Innenstadt aufgenommen werden".(B-Plan 144, Begründung vom 05.05.1999, S. 20 f. 
Diese offizielle Zielvorgabe hätte erfordert, die zukünftige Bundesstraße mit leistungsfähigen Verbindungswege zu versehen, die ihr den Verkehr aus den Stadtteilen Jürgensby, Fruerlund, Mürwik über die Hauptverkehrsader Mürwiker Straße zugeführt hätten. Vernünftigerweise wäre dies ausgleichend erfolgt, indem der Durchgangsverkehr nördlich der Osttangente und nördlich der Kappelner Straße vier Anbindungen erhalten hätte: Anbindungen über Schottweg, Fruerlund-Ost (Elbestraße bzw. Jordberg), Fruerlund-West (Bohlberg, Fruerlundhof), Adelbyer Kirchenweg. Statt den Verkehr auf jene vier Wege zu verteilen, wurde die Anbindung Fruerlund-West (ehemals Alt-Fruerlundhof an Richard-Wagner-Straße) gesperrt und das Wohngebiet Fruerlund-Ost über die neue Straße Jordberg direkt angebunden. Damit wurden ehemals verkehrsberuhigte Straßen wie Hesttoft und Adelbyer Kirchenweg zu Verbindungswegen gemacht. Von den vier möglichen Anbindungen wurde eine gekappt (Fruerlund-West), während die anderen beiden Wege für ihre zukünftige Aufgabe als Verbindungswege zur vierspurigen Tangente nicht vorbereitet waren. Welche Auffassung vertrat der Planungschef: "Herr Dr. Schroeders weist darauf hin, dass dieser Abschnitt durch die so nicht vorgesehene[sic!] Nutzung als Osttangentenzubringer zu diesen Konflikten führe."(UPLA, 06.02.2007) - Der Planungschef entwarf demnach eine vierspurige "Innenstadtentlastungsstraße", bereitete aber keinerlei Ertüchtigung der Verkehrswege vor, welche die Zuwege zu dieser Entlastungsstraße bildeten. Waren etwa für den Flensburger Nordosten nur der Schottweg (Mürwik) und der Adelbyer Kirchenweg (Jürgensby) als Zufahrtstraßen für die "Innenstadtentlastungsstraße" vorgesehen? - Falls ja, handelt es sich um eine inkonsequente, mangelhafte Ausführung der Stadtplanung, die dem Zweck der Straße (Entlastung der Innenstadt) zuwiderläuft. Die Evidenz dieser Feststellung bestätigt die Verwaltung sogar selbst am 26.01.2011: "Nach der Inbetriebnahme der Osttangente hat die Verwaltung mit Beschluss des Umwelt- und Planungsausschusses vom 14.08.2007 (UPLA-48/2007) den Auftrag erhalten, ein Verkehrskonzept für den Stadtteil Fruerlund zu entwickeln."(Vorlage SUPA-9/2011) Zunächst wurde die "Innenstadtentlastungsstraße" durchgesetzt, erst hinterher wurden Stadtteilkonzepte entwickelt.

 Fruerlund: Gekappte Verbindungen trennen und verlagern Verkehre; 
 "Arrondierung" für Wenige, statt Verkehrsplanung für Alle      (c) Google


Die Streckenführung der Ende 2006 neu geschaffenen Straße Jordberg leitet den Verkehr mitten ins Wohngebiet hinein, statt daran vorbei. Eine Anbindung der Osttangente an die Elbestraße war durch die Schaffung der Wohngebiete am östlichen Alsterbogen ("Ökosiedlung") und des Elbehofs blockiert worden. Darüberhinaus demonstrierten die verantwortlichen Stadtplaner, was unter einer "ansprechenden Funktionsbeziehung"(Dr. Schroeders) zu verstehen ist: Der Elbehof mit seinen 13 Einfamilienhäusern wurde neben einem mehrgeschossigen Wohnblock platziert, der die Häuser in der zweiten Taghälfte nicht nur in den Schatten stellen dürfte, sondern auch "städtebaulich interessant" sein kann, wenn die Bewohner der Wohnungen die Einfamilienhausbesitzer in ihren Gärten beobachten. Die Anordnung von Wohnblock und Einfamilienhaus sucht ihresgleichen, wie auch die winkelige Straßenführung des östlichen Alsterbogens. Wäre der Elbehof gegenüber dem Wohnblock und östlich einer nach Süden verlängerten Elbestraße angelegt worden, wäre dies vermieden worden. 

Der Jordberg führt den Verkehr ins Wohngebiet, statt dran vorbei    (c) Microsoft     Elbehof und Alsterbogen-Ost block(t)en Elbestraßenverlängerung


Verpasste Gelegenheiten, vergebene Chancen  
Vermeidbar wären die ersten beiden Planungsfehler gewesen, wäre an Stelle des B-Plan 97 die Elbestraße einfach nach Süden verlängert worden. Die Bebauung, wie sie heute am Elbehof und am östlichen Alsterbogen sichtbar sind, hätten z. B. östlich der Elbestraße erfolgen können (grüne Roundel-Markierungen im Bild unten), während zugleich Fruerlundhof und Alsterbogen weit weniger Durchgangsverkehr gehabt hätten. Auch wäre die Verbindungsfunktion zwischen Mürwik und Engelsby, welche einst dem Osterallee-Abschnitt der Osttangente zugedacht war, zusätzlich von der Elbestraße ausreichend erfüllt worden. Sie hätte auch ein gut ausgebauter Schulweg für die Schüler aus Engelsby und Tarup sein können. Ironischerweise sind es die Schüler, die durch ihren Gang zu den Schulen in der Elbestraße anzeigen, welche Verbindung vernünftig gewesen wäre: Die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten. Die Schüler nehmen den kürzesten (Fuß-)Weg, und der verläuft mitten durch den östlichen Alsterbogen und den Elbehof - beinahe exakt auf der Route, die eine nach Süden verlängerte Elbestraße genommen hätte. 

Fruerlund-Ost: Vergebene Option einer verlängerten Elbestraße                   Ein Schulweg markiert die direkte, beste Verbindung      (c) Microsoft 


Verantwortlichkeiten und Benachteiligte 
Annehmbar ist, dass die für die Planungsfehler Verantwortlichen - der zum Planungschef erhobene Dr. Schroeders und die Parteien SPD, CDU, SSW, Grüne - Gründe hatten, weshalb eine vernünftige Planung seiner Zeit "nicht machbar" gewesen sei. Möglicherweise gab es formalrechtliche Hürden oder aber Eigentumsverhältnisse, die eine Fehlkonstruktion, wie sie B-Plan 97 aus heutiger Sicht darstellt, nahelegten. Allerdings muss man sich dann doch wundern, mit welcher Beharrlichkeit, wenn nicht sogar Verschlagenheit (aus Sicht der Bürgerinitiative Lautrupsbachtal) eine so aufwendige Straßenplanung wie die Osttangente gestaltet werden konnte. Auch deren Planung beeinträchtigten Eigentumsverhältnisse und landschaftliche Einwände. Sie wurde aber schließlich gebaut, wie die Planer es vorsahen. Deren Planung gipfelte in dem Ratsbeschluss zum Bau der Tangente am 26.02.1998, während B-Plan 97 ein knappes halbes Jahr zuvor geändert worden war. Die Stadtplanung hätte ihre Planung für Fruerlund also zeitlich auf die Tangentenplanung abstimmen können, und die Politik hätte darauf achten müssen.  

Der Begründung zu B-Plan 97 ist ungeachtet der Osttangentenplanung zu entnehmen: "Der B-Plan dient der Deckung eines dringenden Wohnbedarfs (...) so daß eine sinnvolle Arrondierung des Ortsrandes im Osten von Fruerlund am Rande des Osbektals vorgenommen werden kann."(B-Plan 97, Begründung) Die Stadt wollte eine Nachfrage bedienen: "Die vorhandenen Defizite in der Versorgung mit Einfamilienhausgrundstücken können nur durch die Aufstellung neuer Bauleitpläne oder durch die Änderung bestehender Pläne zügig beseitigt werden." Die Bebauungsofferte sollte einem Trend begegnen: "Es soll der Tendenz zur Umlandwanderung der Nachfragehaushalte ein Angebot an Einfamilienhausgrundstücken auf Flensburger Stadtgebiet entgegengesetzt werden. Der Planbereich eignet sich unter stadtwirtschaftlichen[sic!] Gesichtspunkten für Wohnbauzwecke, da er eine Arrondierung des Ortsteils Fruerlund darstellt."(a.a.O.) Jene wohlklingende "Arrondierung" bedeutet real die kleckerweise Abrundung des Stadtteils Fruerlund, da "der Ortsrand unfertig und ungestaltet [wirkt]"(a.a.O.). 

Schmackhaft gemacht wurde der B-Plan mit der Einrichtung einer Ökosiedlung, indem er Großzügigkeit wie auch Planungsverzicht ausdrückt: "Der B-Plan schafft die planungsrechtlichen Voraussetzungen für die Durchführung des Verfahrens. Er verzichtet[!] für das Gelände der Ökosiedlung auf differenzierte städtebauliche Vorgaben und beschränkt[!] sich auf die Festsetzung von äußeren Baugrenzen und städtebaulichen Kenndaten als Höchstwerte für das Maß der baulichen Nutzung sowie auf einzelne Mindestanforderungen an die Grünordnung. lnnerhalb dieses relativ offenen Rahmens soll das Konzept gefunden werden."(a.a.O.) Die Verwaltung beugte sich der Nachfrage weit entgegen, da der Bau von Wohnhäusern in ökologischer Bau- und Siedlungsweise "das 'Herzstück' dieses Bebauungsplanes" sei, wie Dr. Schroeders dem Bauausschuss vortrug.(Bauausschuss, 09.09.1997, Beteiligte) Die Erfordernisse der Flächen jenseits von B-Plan 97 wurden kaum beachtet, wichtiger war das "Konzeptverfahren für die Ökosiedlung". Ausgerechnet die gut gemeinte Ökosiedlung würde später dazu beitragen, den Verkehr ins Wohngebiet Fruerlundhof einzuleiten, statt ihn über eine verlängerte Elbestraße daran vorbeizuführen. Die Straße Fruerlundhof, die ab 2006 mit dem Verkehr von bzw. zur Osttangente konfrontiert wurde, bewertete die Stadtplanung 1997 noch als "heute überdimensioniert".(Begründung zu B-Plan 97) Ähnlich präzise - und kurzsichtig - war damals auch die Einschätzung für die Verkehrsanbindung der Ökosiedlung: "Die exakte Lage des Einmündungsbereiches läßt sich heute noch nicht bestimmen."(a.a.O.) 
 
Was unternahmen eigentlich die Fraktionen SPD, CDU, SSW, Grüne? - "Einziger Kritikpunkt seitens der SPD-Fraktion ist die Nutzung der Ausgleichsfläche; es sollte hier eine naturnahe Spielfläche entstehen." Daraufhin wurde "unter Berücksichtigung des Kompromißvorschlages von Herrn Roedig [Klärung der SPD-Fragen] einstimmig zugestimmt."(Bauausschuss, 09.09.1997). Die Fraktionen hatten eine Stadtplanung, die über B-Plan 97 hinausging, schlichtweg übersehen, obwohl sie fast ein halbes Jahr später, auf der Ratsversammlung am 26.02.1998 (und kurz vor der Kommunalwahl am 22.03.1998), den Bau der Osttangente beschließen sollten. 

Zur Entstehung der Probleme in Fruerlund(-Ost) äußerte sich auch ein damaliger Fraktionsvorsitzender in einem Leserbrief.
Am 19.11.2009 sah Knut Franck (SPD) ein "gewolltes" Chaos darin, dass man (die Verwaltung) den Durchgangsverkehr bzw.
große Teile des Verkehrsaufkommens" von der Nordstraße nach Mürwik zur Entlastung des Schottweges auch durch das bisher ruhige Fruerlund(-Ost) leiten wollte. Dadurch wären in Fruerlund zusätzlich zu den Ziel- und Quellverkehren neue Durchgangsverkehre entstanden. Franck beklagte Folgewirkungen der vierspurigen Osttangente, mit der der Individualverkehr einseitig bevorzugt werde - im Widerspruch zu den Klimapaktzielen der Ratsversammlung. Er kritisierte, die Verwaltung habe zur Entlastung des Schottwegs vorgeschlagen, große Teile des Verkehrsaufkommen für den Raum Mürwik durch Fruerlund zu leiten" - gegen den Einsatz von SPD-Fraktion und SBV-Genossenschaft.
Der Kritiker nannte auch [s]eine
mögliche Alternative": Umbau der Bismarckbrücke, damit zwei stadtauswärts führende Rampen zur Nordstraße einen Teil des Verkehrs nach Mürwik aufnehmen" könnten. Damit aber wäre der konstruktive Kritiker und Gegner des Individualverkehrs in den Widerspruch geraten, das mit Bau der Osttangente 2006 renaturierte untere Lautrupsbachtal durch zwei Betonrampen zu beeinträchtigen. Ursächlich aber wäre das beklagte Problem: Durchgangsverkehr in Fruerlund-Ost vermieden worden, wäre die Elbestraße 1997 nach Süden zur Nordstraße verlängert worden. Sie hätte Fruerlund-Ost nur östlich tangiert und wäre in ihrer Breite für Durchgangsverkehre geeignet gewesen; Engelsby wäre direkt an die Schulen und ans Stadion angebunden gewesen. Stattdessen arrondierte man (ohne erkennbaren Widerstand der SPD) den Rand von Fruerlund-Ost mit Wohnbebauung und schuf die Sackgasse Elbehof, was eine Trassenverlängerung der Elbestraße wirkungsvoll blockierte. 

Gewolltes Chaos (Zu: "Verkehrsverhältnisse in Fruerlund")  
Die Verkehrsprobleme in Fruerlund waren nicht nur vorhersehbar, sondern auch gewollt. Bei den Planungen zur Osttangente war klar, dass die Wohngebiete nördlich der Nordstraße nur über den Schottweg zu erreichen sind. Die Verkehrsprognosen sahen für den Schottweg ein Verkehrsaufkommen vor, das zu einer unerträglichen Belastung der Bewohner geführt hätte. Deshalb hat die Verwaltung vorgeschlagen, große Teile des Verkehrsaufkommens für den Raum Mürwik durch Fruerlund zu leiten. Sehenden Auges hat man dabei in Kauf genommen, ein großes Wohngebiet, das bisher von Durchgangsverkehr befreit war, unverhältnismäßig zu belasten. Die SPD-Fraktion hat sich mit dem SBV immer dafür eingesetzt, dass die Verkehrsführung so gestaltet werden müsse, dass lediglich Ziel- und Quellverkehr des Wohngebietes Fruerlund von und zur Osttangente möglich ist. Die anderen Fraktionen und die Verwaltung haben dies abgelehnt.  Als mögliche Alternative habe ich damals vorgeschlagen zu prüfen, ob die Bismarckbrücke so umgebaut werden könne, dass zwei stadtauswärts führende Rampen zur Nordstraße einen Teil des Verkehrs nach Mürwik aufnehmen könnten. Die Prüfung wurde abgelehnt.  Jetzt zeigt sich die Fragwürdigkeit der Dimensionierung der Osttangente: Dort, wo die Vierspurigkeit endet, kommt es zwangsläufig zu Engpässen. Diese sollen nun durch weitere Straßen abgebaut werden (vierspuriger Ausbau der Nordstraße vom Schottweg bis Wees, Taruper Umgehung, Straße am Rande des Naherholungsgebietes Osbektal). Diese Salamitaktik wurde und wird bewusst von der Verwaltung eingesetzt, weil sie nicht den Mut hat, eine Verkehrsplanung in Angriff zu nehmen, die nicht den Individualverkehr einseitig bevorzugt. Unterstützt wurde sie dabei von der Mehrheit der Flensburger Ratsversammlung aus CDU und SSW. Wenn sich Flensburg rühmt, einen Klimapakt geschlossen zu haben, der vorsieht, die Kohlendioxid-Emissionen auf null zu senken, sollte die Ratsversammlung endlich damit anfangen, ein anderes Verkehrskonzept zu entwickeln. (Knut Franck, ehemals Vorsitzender der SPD-Ratsfraktion; Flensburger Tageblatt, 19.11.2009) 

Verlierer der Fehlplanung sind einerseits die unmittelbar Betroffenen am Alsterbogen und Hesttoft sowie am Adelbyer Kirchenweg, deren Straße zu Durchgangsstraßen wurden; andererseits die mittelbar Betroffenen, die auf ihrem Weg zur "Innenstadtentlastungsstraße Ost" die genannten Straßen passieren müssen. Verloren hat auch die Wegeplanung, denn trotz des Baus der Osttangente wurde keine leistungsfähige Verbindung zwischen Mürwiker Straße und B 199 installiert, die den Zweck, Verkehr auf dem Weg Richtung Innenstadt nach außen abzuleiten, adäquat, d. h. mit möglichst geringer Belastung der Anwohner und Verkehrsteilnehmer erfüllt hätte. 
Gewinner der Fehlplanung waren - kurzfristig - Grundstücksverkäufer und Baufirmen, die die Siedlungen erstellten. Teilweise Gewinner waren auch die Bewohner der Ökosiedlung, denn ihnen war anscheinend garantiert worden, dass sie nicht vom Verkehr, den ihre PKWs dafür anderen Wohnbereichen im Stadtteil zumuteten, belästigt würden. Dieser "Gewinn" sollte in der Debatte über die Folgen der Fehlplanung noch deutlich werden.  




Die Folgen fehlerhafter Stadtplanung in Fruerlund(-Ost) 
Die Verkehrsführung im Stadtteil wird zum ungelösten Dauerproblem

Nach Eröffnung der Osttangente wurde den Bewohnern Fruerlunds klar, was die neu geschaffene Verbindungsstraße Jordberg für den Stadtteil bedeutete. So sehr sie ihnen als Anbindung diente, so sehr diente sie auch den Bewohnern anderer Stadtteile - jedoch als Durchfahrtsstraße in Richtung Stadion oder zu den Schulen in der Elbestraße. Besonders am Alsterbogen wurde das erhöhte Verkehrsaufkommen beanstandet. Die Stadtplanung versuchte mit stadtteilinternen Arrangements in Form von Einbahnstraßen eine gleichmäßigere Verteilung des Verkehrs zu erzielen, nicht jedoch seine Verringerung insgesamt. Sie bekämpfte Symptome, nicht aber die Ursache, dass eine leistungsfähige Straßenverbindung zwischen Elbestraße und B 199 nicht erstellt worden war. So kam es, dass Bürger schließlich eine Nachbesserung des Planungsmangels forderten: in Form einer den Stadtteil entlastenden Umgehungsstraße.

I. 
Die Ausschüsse kurierten an Symptomen, 
nachdem die Verkehrsplanung in Fruerlund 1997 vernachlässigt worden war (Hervorhebungen WiF)
"Herr Dr. Döring sieht dringenden Handlungsbedarf im Bereich des Alsterbogens / Ökosiedlung und weiter bis zum Kreisverkehr Hesttoft, wo aufgrund der beengten Verhältnisse (Straßenbreite/Parkplätze) der Bus- und Pkw-Verkehr zu erheblichen Gefährdungen für Fußgänger insbesondere Schulkinder führt."(UPLA, 06.02.2007)
"Herr Vandeck und Herr Dr. Döring erläutern kurzfristig getroffene Maßnahmen zur Verbesserung der Situation. Es werden zeitliche Parkverbote ausgesprochen und vor einigen Jahren zur Temporeduzierung vorgenommene Straßeneinbauten zurückgebaut. Demnächst wird ein Fußweg aus der Ökosiedlung heraus an der neuen Bebauung vorbei zur Straße Jordberg hergestellt. Dies ist dann der neue vom Straßenverkehr unabhängige Schulweg für die Schüler aus dem Bereich Engelsby."(UPLA, 20.02.2007)
"Mit dem Ausbau des Gehweges im Einmündungsbereich Travestraße / Alsterbogen bei gleichzeitiger Wegnahme eines Baumes und zweier Parkplätze gegenüber werden die Sichtverhältnisse für Fußgänger, Radfahrer und Fahrzeugführer verbessert und damit ein Beitrag zur Verkehrssicherheit geleistet. (...) Der bestehende B-Plan sieht keine Fortsetzung des Gehweges im Alsterbogen bis zur sogenannten „Ökosiedlung“ vor, eine Ausführungsplanung wird daher derzeit nicht erstellt."(Vorlage IFA-8/2007, 05.03.3007)
"Früher handelte es sich hier um eine verkehrsberuhigte Zone. Das nunmehr erhöhte Verkehrsaufkommen führt insbesondere zu einer vermehrten Lärmbelästigung. Ein Gelenkbus der Firma Aktiv-Bus hat auf Grund der Enge das im Vorgarten stehende Gartenhaus beschädigt. (...) Herr Leiser [TBZ] erwidert, dass die Stadt grundsätzlich keine Einbahnstraßen befürwortet. Diese würden nämlich dazu führen, dass der Verkehr innerhalb des Gebietes lediglich zu Lasten anderer Anwohner verlagert wird, Umwegverkehre erzwungen werden und somit in der Summe Mehrverkehr entsteht."(IFA, 22.03.3007)
"Herr Hellström weist darauf hin, dass der dann verhinderte Begegnungsverkehr mehr Sicherheit bringt. Nach Ansicht der Verwaltung können nur bauliche Veränderungen die Gefahrensituation an der Kreuzung Alsterbogen/Travestraße entschärfen. (...) Auf Nachfrage von Herrn Pietzner zur Veränderung des Verkehrscharakters der Straßen legt Herr Leiser [TBZ] dar, dass derzeit verschiedene Aspekte beleuchtet würden, die durch den Verkehrsfluss der Osttangente verursacht[sic!] seien."(IFA, 12.04.2007)
"Zukünftig zu klären seien noch die dauerhafte Anbindung des Bereiches Bohlberg an das überörtliche Straßennetz. (...) Der Umwelt- und Planungsausschuss bestätigt das Erfordernis eines Verkehrskonzeptes, da Fruerlund verkehrstechnisch in zwei Bereiche (Hesttoft / Bohlberg) zerfalle. Die Bewohner am Bohlberg belasten mangels eigener Anbindung überwiegend den Bereich Hesttoft. Es müsse daher eine bessere eigene Anbindung erfolgen. (...) Die derzeitige Anbindung an den Jordberg sehe er [Seniorenbeirat Krüger] trotz der kürzlich umgesetzten Maßnahmen immer noch als unzureichend an. Herr Dr. Schroeders und Herr Rolfes sehen eine Anbindung des Bereiches Bohlberg an die Nordstraße als erforderlich an (z. B. von der Bismarckbrücke), da Maßnahmen der Verkehrslenkung wohl nicht ausreichend sein werden."(UPLA, 14.08.2007)
"Herr Hergesell bemängelt die unverändert zeitweise katastrophale Situation im Bereich Alsterbogen / Fruerlund und sorgt sich um die Sicherheit der Schulkinder."(UPLA, 04.12.2007)
"Verwaltungsantrag: Dem Oberbürgermeister als Untere Straßenverkehrsbehörde wird empfohlen, im östlichen Bereich der Straße Am Alsterbogen eine Einbahnstraßenregelung in südlicher Fahrtrichtung und im Fruerlundhof in Gegenrichtung anzuordnen. Begründung: (...) In einer abschließenden Einwohnerversammlung am 12.11.2008 sprach sich die überwiegende Mehrheit der Anwesenden für die Einrichtung einer Einbahnstraße im Bereich der Straße Am Alsterbogen von nördlicher in südlicher Richtung aus, um insbesondere den punktuell in den Morgen- und Abendstunden entstehenden Ziel- und Quellverkehr zum Schulzentrum an der Elbestraße besser bewältigen zu können. (...) Aus Sicht der Verwaltung bleibt darauf hinzuweisen, dass sich durch diese Straßenführung der Verkehr im Stadtteil insgesamt nicht reduzieren wird[sic!], sondern durch die einbahnbedingten Umwegfahrten leicht erhöhen und anders verteilen wird."(Vorlage SUPA-43/2008)
"Verwaltungsantrag: Durch die neue Anbindung (Jordberg) an die Nordstraße ist dieser Bereich nun sehr gut[?!] an den örtlichen und überörtlichen Verkehr angeschlossen und eignet sich zur Fortentwicklung um einen weiteren schmalen Ring. (...) Um die neue Wohnbebauung vor Verkehrslärm des Jordberges zu schützen, wird der vorhandene Lärmschutzwall Richtung Osten verlängert. Insgesamt hat der Lärmschutzwall dann eine Länge von ca. 150m."(Vorlage SUPA-7/2009)
"Das Resümee von Herrn Biedermann [Gutachter der FH Kiel] sei, den heutigen Einbahnverkehr in der Richtung umzudrehen und durch eine teilweise unechte Einbahnstraße und einige Tempobremsen, eine Verbesserung zu erzielen."(SUPA, 24.11.2009)
"Dieser [Vorschlag] sehe eine teilweise Umkehrung bzw. Aufhebung der Einbahnstraßenregelung im Alsterbogen vor. Gemeinsam mit den Verkehrsbetrieben, die Schwierigkeiten für den Busverkehr befürchten, und dem TBZ werde dieser Vorschlag näher untersucht. Außerdem werden begleitende gestalterische Maßnahmen zur Temporeduzierung entwickelt."(SUPA, 09.02.2010)
"Verwaltungsantrag: Nach der Inbetriebnahme der Osttangente hat die Verwaltung mit Beschluss des Umwelt- und Planungsausschusses vom 14.08.2007 (UPLA-48/2007) den Auftrag erhalten, ein Verkehrskonzept für den Stadtteil Fruerlund zu entwickeln. (...) Diese Maßnahmen umfassen im Einzelnen (siehe auch Anlage 2): I. einen Parkstreifen vor dem Gemeindezentrum, eingefasst durch Pflanzinseln, II. einen Bereich mit Schrägparken und entsprechender Einfassung durch Pflanzinseln im mittleren Fruerlundhof, III. auf Anregung aus der Bürgerversammlung zusätzlich eine Einengung/Pflanzinsel auf der Gegenseite im Einmündungsbereich Fruerlundhof. Des Weiteren ist vorzusehen: - im südlichen Hesttoft soll ein Parkstreifen auf der Nordseite markiert werden, - im östlichen Alsterbogen soll die Anordnung der absoluten Halteverbote überprüft werden."(Vorlage SUPA-9/2011
... und anlässlich der Beratung zu B-Plan 232 wurde behauptet: 
"Verwaltungsantrag: Ziel der Planung ist die Erweiterung des bestehenden Wohnbaugebietes um ca. 24 neue Wohneinheiten. Dabei bleiben die Abstände zum offenen Landschaftsraum Osbektal und dem Dorf Engelsby gewahrt. Ausgangssituation: Eine 2009 vorgelegte Entwurfsplanung wurde wegen der damals in Angriff genommenen Verkehrsregelungen im Bereich Alsterbogen nicht fortgeführt. Diese Regelung ist mittlerweile erprobt und dauerhaft eingeführt worden, so dass wegen der anhaltend günstigen Bevölkerungsvorausberechnungen mit der Entwurfsplanung fortgefahren wurde."(Vorlage SUPA-10/2013)


II. 
Der aufgeschobene B-Plan 232 "Hesttoft / Süderlück" 
Die 3. B-Plan-Arrondierung zementiert Fruerlunds Verkehrsproblem

Entlang der Straße Jordberg, die wie gezeigt allen Verkehr nach Fruerlund-Ost bzw. alle Verkehre zwischen Stadion und Engelsby zu einem Verkehr u. a. des Alsterbogens macht, war weitere Bebauung geplant. Das Baugebiet am Hesttoft mit den klobigen Kubenhäusern sollte in Richtung Osten weitere Wohnhäuser erhalten. So sah es der geänderte B-Plan 232 vor. Die zwischen Fruerlund-Ost und Engelsby-Dorf bestehende Schneise sollte mit weiterer Wohnbebauuung verdichtet werden. Dafür musste der Oberbürgermeister zunächst ein Teilgebiet aus dem Landschaftsschutzgebiet entlassen, was er kraft Amtes kann. Die Probleme mit der Verkehrssituation in Fruerlund, die mangels Verkehrsplanung entstanden waren, waren durch die Beratungen in den Ausschüssen unüberhörbar geworden. Die Beseitigung des Grundes der Probleme wäre eine andere Verkehrsführung gewesen, die aber über ein Fortschreiten in der Ausweisung weiterer Randbebauung ("Arrondierung") eines Tages nicht mehr möglich gewesen wäre. Auf einer im Juli 2007 zur Bebauung durchgeführten Bürgerversammlung war die Verkehrssituation nicht thematisiert worden, obgleich sie, wie gezeigt, bereits als Problem wahrgenommen wurde; sie schien die weitere "Arrondierung" zu stören.(Bürgerversammlung zu B-Plan 232, 03.07.2007)

Dem Verkehrsproblem begegnete die Verwaltung im November 2008, indem sie für die Straßen Alsterbogen und Fruerlundhof Einbahnstraßenregelungen anordnete.(Vorlage SUPA-43/2008) Der Planungschef räumte allerdings ein: "Aus Sicht der Verwaltung bleibt darauf hinzuweisen, dass sich durch diese Straßenführung der Verkehr im Stadtteil insgesamt nicht reduzieren wird[sic!], sondern durch die einbahnbedingten Umwegfahrten leicht erhöhen und anders verteilen wird."(a.a.O.) Die WiF versuchte, die weitere "Arrondierung" am Stadtteilrand zurückzustellen, bis eine Verkehrslösung gefunden worden wäre.(Vorlage SUPA-43/2008, 1. Ergänzung der WiF) Während die Verwaltungsvorlage angenommen wurde, wurde die WiF-Vorlage von den anderen Fraktionen, die unbedingt an weiterer "Arrondierung" festhalten wollten abgelehnt.(SUPA, 09.12.2008)

Baugebietserweiterung gemäß B-Plan 232

Da
durch B-Plan 232 der Rand von Fruerlund-Ost weiter "arrondiert" bzw. abgerundet werden sollte, informierte die WiF-Fraktion die Bewohner des Alsterbogens am 30.01.2009 mittels Flugblatt über die am 03.02.2009 anstehende Beratung über SUPA-7/2009 und über die Folgen weiterer "Arrondierung", die zugleich auch die Verkehrsprobleme im Stadtteil zementiert hätte

Flugblatttext der WiF, 30.01.2009 (verteilt am Alsterbogen)  
Wird eine nachhaltige Verkehrslösung für den Stadtteil Fruerlund verspielt?
(Zum Verkehrssituation im Alsterbogen: Antrag der Verwaltung für die SUPA-Sitzung am 03.02.2009) 

Anlass: Ein Antrag der Verwaltung für die SUPA-Sitzung am 03.02.2009. Am 03.02.2009 (16:00 Uhr) wird der Umwelt- und Planungsausschuss der Stadt Flensburg (SUPA) über eine Beschlussvorlage der Stadtverwaltung (Fachbereich 4) beraten. Diese Vorlage mit der Nr. SUPA-7/2009 beinhaltet die „25. Änderung des Landschaftsplanes („Hesttoft / Süderlück“)“, die „42. Änderung des Flächennutzungsplanes („Hesttoft / Süderlück“)“ und die „1. Änderung des Bebauungsplanes „Hesttoft / Süderlück“ (Nr. 232)“.(...) An der engsten Stelle des Übergangs vom Osbektal zum Lautrupsbachtal nahe Hesttoft soll eine Fläche aus dem Landschaftsschutzgebiet herausgenommen und zur Bebauung freigegeben werden. 

Die Verkehrsplanung für Fruerlund und die Belastung des Alsterbogens. Die Veränderung des Status dieses Gebietes hat unabänderliche Folgen für die Verkehrsplanung für ganz Fruerlund und auch auf den zuletzt gefassten Beschluss „Verkehrskonzept Fruerlund: Verkehrsführung im Bereich am Alsterbogen, Hesttoft und Fruerlundhof“, die den Alsterbogen eigentlich entlasten sollte. Diese Verwaltungsvorlage SUPA-43/2008 empfahl dem Oberbürgermeister als Unterer Straßenverkehrsbehörde, „im östlichen Bereich der Straße Am Alsterbogen eine Einbahnstraßenregelung in südlicher Fahrtrichtung und im Fruerlundhof in Gegenrichtung anzuordnen.“ Zugleich wurde der Zeitrahmen der Maßnahme einstimmig beschlossen: „Nach sechs Monaten erfolgt eine Evaluierung im Ausschuss für Umwelt, Planung und Stadtentwicklung.“(Beschluss SUPA laut Protokoll vom 09.12.08
Bereits am 21.01.09 meldete das Tageblatt: „Neuer Protest im Alsterbogen“ und gab die Perspektive der Anwohner der Häuser Alsterbogen 9 bis 40 wieder, „dass die neue Einbahnregelung zu mehr Verkehr in ihrem Straßenabschnitt geführt habe“ (F.T., 21.01.09) Die Beobachtung der Anwohner entspricht der Prognose des Fachbereichsleiters 4, „dass sich durch diese Straßenführung der Verkehr im Stadtteil insgesamt nicht reduzieren wird, sondern durch die einbahnbedingten Umwegfahrten leicht erhöhen und anders verteilen wird“ (Herr Rolfes, SUPA-43/2008 vom 18.11.08) – Das haben die Anwohner sehr schnell erfahren. 

Der Antrag für den 03.02.2009 besiegelt das Verkehrsproblem für den Alsterbogen. Die am 09.12.08 vereinbarte 6-monatige Testphase wird durch die neue Vorlage SUPA-7/2009 überflüssig gemacht, weil mit ihr die letzte Option, eine vernünftige, entlastende Verkehrslösung für den Alsterbogen und den gesamten Stadtteil Fruerlund zu finden, beseitigt würde. Fruerlund und insbesondere die Wohnstraße Am Alsterbogen wird seit Anbindung an die Osttangente benutzt für Durchgangsverkehre zwischen Engelsby und den Schulen in der Elbestraße sowie dem Stadion. Wenn mit Vorlage 7/2009 das letzte Stück Freifläche privaten Wohnbauinteressen übereignet würde, wird der Alsterbogen jahrelang eine Transitstraße für diese Durchgangsverkehre bleiben – trotz des Einbahnstraßentests, der bisher – wie vom Chefplaner selbst prognostiziert – erfolglos ist. 
Die Vorlage SUPA-7/2009 verhindert die Verkehrslösung für ganz Fruerlund. Mit Fertigstellung der Osttangente hätte der Stadtteil Fruerlund unter Umgehung der Wohngebiete angeschlossen werden müssen. Statt einer Umgehungslösung wurde an Grundstücken verdient auf Kosten der Anwohner am Alsterbogen, die die Verkehrsbelastung zu spüren bekamen. Im Verkehrsforum am 03.12.08 betonte die Verwaltung, wie ernst sie die Anliegen der Anwohner des Alsterbogens nehme. Warum will sie dann die letzte, zur Entlastung des Alsterbogens geeignete Freifläche mit Wohnbebauung versperren, während von der Einbahnstraßen-Testphase erst einer von sechs Monaten verstrichen ist? 

Die Position der WiF: Verkehrsplanung muss immer vor Bauplanung stattfinden! Die WiF fordert die Verwaltung auf, zu ihrem Wort zu stehen, die Anliegen der Anwohner am Alsterbogen wirklich ernst zu nehmen und über die Freifläche frühestens nach der Evaluierung der Testphase gemäß Beschluss SUPA-43/2008 zu entscheiden. Die einer privaten Bauplanung dienende Vorlage SUPA-7/2009 ist bis zum Abschluss der Verkehrsplanung und einer Lösung der Verkehrsprobleme des gesamten Stadtteils Fruerlund auszusetzen. Der Durchgangsverkehr am Alsterbogen ist die Folge davon, dass die jüngste Bebauung am Alsterbogen ohne abgeschlossenes Verkehrskonzept für Fruerlund durchgeführt worden ist! 

Appell an die politische Vernunft. Die WiF fordert die anderen Fraktionen dazu auf, den Anwohnern des Alsterbogens reinen Wein einzuschenken, dass die Bebauung der letzten Freiflächen nahe Hesttoft dem Alsterbogen auch weiterhin und vor allem dauerhaft die Hauptverkehrslast aufbürden würde – entgegen der gestarteten Testphase. Während die Bauherren in Hesttoft an der Bebauung der letzten Freifläche verdienen würden, verlören die Anwohner des Alsterbogen auf Jahre an Wohnqualität und Grundstückswert. Das lehnt die WiF als unvernünftig ab! Es muss nach fast 10 Jahren Planlosigkeit für Fruerlund endlich ein Verkehrskonzept für ganz Fruerlund her, dass alle Wohnstraßen bzw. den Alsterbogen vom Durchgangsverkehr befreit und den Verkehr zielorientiert und fließend an seine Zielorte leitet. Die Bebauung der letzten Freiflächen ist dieser Verkehrslösung für den Stadtteil Fruerlund nachzuordnen!


Die Vorlage SUPA-7/2009 wurde auf der Sitzung des SUPA am 03.02.2009 zwar beraten, nicht aber beschlossen. Eine Beschlussfassung sollte erst nach Abschluss der Probephase für die zuvor beschlossene Einbahnstraßenregelung erfolgen. Für die WiF benannte Elmar Westphal "drei Gründe, die aus seiner Sicht gegen eine Bebauung sprechen. Erstens halte er es ökologisch für nicht vertretbar. Zudem würde der ländliche Charakter von Engelsby-Dorf eingeengt. Zweitens halte er den Ortsteil Fruerlund für größeren Durchgangsverkehr ohne neue Anbindung für nicht geeignet. Und drittens empfinde er es als bedenklich, dass bereits in 2009 die zur Rede stehenden 270.000 € im Haushalt des TBZ ausgewiesen seien. Er wolle aber ausdrücklich nicht von Korruptionsverdacht sprechen."(SUPA, 03.02.2009) Der SUPA vertagte den Beschluss zum 
B-Plan 232 bis nach Abschluss der Probephase für die Verkehrsführung.(a.a.O.) 

Nach der Beratung im Ausschuss, die nicht nur wegen vorausschauender Buchungen im TBZ und dem geäußerten Verdacht ein bescheidenes Echo fand, sondern auch den Zusammenhang zwischen Ausweisung von Bauflächen und Verkehrsplanung verdeutlicht hatte, sollte die Presse die Verkehrssituation in Fruerlund-Ost, die den Stadtteil seit Eröffnung der Osttangente Ende 2006 ereilt hatte, öfters thematisieren


III. 
Eine Entlastungsstraße für Fruerlund?  
Planungsmängel evozieren die nächste Osttangente

Im Februar 2009 veranschaulichte eine Tageblatt-Grafik, wie eine Umgehungsstraße des östlichen Fruerlund hätte aussehen können. Der Anschluss an die Straße Jordberg wäre schließlich mit dem B-Plan 232 kollidiert, für den anscheinend bereits Absprachen bestanden. Zwar hätte eine Umgehungsstraße den Stadtteil vom Durchgangsverkehr befreien können, aber eine nachträglich hinzugefügte Straße wäre mit Mängeln behaftet gewesen: Weil ein Anschluss der Straßen Alsterbogen und Fruerlundhof aufgrund der Bebauung von B-Plan 97 blockiert worden war, hätte sie nicht Straßen angebunden, sondern nur Transitcharakter gehabt. Die Fortführung der Elbestraße nach Süden noch vor B-Plan 97 hätte die Anbindungs- und Erschließungsfunktion erfüllt, eine nachträglich hinzugefügte Straße hingegen nicht. Der Bau einer Umgehungsstraße wurde dennoch als Bedrohung empfunden. Die Gefahr aktivierte auch einen SSW-Kandidaten, der sich fortan als Sprecher einer gegen den Straßenbau aufgestellten IG betätigte. Sogar einige Kinder des Alsterbogens wurden für eine kleine Demonstration mobilisiert.("Spielrevier statt Straße": Kinder-Demo am Alsterbogen"; Flensburger Tageblatt, 04.05.2009) Während der östliche Alsterbogen ("Ökosiedlung") sich gegen eine Durchgangsverbindung in seiner Umgebung positionierte, votierten im westlichen Alsterbogen angesichts des Durchgangsverkehrs viele Bewohner für eine zusätzliche Straße. 

Presseartikel im Flensburger Tageblatt / sh:z zur Verkehrssituation in Fruerlund-Ost
08.02.2007: Neuer Gefahrenpunkt für Schüler ("Die Anbindung des Stadtteils Fruerlunds an die Osttangente... bringt...neue Gefahren") 
26.02.2007: Dauer-Engpass am Alsterbogen ("Der Anschluss des Stadtteil Fruerlund an die Osttangente führt im Alsterbogen zu beengten Verkehrsverhältnissen. Anlieger... beklagen einen Verlust an Lebensqualität."
28.03.2007: Keine Alternative für den Alsterbogen ("Für Fußgänger und Busse bleibt es weiter eng"
12.04.2007: Wird Alsterbogen Einbahnstraße? ("Die Einrichtung einer Einbahnstraße halten die Anlieger des Alsterbogens für die einzig wirksame Veränderung, um mehr Sicherheit und Ruhe in ihr Wohngebiet zu bringen"
13.04.2007: Alsterbogen-Kurve wird entschärft ("Ausschuss lehnt Einbahnstraßen-Wunsch der Anlieger ab / Spielstraße als neue Perspektive"
16.08.2007: Neue Anbindung für Fruerlund ("Eine Straße zwischen dem südlichen Fruerlund und der Nordstraße soll für Entlastung in dem stark befahrenen Stadtteil sorgen"; gemeint ist Verbindung zum Bohlberg
22.11.2007: Neue Konzepte für den Verkehr (Bürgerversammlung; Planungschef Schroeders: "Bis Sommer 2008 sollen konzeptionelle Überlegungen für Fruerlund aufgeschrieben werden."
04.01.2008: Sicherer Schulweg für Radfahrer (Nach Fertigstellung des Jordberg "ergaben sich schnell Probleme, mit denen vorher offenbar niemand gerechnet hatte"[sic!]) 
19.12.2008: Fruerlund: Neue Einbahnstraße 
21.01.2009: Neuer Protest aus dem Alsterbogen (Neue Einbahnregelung verursacht in bestimmten Abschnitten mehr Verkehr
07.02.2009: Neue Häuser oder neue Straße: Streit um Fruerlund-Tangente ("Ein Fehler in der städtischen Verkehrsplanung führt zu einer langwierigen Diskussion um Be- und Entlastung des Stadtteils Fruerlund.")
14.10.2009: Fruerlund: Einwohner wollen Tangente ("Anschlussstelle Jordberg: Mit der Osttangente wurde hier die Schleuse für die Verkehrsflut geöffnet.")
17.10.2009: WiF: Schluss mit "Schilda" in Fruerlund (Folgen der Schließung der Anbindung von Fruerlund-West an die B199
13.11.2009: "Mit dem Verkehr können Sie leben" (Lübecker Verkehrsexperte empfiehlt: Keine Entlastungsstraße bauen)
28.11.2009: Alsterbogen und Hesttoft sollen ruhiger werden (durch ein "Maßnahmenbündel"
20.07.2010: Neue Verkehrsführung in Fruerlund/Hesttoft (Umkehrung bisherige Einbahnstraßenregelung; Umsetzung des Vorschlags des Verkehrsforum mit Zustimmung aus den Bürgerversammlungen
10.02.2011: Keine Entlastungsstraße ("Planungsausschuss beschloss Verkehrsregelung für Hesttoft-Fruerlund"

"Streit um Fruerlund-Tangente", 07.02.2009  (c) shz


Ein Zwischenergebnis der Einbahnstraßenregelung hatte sich inzwischen ergeben: "Herr Pagel berichtet, dass seitens der Kirchengemeinde Fruerlund auf die Situation aufmerksam gemacht worden sei, dass aufgrund der jetzigen Einbahnregelung aus dem Gebiet Alsterbogen ein größerer Umweg zum Erreichen des Gemeindezentrums erforderlich ist. Erfahrungen zeigen, dass Kinder und Jugendliche stattdessen eine Distanz von rund 30 m entgegen der Einbahnstraße mit dem Fahrrad fahren."(SUPA, 28.04.2009) Nach einem halben Jahr Verkehrsversuch sollte der SUPA schließlich auf die Hilfe eines Sachverständigen zurückgreifen; das Zwischenfazit lautete: "Entlastungen im östlichen Bereich stehen Belastungen im westlichen Bereich des Wohngebietes gegenüber und es ergibt sich keine Lösung, die ohne Nachteile für bestimmte Teile des Gebiets ist."(SUPA, 01.09.2009"Jede Änderung erzeugt neue Betroffene" hob das Tageblatt hervor und berichtete von den vier von der Stadtplanung aus dem Verkehrsversuch ermittelten Lösungsvarianten: "Wiedereinführung der alten Regelung, Fortführung der jetzigen Regelung, Veränderungen am Einbahnstraßensystem, Kappung der Durchfahrtmöglichkeit in Richtung Engelsby. Letzteres würde einen großen Teil des Verkehrs über Schottweg und Adelbyer Kirchenweg fließen lassen."("Blechlawinen und kein Ende"; Flensburger Tageblatt, 03.09.2009) 

Im Oktober 2009 gründete sich eine Bürgerinitiative, die für den Bau einer Umgehungsstraße zwischen Jordberg und Elbestraße eintrat. Den Anlass gab das Verhalten der Stadtverwaltung, welche die Zahlen einer Verkehrszählung nur dem von ihr beauftragtem Gutachter, nicht aber den Bürgern zur Verfügung stellen wollte. Der Gründer der Initiative bemängelte die Verkehrsplanung: ""Im Genehmigungsverfahren für die Osttangente war noch vorhergesagt worden, dass durch den Anschluss nicht mehr Verkehr entstehen würde. Damit lagen die Planer eindeutig falsch", sagt Kayser. "Die Vorhersagen haben sich ins Gegenteil verkehrt.""("Fruerlund: Einwohner wollen Tangente"; Flensburger Tageblatt, 14.10.2009) Planungschef Rolfes stützte sich bei seiner Beurteilung auf das das Urteil des beauftragten Gutachters: "Das Resümee von Herrn Biedermann sei, den heutigen Einbahnverkehr in der Richtung umzudrehen und durch eine teilweise unechte Einbahnstraße und einige Tempobremsen, eine Verbesserung zu erzielen. An einem entsprechenden Konzept werde gearbeitet und im Januar den Anwohnern vorgestellt. Maßnahmen zur Verbesserung der Situation im Adelbyer Kirchenweg werden auch noch geprüft."(SUPA, 24.11.2009) Der Abtrennung des Viertels von der Osttangente wollte niemand folgen. 

Mit einer weiteren Bürgerversammlung näherte man sich einem Ausgleich an. "Herr Vandeck berichtet von der Bürgerinformation, in der sieben Varianten der Verwaltung vorgestellt worden sind. Letztlich habe aber ein weiterer vom Verkehrsforum eingebrachter Vorschlag einhellige Unterstützung gefunden. Dieser sehe eine teilweise Umkehrung bzw. Aufhebung der Einbahnstraßenregelung im Alsterbogen vor. Gemeinsam mit den Verkehrsbetrieben, die Schwierigkeiten für den Busverkehr befürchten, und dem TBZ werde dieser Vorschlag näher untersucht. Außerdem werden begleitende gestalterische Maßnahmen zur Temporeduzierung entwickelt. Herr Rolfes ergänzt, dass diese Ergebnisse im Mai erneut der Öffentlichkeit vorgestellt werden sollen."(SUPA, 09.02.2010) Das auf der Bürgerversammlung im Sommer verabredete Verfahren werde kurzfristig umgesetzt und nach drei Monaten einer Prüfung unterzogen, wurde dem SUPA berichtet. Dabei erfuhr der SUPA von Anwohnerwünschen im Adelbyer Kirchenweg, welche sich eine Aufstellung von Blumenkübeln auf der öffentlichen Straße finanziert hätten; mit dem TBZ sollen die entsprechenden Vereinbarungen geschlossen worden sein.(SUPA, 29.06.2010)

Nachdem am 07.12.2010 eine Bürgerversammlung im Fördegymnasium abgehalten worden war, hatte die WiF-Fraktion im Januar 2011 eine eigene Bürgersprechstunde im Fruerlunder Gemeindehaus abgehalten mit der Fragestellung: „Fruerlund-Ost: Verkehrsproblematik gelöst?“ Die Fraktion präsentierte 10 Tafeln, darunter auch Übersichten des Fachbereiches. 58 Teilnehmer diskutierten als Anwohner über die Verkehrssituation im Stadtteil Fruerlund. Von den 58 Teilnehmern verteilten sich 56 Personen auf: Alsterbogen-West (6), Alsterbogen-Ost (2), Fruerlundhof (28), Hesttoft-West (4), Hesttoft-Ost (6); Eiderstr. (1), Travestr. (1), Fruerlund, andere Straßen (5), FL, anderer Stadtteil (3); von 52 Teilnehmern waren 42 Haus-Eigentümer, 4 Haus-Mieter und 6 Wohnungsmieter. Ihre Einschätzung zu den Verkehrsversuchen im Alsterbogen ergab in vier angebotenen Rubriken 
63 Markierungen: 1. Einbahnstraßenversuch (0), 2. Einbahnstraßenversuch (3), "Versuche waren erfolglos" (45), für ein "LKW-Verbot" (15). Es herrschte insgesamt Unzufriedenheit mit den Verkehrsversuchen, die leider am Grund des Problems, dass der Verkehr in den Stadtteil hineingeleitet wurde und weiterhin wird, nichts geändert hatten.(Bürgerbefragung der WiF in Fruerlund, 17.01.2011) 

Die im Juli 2010 versuchsweise durchgeführte Verkehrsregelung im Bereich Fruerlund-Hesttoft unbefristet festzuschreiben, beantragte die Verwaltung im Februar 2011 mit Vorlage SUPA-9/2011 und deren 1. Ergänzung. Die Notwendigkeit einer Entlastungsstraße wurde mit dem Verweis auf ein Gutachten der Verwaltung negiert; auf die Darstellung des Gutachtens wird unter Absatz IV. eingegangen. Der SUPA erzielte keine Minderung des lt. Gutachten "zumutbaren" Verkehrs, sondern lediglich "die gerechteste Verteilung der verkehrlichen Belastungen".(SUPA, 08.02.2011) Das Tageblatt berichtete vom SUPA: ""Diese Lösung ist keine Ideallösung", bekannte der Ausschussvorsitzende Frank Markus Döring (CDU). Der Bau der Osttangente und die Verbindungsstraße Jordberg habe eine Verkehrszunahme im Bereich Hesttoft-Fruerlundhof bewirkt. Vor allem die Schulen an der Elbestraße sind Ziel vieler Autofahrer. Viele Einwohner wünschen sich deshalb eine Entlastungsstraße östlich ums Viertel herum; die wird jedoch von der Politik rigoros abgelehnt, weil sie der Aussage eines Verkehrsgutachters zu Folge nicht gerechtfertigt ist."("Keine Entlastungsstraße"; Flensburger Tageblatt, 10.02.2011) Das Gutachten stimmte mit der Wahrnehmung vieler Einwohner nicht überein, die den Grund für den Verkehrsanstieg beseitigt sehen wollten. Lediglich die WiF sah die Verkehrslage nicht gelöst und stimmte der Verwaltungsvorlage daher nicht zu.   

Vertreter zweier Fraktionen, von denen der eine bereits 1997 als SPD-Vertreter an der Beschlussfassung zu B-Plan 97 mitgewirkt und die Misere mit eingeleitet hatte, positionierten sich gegen eine "Entlastungsstraße durch das Osbektal".(SUPA, 08.02.2011) Eine Straße "durch das Osbektal" hatte tatsächlich niemand verlegen wollen. Diskutiert wurde hingegen über ein Gelände, was sich deutlich oberhalb des Osbektals und westlich des Engelsbyer Weges befand; auf Luftbildern ist es als Ackerfläche mit nicht näher bestimmtem Inhalt auszumachen. 

  Fruerlund-Ost, Alsterbogen und Engelsby-Dorf      (c) Stadt FL    Das schützenswerte Osbektal

Der SPD-Vertreter, der eine Straße "durch das Osbektal" ablehnte, hatte vermutlich an den alten B-Plan 96 gedacht, der einst vorsah, die Osttangente durch das Osbektal zu führen und nahe der Hildebrandstraße an die Osterallee anzuschließen. Die Umsetzung des alten B-Plan 96 war aufgegeben worden, nachdem Vernunft eingekehrt war und sich gezeigt hatte, dass die vorhandenen Straßen für den Verkehr ausreichten und dass Kerbtäler als Naherholungsräume nicht dem Straßenbau geopfert werden sollten. Der alte B-Plan 96, der auch unter SPD-Regie erdacht worden sein dürfte, zeigt tatsächlich, wie eine Osttangente "durch das Osbektal" ausgeführt worden wäre. Die Behauptung, eine "Entlastungsstraße" für Fruerlund führe "durch das Osbektal" ist dagegen irreführend in pragmatischer Absicht, ein unerwünschtes Vorhaben zu diskreditieren. 

Alter B-Plan 96: Tangente "durch das Osbektal" 

Die Option, den Grund für die Verkehrsprobleme in Fruerlund zu beheben, blieb erneut ungenutzt. Der 1997 begangene Planungsfehler sollte nun wieder durch neue Bebauung bzw. "Arrondierung" fortgesetzt werden. 

Fruerlund-Ost mit weiterer "Arrondierung" nach B-Plan 232         Östlich von B-Plan 97 wird Ackerland zum "Landschaftsschutzgebiet" 


Im Februar 2013 stellte die Verwaltung dem SUPA den 2009 zurückgestellten B-Plan 232 erneut vor. "Eine 2009 vorgelegte Entwurfsplanung wurde wegen der damals in Angriff genommenen Verkehrsregelungen im Bereich Alsterbogen nicht fortgeführt. Diese Regelung ist mittlerweile erprobt und dauerhaft eingeführt worden, so dass wegen der anhaltend günstigen Bevölkerungsvorausberechnungen mit der Entwurfsplanung fortgefahren wurde."(Vorlage SUPA-10/2013) Um das bestehende Wohngebiet um "ca. 24 neue Wohneinheiten" erweitern zu können, wurde wie so oft die fragwürdige Bevölkerungsprognose angeführt: "Die vom Land herausgegebenen Bevölkerungsvorausberechnungen der letzten Jahre bestätigen, dass der seit Jahren anhaltende positive Einwohnertrend in Flensburg weitergehen kann und die Bereitstellung von Wohneinheiten erfordert. Auf dieser Grundlage ist für Flensburg einen Neubaubedarf von 4780 Wohneinheiten bis 2020 festgestellt worden."(a.a.O.) Der angeführte "Neubaubedarf von 4780 Wohneinheiten" sollte um "ca. 24 neue Wohneinheiten", d. h. 0,5% gedeckt werden. Wenn 99,5% "Bedarf" unberücksichtigt bleiben, darf das Konkurrenzargument nicht ausbleiben: "Herr Dr. Schroeders erläutert, dass verträgliche Bebauungsmöglichkeiten in Flensburg auch weiterhin gefunden werden müssen. Ein Angebot im Einfamilienhausbereich sei erforderlich, da sich die Nachfrage bei Nichtbedienung nicht auf den Mietwohnungssektor verlagere, sondern den Umlandgemeinden zuspiele."(SUPA, 19.02.2013

Während Planungschef Dr. Schroeders das kleine Baugebiet als "behutsame Arrondierung" darstellte, hatten drei Fraktionen Einwände, da die fortgesetzte Bebauung in der Verbindung der Landschaftsschutzgebiete Lautrupsbachtal und Osbektal angesiedelt sein würde.(Vorlage SUPA-10/2013, 1. Ergänzung WiF/Grüne/Akopol) Das Tageblatt stellte fest: "Das Baugebiet liegt genau an der Verbindung zwei wichtiger Landschaftsräume: dem Lautrupsbachtal im Südwesten und dem Osbektal im Norden. Die ohnehin schon schmale Nahtstelle zwischen den weißen Kubus-Häusern und dem Westrand von Engelsby-Dorf wird durch das geplante Areal noch schmaler."("Umstrittene Neuauflage. Kleines Baugebiet am Rande Fruerlunds"; Flensburger Tageblatt, 22.02.2013) Die WiF-Vertreter einte trotz unterschiedlicher Akzentsetzung ihre Kritik: Dr. Harro Teichmann: "'Wir waren schon 2009 dagegen, und wir sind heute immer noch dagegen, den Flaschenhals noch enger zu machen.' Mit den neuen Häusern verbaue sich die Stadt die letzte Möglichkeiten einer Entlastungsstraße für das Wohngebiet in Fruerlund.". Elmar Westphal, Erfinder des Wanderweges "Grünes Hufeisen", beklagte ebenfalls die Verengung. "Das ist keine zusammenhängende Grünplanung, sondern eine Zerstückelung derselben."(a.a.O.) 

Für die Planung nach B-Plan 232 sprachen sich hingegen Stephan Kienaß (SPD) und Edgar Möller (SSW) aus. Möller: "Das ist seit zehn Jahren für Wohnbebauung vorgesehen."(a.a.O.) - Tradition als Argument. Letztlich kann es als konsequent gelten, einen vor 15 Jahre begangenen Arrondierungsfehler nicht nur zu übergehen, sondern in seinen Folgen durch erneute Arrondierung weiter fortzusetzen. Der Umfaller bei der Entscheidung war allerdings die CDU. Am 19.02.2013 stimmte sie der Vorlage SUPA-10/2013 ohne jene Vorbehalte zu, die sie noch 2009 anlässlich der Beratung von Vorlage SUPA-7/2009 vorgetragen hatte: "Wenn die Einrichtung des neuen Wohngebietes für Einfamilienhäuser danach beschlossen werden sollte, dann wohl nur in abgespeckter Form. Die CDU signalisierte nämlich, dass sie auf die Häuser in der ersten Reihe verzichten wolle - zugunsten des Landschaftsschutzgebietes."("Planungs-Stillstand in Fruerlund"; Flensborg Avis, 10.02.2009) 

B-Plan 232: Arrondierung mit Lärmschutzwall aber ohne Verkehrsplanung 


IV. 
Begutachtungen und Widerstand 
Einblicke in rechtfertigende Argumentationen

Die Vorlage SUPA-9/2011 stellte zur unbefristeten Festsetzung der versuchsweisen Verkehrsregelung im Bereich Fruerlund-Hesttoft einige Daten zusammen, darunter auch Einschätzungen des von der Stadtverwaltung beauftragten Gutachters der Fachhochschule Kiel. Vielleicht liegt es an der von der Verwaltung erstellten Vorlage, aber es fällt auf, dass auch diese Vorlage den Grund für die Verkehrssituation nicht angibt. Ist es vorstellbar, dass das Gutachten einen solchen Grund nicht angegeben hatte? Würde das Gutachten wissenschaftlichen Anforderungen genügen, hätte es Gründe für die vorgefundene und analysierte Situation nennen müssen! 

Bei Verkehrszählungen und Verkehrsbefragungen zur Evaluierung im Jahr 2009 sei festgestellt worden, dass über den Jordberg täglich (montags bis freitags) ca. 4.000 Kfz in den Stadtteil kommen. Bei der Verkehrsverteilung hätten die Belastungsspitzen morgens zwischen 7:00 und 8:00 Uhr (8,2 %) und nachmittags von 17:00 bis 18:00 Uhr (8,3%) gelegen. - Kritik: Die übrigen 83,5% verteilten sich demnach in die übrigen 9 Tages- und restlichen Abendstunden; legt man dafür 12 Stunden zugrunde, wären dies knapp 7% pro Stunde, so dass von den "Belastungsspitzen" insgesamt wenig übrig bliebe. 

Zusätzlich sei ein Verkehrsgutachten durch den Gutachter Professor Biedermann (FH Kiel) erstellt worden, das auf einer Bürgerversammlung am 11.11.2009 in der IGS präsentiert wurde. Dabei hätte der Gutachter u. a. festgestellt, dass der größte Teil des Verkehrs im Gebiet (rund 88 %) gebietsbezogener Quell- und Zielverkehr des Stadtteils Fruerlund wäre. Insgesamt wäre das Gutachten zum Ergebnis gelangt, dass die Verkehrsbelastungen im Stadtteil Fruerlund für Wohnstraßen zumutbar und akzeptabel wäre. Grundlage für diese Beurteilung wären die Richtlinien für die Anlage von Stadtstraßen (RASt) gewesen, nach der die Verkehrsstärke nicht über 400 Kfz/h liegen sollte. In Fruerlund-Hesttoft wäre zum Zeitpunkt des Gutachtens in keiner Straße eine Belastung größer 200 Kfz/h festgestellt worden. - Kritik: Wenn aber nicht mehr als als 200 Kfz/h festgestellt worden sind, wie ergab sich über den Jordberg ein Tageswert von "ca. 4.000 Kfz", wenn man annimmt, dass der Verkehr an ca. 20 Stunden täglich rollt? 

In dem Verkehrsgutachten des Prof. Biedermann wäre auch eine Planungsvariante berechnet worden, die eine Entlastungsstraße östlich der Bebauung am Rande des Osbektals unterstellt. Nach dem Gutachten würde dies zu einer Entlastung der Straßen Fruerlundhof und Alsterbogen führen, wobei die neue Straße etwa 2.540 Kfz pro 24 Std. aufnähme. Der Nachteil bestehe darin, dass zusätzlicher Durchgangsverkehr in den Stadtteil Fruerlund gezogen werde, der die Straßenzüge 
Travestraße / Eiderstraße und Tilsiter Straße / Elbestraße belasten würde. - Kritik: Behauptet wird ein "zusätzlicher Durchgangsverkehr". Nur was soll diesen evozieren? Würden nicht vielmehr Schottweg und Adelbyer Kirchenweg entlastet und der in Flensburg-Ost vorhandene Verkehr gleichmäßiger verteilt? 

Der Gutachter resümierte, dass bei diesen Verkehrsmengen eine Neubautrasse nicht bauwürdig sei. Nach einer zitierten Untersuchung aus dem Land Hessen wäre für eine Entlastungsstraße der hier zur Rede stehenden Art grundsätzlich mindestens 8.000 Kfz pro Tag erforderlich. Bei Verkehrsmengen zwischen 3.000 und 8.000 Kfz/24h müssten besondere städtebauliche Aspekte hinzutreten, um die Notwendigkeit zu begründen. Da vorliegend die zu erwartenden Verkehrsmengen noch deutlich darunter lägen, könnte aus rein verkehrsplanerischer Sicht keine Bauwürdigkeit erkannt werden. - Kritik: Warum soll ausgerechnet eine "Untersuchung aus dem Land Hessen" für Flensburg maßgeblich sein und nicht Untersuchungen der übrigen 15 Bundesländern? Was begründet die Vergleichbarkeit der hessischen Untersuchung mit der Fruerlunder Situation? Die Verkehrsmenge "zwischen 3.000 und 8.000 Kfz/24" wird nach Angaben des Gutachtens auch bereits erreicht und der Aspekt "besondere städtebaulicher Aspekte" durch die Existenz der naheliegenden "Innenstadtentlastungsstraße Ost", auf die Verkehre zulaufen sollen, erfüllt. Wieso die vorliegend "zu erwartenden Verkehrsmengen noch deutlich darunter lagen", ist nicht nachvollziehbar, wenn zuvor ein Wert von 4.000 Kfz/24 ermittelt worden war, der durch weitere Arrondierung, wie in B-Plan 232 verfolgt, noch weiter ansteigen würde. 

Verkehrszählungen im September 2010 hätten ergeben, dass sich der über den Jordberg einfahrende Verkehr in der Größenordnung von 4.300 Kfz pro Tag etwa gleichmäßig auf die beiden Straßen Hesttoft Ost und Hesttoft-Süd verteilt. Die Wirkung der Geschwindigkeitsreduzierung ist nach den Ergebnissen der Geschwindigkeitsmessungen der Ordnungsverwaltung weitgehend eingetreten. Die Geschwindigkeitsübertretungen bewegen sich im „ortsüblichen“ Rahmen. - Kritik: Die zuvor angeführten "ca. 4.000 Kfz/24h" sind innerhalb weniger Absätze auf "4.300 Kfz/24h" angewachsen, was einem Anstieg von 300 Kfz/24h, d. h. 7,5% entspricht, der nahezu einer oben angeführten Belastungsspitze entspricht und den die Verwaltungsvorlage SUPA-9/2011 nicht erklären kann. Bemerkenswert ist, dass für B-Plan 232 ein Lärmschutzwall auf 150 m verlängert werden soll, was auf eine erhebliche Lärmbelastung schließen lässt.(vgl. Vorlage SUPA-7/2009

Fazit: Hält man zur Ehrenrettung des Gutachtens fest, dass es wahrscheinlich einen Grund angibt, wie die untersuchte Situation entstanden ist, so ergeben sich aus der Vorlage SUPA-9/2011 Fragen, die sie nicht beantwortet; vielleicht jedoch das Gutachten. Nachdenklich stimmt die Gewissheit, mit der das Gutachten am 11.11.2009 den Bürgern in der Fridtjof-Nansen-Schule vorgestellt wurde. Die Vorlage SUPA-9/2011 enthält jedenfalls widersprüchliche Angaben und schweigt über eine Verlängerung des Lärmschutzwalles, mit dem eine anscheinend signifikante Lärmbelastung des Jordbergs, offenbar hervorgerufen durch signifikante Auslastung, gedämpft werden soll. 


Beschränkter Widerstand 
Während der Debatte um die Verkehrssituation in Fruerlund bzw. am Alsterbogen und Fruerlundhof hatte sich eine IG Osbektal gegründet, die in dem Bau weiterer Verkehrswege und insbesondere einer "Fruerlund-Tangente"(Flensburger Tageblatt, 07.02.2009) eine Gefahr für die Umwelt sah. Auch wenn die Organisation von Bürgerinteressen zu begrüßen ist, blieb das Engagement der IG leider auf das Osbektal und die daran angrenzenden Felder beschränkt. Einwände gegen die Planung der Osttangente, welche die Probleme in Fruerlund verursacht hatte, oder Einwände gegen Vorschläge der maßgeblichen Stadtplaner, den Verkehr deshalb im Südwesten Fruerlunds durch das Lautrupsbachtal abzuführen (UPLA, 14.08.2007), waren von der IG Osbektal nicht zu vernehmen. Eine Unterstützung der Naherholung im Osbektal durch das Projekt "Grünes Hufeisen" war leider ebensowenig wahrnehmbar. Die IG Osbektal erreichte daher nicht die Idealvorstellungen, die zu schützen sie öffentlich angetreten war.
Bei Betrachtung ihrer lesenswerten Pressedarstellung 
(Presseschau 2009 der IG Osbektal) bleibt unbeantwortet, warum ihr Widerstand nicht auch dem schließlich 2013 durchgesetzten B-Plan 232 galt, der im ausgewiesenen Landschaftsschutzgebiet weitere Bebauung anbahnt. Möglicherweise ist der Protest der IG Osbektal so partikular, dass nur der Schutz der Freiflächen nahe des eigenen Wohnumfeldes von Interesse ist. Sofern es der IG nur um ihren freien Blick auf freie Flächen geht, der mit dem Einzug in die Ökosiedlung nicht käuflich erworben wurde, sollte sie das geschätzte Gebiet von der Stadt pachten, um Rechtssicherheit zu schaffen, damit es nicht noch weiter arrondiert wird. So "unabhängig", wie von ihr gewertschätzt, kann ein auf Folgeaufträge hoffender Gutachter kaum sein, dass er nicht auch im Landschaftsschutzgebiet zukünftig einen Bedarf für Arrondierung ausmachen könnte.