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Baustellen

Aus aktuellem Anlass (November 2017): 
Die Geschäftsleute in Mürwik beklagen zur Baumaßnahme an der Mürwiker Straße zu den verlängerten Kanalbauarbeiten: "Fristen werden nicht eingehalten, es gibt keine vernünftige Wegeführung und manchmal sind erstaunlich wenige Arbeiter auf der Baustelle zu sehen."("Das ultimative Baustellen-Chaos"; Flensburger Tageblatt, 01.11.2017) 

Scheinbar wiederholt sich, was eigentlich bereits überwunden sein sollte. Deshalb hatte die WiF-Fraktion mit Vorlage HA-48/2011 eine einheitliche, öffentliche Darstellung der Baustellentätigkeit beantragt, über die im Hauptausschuss am 13.09.2011 beraten wurde. Beschlossen wurde damals, abweichend vom Antrag der WiF: "Die Verwaltung wird beauftragt, mit den Kommunalen Immobilien, dem TBZ und den Stadtwerken eine einheitliche, öffentliche Darstellung der Baustellentätigkeit in der Innenstadt zu organisieren." - Das Protokoll vom Hauptausschuss am 13.09.2011 verweist auf die Einschränkungen und deren Urheber. 


2007 und 2008 erstreckten sich die Sanierungsmaßnahmen in der Flensburger Innenstadt, d. h. in der Fußgängerzone und in der Angelburger Straße, über viele Monate. Gewerbetreibende erlitten empfindliche Einbußen, Touristen wurden von den Bauarbeiten in der Fußgängerzone abgeschreckt; weite Bereiche der Fußgängerzone waren eine anonyme Baustelle, d. h. an keiner Stelle wurden Art, Zweck und Umfang der Baumaßnahme mitgeteilt oder gar freundlich um Verständnis geworben. Die Baustellenbereiche machten, auch zu den Wochenenden, einen unvorteilhafte Eindruck (Bilder dieses "1. Kapitels" weiter unten). Dabei hatte der damalige Oberbürgermeister Tscheuschner kurz nach seinem Amtsantritt 2005 den Tourismus als einen seiner wichtigsten Arbeitsschwerpunkte genannt. Die Realität: "Bauarbeiten in der Innenstadt. Geschäftsleute beklagen existentiell bedrohliche Umsatzeinbußen."(Flensborg Avis, 17.08.2007)


Die Sanierungsbaustelle am Südermarkt (2011) 
Das zweite Kapitel der Sanierungsarbeiten in der Innenstadt

2011 kam es in der Angelburger Straße in Richtung Südermarkt erneut zu Sanierungsarbeiten. Die Angelburger Straße, die saniert worden war, wurde erneut aufgerissen – wahrscheinlich um Fernwärmeleitungen zu erneuern. Auch diese Baumaßnahme im Herzen der Innenstadt war nicht deklariert, gab keine Auskunft über Art, Zweck und Umfang der Baumaßnahme. Wieder blieb es der Phantasie von Betrachtern überlassen, welchem Zweck z. B. auch verstreut umher liegende, geleerten Spirituosenflaschen dienen mochten (Beobachtung vom 14.08.2011).
  
Radfahrer erhielten die Standardinformation, sie mögen absteigen. Alles weitere wurde der Phantasie überlassen.(Eindrücke vom 27.08.2011)  

     Sperrung der Angelburger Straße ohne nähere Kennzeichnung 


     Baustelle auf dem Südermarkt 

Ein Kind konnte anhand des Gitterzaunes immerhin feststellen, dass der geparkte Bagger am Wochenmarkt nicht zum Verkauf stand. 

Derartige Baumaßnahmen mitten in einer vom Tourismus geprägten Innenstadt erfordern eigentlich eine Darstellung und das Werben um Verständnis, um den Bürgern zu verdeutlichen, weshalb sie sich über enge, verschmutzte Seitenwege entlang einer lärmenden Baustelle zwängen müssen. Die Stadt muss einerseits demonstrieren, dass sie das Geld der Bürger maßvoll und koordiniert zur Wirkung bringt, andererseits muss gegenüber den Touristen geworben werden, dass die Baumaßnahme die Stadt Flensburg aufwerten hilft und zur Verbesserung der Infrastruktur beiträgt. Gleiches gilt für Baumaßnahmen im gesamtstädtischen Bereich. 

Andere Orte, die auf Touristen wert legen, machen es souverän vor: 

  Erläuterungen an einem Bauzaun im Ostseebad Sellin auf Rügen


Die WiF-Fraktion beantragte daher mit Vorlage HA-48/2011 eine einheitliche, öffentliche Darstellung der Baustellentätigkeit, über die im Hauptausschuss am 13.09.2011 beraten wurde.  

Antrag (HA-48/2011): 
Die Verwaltung wird beauftragt, mit den Kommunalen Immobilien, dem TBZ und den Stadtwerken eine einheitliche, öffentliche Darstellung der Baustellentätigkeit zu organisieren. 
Diese soll beeinhalten:  
• Bei länger andauernden oder stark behindernden Baustellen eine Pressemitteilung über Art, Zweck und Umfang bzw. Dauer der Bautätigkeit; 
• ein Baustellenschild bzw. –aushang, welches die Art, den Zweck und Umfang bzw. Dauer der Bautätigkeit darstellt und einen Ansprechpartner bzw. Verantwortlichen inkl. Telefonnummer benennt.  

Die WiF-Fraktion präsentierte ihren Antrag mit Bildern der Baustellen aus 2011 und 2008 (siehe unten). Ein ehemaliger WiF-Ratsherr, der sich bei der Diskussion um die Erweiterung des CITTI-Marktes noch für die Stärkung der Innenstadt ausgesprochen hatte, eröffnete eine Debatte über die Zuständigkeit, indem er das Thema in den TBZ-Ausschuss, in dem die Fraktionen begrenzt Einfluss haben, oder in den SUPA (Ausschuss für Umwelt, Planung und Stadtentwicklung) überwiesen wissen wollte; die Kritik am WiF-Antrag lag ihm näher als die Unterstützung des Gewerbes.(Hauptausschuss, 13.09.2011) 
Der Bürgermeister verwies auf ein "Konzept zur Optimierung des Baustellenmanagements"(?) von 2009, dass mit Schildern auf Baumaßnahmen hingewiesen habe, aber sich "nicht bewährt"(?) habe, so dass man inzwischen auf einen Verkehrsticker und einen E-Mail-Verteiler setze. Auch die Grünen kritisierten, dass IT-Information nicht die Touristen und Passanten erreiche. Der anscheinend in Fragen von Marketing zurückgebliebene SSW behauptete, dass Touristen sich für die Gründe von Baumaßnahmen nicht interessierten. CDU und SPD sprachen sich dafür aus, die Beschilderung auf die Innenstadt zu beschränken und sahen eine Chance darin, entsprechende Hinweise zweisprachig in deutsch und dänisch zu beschriften.(a.a.O.) 

Der Hauptausschuss beschloss den Antrag, nachdem er ihn nicht an den TBZ-Ausschuss hatte weiterreichen wollen, schließlich in erweiterter Form beinahe einstimmig: 
Die Verwaltung wird beauftragt, mit den Kommunalen Immobilien, dem TBZ und den Stadtwerken eine einheitliche, öffentliche Darstellung der Baustellentätigkeit in der Innenstadt zu organisieren. 
Diese soll beeinhalten:  
(• Bei länger andauernden oder stark behindernden Baustellen eine Pressemitteilung über Art, Zweck und Umfang bzw. Dauer der Bautätigkeit;) 
• ein zweisprachiges Baustellenschild auf deutsch und dänisch bzw. –aushang, welches die Art, den Zweck und Umfang bzw. Dauer der Bautätigkeit darstellt und einen Ansprechpartner bzw. Verantwortlichen inkl. Telefonnummer benennt.(Hauptausschuss, 13.09.2011)  

Welchen praktischen Wert dieser Beschluss und das deutliche Abstimmungsergebnis (11/1/0) haben würden, sollte sich im darauffolgenden Jahr wiederum im Umfeld des Südermarkt mitten in der Flensburger Innenstadt zeigen. Pressebericht: "Schilder für Baustellen: 'Danke für Ihr Verständnis'"; Flensburger Tageblatt, 14.09.2011) 

Der Verkehrsreport listete zwischenzeitlich 22 Baustellen auf.("Nervenprobe beim Baustellen-Slalom"; Flensburger Tageblatt, 21.04.2012) Die zahlreichen Baustellen im Stadtgebiet sorgten auch beim ÖPNV für erhebliche Verspätungen.("Bau-Ärger: Immer mehr Busse zu spät"; Flensburger Tageblatt, 09.08.2012) Und es nahm einfach kein Ende: "Eine nicht angekündigte Häufung von Baustellen sorgte für Staus, Umwege und entsprechend genervte Bürger auf den Straßen."("Staus bringen Fahrer zur Verzweiflung"; Flensburger Tageblatt, 31.10.2012) Umgehend gab es Entwarnung in der kleinen Fördestadt, in der sich größere Mengen Verkehr stauten.("Kontrolliertes Chaos auf der Großbaustelle Flensburg"; Flensburger Tageblatt, 01.11.2012) Weitere Beispiele folgten.("'Das ist ja zum Verrücktwerden hier'"; Flensburger Tageblatt, 22.05.2013) 
Oktober 2013: "Eine Stadt im Dauerstau"(17.10.2013), "Freie Fahrt auf der Tangente - Nadelöhr am ZOB"(26.10.2013) 
2016/2017: "Herbstzeit ist Asphaltzeit"(15.10.2016), "Frühjahr - Zeit für Kanalarbeiten"(04.04.2017), "Baustelle Schützenkuhle soll früher fertig werden"(16.11.2017) 


Sanierungsbaustelle Dr.-Todsen-Straße (2012) 
Das dritte Kapitel der Sanierungsarbeiten in der Innenstadt

Nur ein Jahr später wurden die Sanierungsarbeiten nahe dem Südermarkt fortgesetzt. Diesmal war die Dr.-Todsen-Straße über Monate komplett gesperrt. Leidtragende waren diesmal insbesondere rollende Gewerbetreibende. Die Stellplätze für die Taxifahrer wurden von der Dr.-Todsen-Straße in die Friesische Straße verbannt. Die Taxifahrer hätten sich einen provisorischen Standort an der unteren Friesischen Straße nahe dem Südermarkt gewünscht, zumal sie bereits Umsatzeinbußen von 20% beklagten. Die verständnisvolle Antwort aus dem Rathaus: "Die Pläne, einen provisorischen Taxistand unweit des Südermarktes zu installieren, seien aufgrund von Bedenken[sic!] der Gewerbetreibenden an der Roten Straße verworfen worden."("Taxifahrer auf dem Abstellgleis"; Flensburger Tageblatt, 04.08.2012) Die Baustelle schuf bis in den Winter eine Verdrängungssituation, bei der Bedenken(!) einer unbekannten Anzahl Gewerbetreibender die Verwaltung mehr kümmerten als wirklich eingetretene Umsatzeinbußen. 

Eindrücke aus dem Sommer am Abend des 26.07.2012 gegen 20 Uhr (es wurde auch spät gearbeitet): 




Der Abschluss der Sanierungsarbeiten und die Freigabe der Dr.-Todsen-Straße sollten bis in den Winter 2012/2013 auf sich warten lassen; Anfang 2013 sollte der Prozess, der die Straßen und Wege rund um den Südermarkt aufwerten sollte, starten.("Südermarkt-Engpass wird renoviert"; Flensburger Tageblatt, 13.10.2012) Zeitweise war ein DinA4-Informationsblatt an den Absperrungen wahrnehmbar. 


Sanierungsbaustelle Marienstraße (2012) 
Der Umbau der innenstadtnahen Marienstraße begann im Februar 2012 und ist im Oktober 2013 noch immer nicht abgeschlossen. Eine Debatte um die Pflasterung und ein Sturzregen hatten die Baudurchführung zwar beeinträchtigt, aber auch nach 18 Monaten ist keine konkrete Terminzusage, wann die Arbeiten abgeschlossen sein werden, zu erhalten. Es leiden wiederum jene, die von einer aufgeräumten Straße existenziell abhängig sind.("Dauer-Baustelle sorgt für Frust"; Flensburger Tageblatt, 22.10.2013) 
Zum Vergleich: Im sächsischen Pirna erlitt im Juni 2013 fast die gesamte Innenstadt das Hochwasser der Elbe. Nach 4 Monaten sieht es dort besser aus als in der Marienstraße nach 18 Monaten. 


Straßenbaustelle Kreuzung Neustadt / Duburger Straße (2012) 
Auch in der Neustadt wurde gebuddelt und Ladenbetreiber beklagten Umsatzeinbußen bis hin zur Existenznot. Technische Defekte hatten für Verzögerungen gesorgt.("'Die Baustelle ruiniert das Geschäft'"; Flensburger Tageblatt, 13.07.2012) 




Was hatte man gelernt? Ein Rückblick.

Der Umbau der Fußgängerzone 2008
Das große erste Kapitel an Sanierungsarbeiten

Die Arbeiten zum Umbau der Flensburger Fußgängerzone begannen 2007 und dauerten bis weit in das Jahr 2008. Für viele Gewerbetreibende war es nicht bloß Ärgernis, sondern zum Verzweifeln. Die Stadtverwaltung hielt sich zurück mit verbindlichen Aussagen zur Fertigstellung. Der Oberbürgermeister, der den Tourismus noch bei Amtsantritt 2005 zur Chefsache hatte machen wollen, trat nicht in Erscheinung. 

Die Bilder wurden aufgenommen am Montag, dem 28.07.2008, gegen 9 Uhr. Die Baumaßnahme bot nicht nur an jenem sonnigen Vormittag ein verlassenes und vernachlässigtes Bild. An keiner einzigen Stelle waren Angaben zu Art, Zweck und Umfang der Baumaßnahme zu finden. Auch die ansässigen Gewerbetreibenden sollten vom Termin der Fertigstellung überrascht werden. "Chefsache" eben. 


 Bilder vom Holm, Fußgängerzone "1A-Lage" 

    
 Bilder der Großen Straße, Fußgängerzone "1B-Lage" 


 Arbeitsteilung: Zwei Manager & ein Arbeiter verlegen die neuen Steine

Den oben abgebildeten Eindruck vermittelte die Baustelle nicht nur am Montagvormittag, sondern das ganze Wochenende über. Selten war ein größerer Personaleinsatz feststellbar. Das Aufklaren der Baustelle nach Arbeitsende und der Personaleinsatz standen zueinander in einem direkten Verhältnis. Wer diese Maßnahme zu verantworten hatte, hat sich kein gutes Zeugnis ausgestellt. Außer der WiF-Fraktion interessierte sich allerdings kaum eine Fraktion für diese Zustände in Flensburgs bester Lage.