"Klüngelbüll ist überall in Klüngelbüll allerdings verdichtet"


Kann man die Limericks aus Klüngelbüll verstehen, wenn man nicht aus Klüngelbüll ist? Klüngelbüll ist überall – in Klüngelbüll allerdings verdichtet. Die Entstehungszeit liegt zwischen Mai 2007 und Mai 2008, also zwischen Gründung der WiF und der Kommunalwahl. Das Klüngelbüll-Modell hatte viele Elemente Großer Koalitionen: Es sind viele Hände im Spiel. Oft weiß die eine Hand nicht, was die andere tut. Trotzdem tut man vieles Hand in Hand. Eine Hand wäscht die andere. Es wird der kleine Finger gegeben und die ganze Hand genommen. Schwieriges wird lieber nicht in die Hand genommen. Die Hände werden dann lieber in den Schoß gelegt. Immer häufiger geben die Politiker die Politik aus der Hand, sie wird privat gehandhabt, modern gehändelt. Dann weiß der Bürger gar nicht mehr, wer die Hand im Spiel hat. 

'Die Einwohnerfragestunde' enthält die leidvolle Erfahrung, dass der Bürger zwar begrenzt Fragen stellen konnte, aber nicht darauf rechnen durfte, sachgerechte, logische Antworten zu bekommen. Ein Beispiel: Ein Bürger fragt: Warum dürfen Unternehmer A und C nur einstöckig bauen, Unternehmer B, dazwischen, aber 37 Meter hoch. Antwort: Hätten A und C auch so hoch gebaut, würde man von dem schönen Hang dahinter noch weniger sehen können. Damit der Bürger sich nicht so sehr in die Politik einmischte, betonten einige das Grundprinzip der Repräsentativen Demokratie, gerade auch jemand von der Partei, die die skandinavische Konsens-Politik lobt. Der Limerick 'Vorteilhaft', enthält einen Vorschlag für eine Bürgerwehr, d. h. wie man sich des Bürgers erwehren kann. Der vor einiger Zeit eingeladene Stadtdenker, Kommissar Wachtveitl, fand die Bürger aufgeweckt (vom Hotelplan aufgeschreckt). 

Cross-Border-Leasing ist ein Kelch, der an uns vorüber gegangen ist. Keiner im Rat hatte den Vertrag über den Verkauf der Stadtwerke gelesen. Konnte er auch nicht. Durften die meisten auch nicht. Er war auf Englisch und weit über 1.000 Seiten dick. Gerichtsstandort New York. Alle Fraktionen hätten den Deal so gern gemacht. Leider stellten lästige Bürger zu viele Fragen, so dass der Zeitpunkt zum Unterschreiben der Dummheit verpasst wurde. Heute liest man auf beiden Seiten des Atlantiks intensiv das Kleingedruckte. Mit den Stadtwerken hatten wir und haben wir auch ohne die USA genug Probleme, mit dem Müll, der Müll-Mitverbrennung, der Preisfrage auf dem Camorra-Markt und, über die GmbH-Problematik hinaus, mit der Abtretung der politischen Verantwortung an die Stadtwerksleitung. Bleibt zu hoffen, dass der Nobelpreisträger nicht auch mit-verbrannt wird, wenn er stört. 

Der Klüngelbüller Planungschef war ein ganz besonderes Kapitel, ein langes, schwieriges und findet u. a. seinen Niederschlag in 'Dies Juwel', 'Der Abpfiff', 'Klarschiff' und 'Die Wurzel des Übels'. Jetzt macht er nicht mehr die ganz große Planung, dafür aber sehr viel in der sehr umfangreichen, kostenintensiven, mittelgroßen Vergabe. Übrigens war meine erste Begegnung mit ihm auf einem Hearing . „Hören Sie doch erstmal zu!“ war seine Antwort auf meine erste Frage. 


Elmar Westphal, Ratsherr WiF-Fraktion