Flensburg geht baden - mit dem Campusbad

Eine Zwischenbilanz

Die kürzlich in der Presse veröffentlichten Besucherzahlen des Campusbades übertrafen die schlimmsten Befürchtungen. Die WiF ist in ihrer Ansicht leider bestätigt worden, dass das Campusbad in dieser Form nie hätte gebaut werden dürfen.

Leider haben Politiker, vor allem von CDU und Grünen sowie teilweise von SSW und SPD, dieses Projekt im März 2008 kurz vor der Kommunalwahl auf den Weg gebracht. 

Das Campusbad basiert auf einer sogenannten öffentlich-privaten Partnerschaft. Der Bau erfolgte auf städtischem Grund und Boden. Eine Tochter der Commerzbank finanzierte das Projekt und hat mit Wolfgang Tober einen Betreiber eingesetzt.

Dabei hat sich die Stadt Flensburg für 25 Jahre an die privatwirtschaftlichen Partner gebunden.
Die WiF, die zum Zeitpunkt des Beschlusses noch außerparlamentarische Opposition war, hat von Anfang an diese Konstruktion als nicht zukunftsfähig abgelehnt.

Leider haben wir Recht behalten, denn die Zwischenbilanz des Campusbads ist katastrophal. Ende Mai wurde bekannt, dass das Campusbad bei weitem nicht die angepeilten Besucherzahlen aufweist und dass die angepeilten Besucherzahlen nicht das Ergebnis einer seriösen Marktforschung waren, sondern nur einer Schätzung von Herrn Tober entstammten.

Herr Tober macht also Verluste, und es bleibt zu hoffen, dass dem Flensburger Campusbad nicht das Schicksal wie das der Lagune in Cottbus ereilt, die nach nicht einmal zwei Jahren Insolvenz anmelden musste. Auch die Lagune in Cottbus wurde von Herrn Tober betrieben, und auch sie wurde von der selben Commerzbank Tochter finanziert, Tatsachen, die zu denken geben.

Neben Herrn Tober gibt es aber noch mehr Verlierer des fehlgeplanten Campusbades:
1. Von Bürgerinnen und Bürgern hörten wir wiederholt, dass die Eintrittspreise zu hoch sind und zu wenig Service geleistet wird. Außerdem sei das Wasser zu kalt.
2. Schulen und Vereine haben das Gefühl, nicht wirklich willkommen zu sein. Sie empfinden Desinteresse und beklagen mangelnden Service.
3. Die Stadt Flensburg deren Zuschuss an den Investor bereits jetzt weitaus höher ist als die zu Projektbeginn veranschlagten 1,5 Millionen Euro.
Bereits im Jahr 2011 wurden 1,9 Millionen Euro im Haushalt veranschlagt - Ende offen. 
4. Glücksburg und seine Fördelandtherme Stand am Anfang der Flensburger Planungen noch die Funktion als normales Schwimm- bzw. Sportbad im Vordergrund, wurde die Planung des Campusbades kurzfristig dahin geändert, dass auch ein sogenannter Spaßbadanteil integriert wird.
Ein klarer Verstoß gegen die Absprache mit Glücksburg, das mit Flensburg in einer Verwaltungsgemeinschaft kooperiert! Da die Fördelandtherme vor allem als Spaßbad konzipiert wurde, standen die als Ergänzung gedachten Bäder in Glücksburg und Flensburg plötzlich in enger Konkurrenz zueinander. Dies hatte zur Folge, dass der private Betreiber in Glücksburg ausgestiegen ist und die Fördelandtherme in starke wirtschaftliche
Schwierigkeiten geriet. Übrigens ist Flensburg bereits jetzt schon verpflichtet, 20.000 Euro jährlich für die defizitäre Fördelandtherme zu zahlen.
Die Situation ist also verfahren, vor allem wegen der 25jährigen vertraglichen Bindung der Stadt Flensburg. Dennoch ist es die Pflicht der Kommunalpolitik, nicht die Hände in den Schoß zu legen und das Campusbad beim Absaufen zu beobachten, sondern konstruktive Vorschläge zu
machen, wie aus dem Problemfall Campusbad doch noch ein Glücksfall für Flensburg und die Region werden kann.

Dazu schlägt die WiF vor, dass Oberbürgermeister Faber in Verhandlung mit der Commerz-Real eintritt mit dem Ziel, einen neuen Betreiber
einzusetzen. Das Campusbad und die Fördelandtherme Glücksburg sollten zusammen arbeiten. Die zwei Bäder sollten ihre Angebote so gestalten, dass beide - wie ursprünglich geplant - attraktiv sind und sich gegenseitig ergänzen.

Auch alle Flensburger Kommunalpolitiker, insbesondere die, die 2008 das Projekt Campusbad kurz vor der Kommunalwahl durchgedrückt haben, sind aufgefordert, sich für das Campusbad zu engagieren. Den Hinweis, dass es ein nicht-öffentliches Projekt sei, sollten Sie dabei ebenso wenig
akzeptieren wie wir es tun.

Wolfgang SchmielRatsherr
WiF-Ratsfraktion



Es kniffe ein Hund seinen Schwanz
ganz ein - bei solcher Bilanz.
Die Kasse ging Baden,
das Kraftwerk nahm Schaden,
und im Campusbad lauert Brisanz.

Elmar Westphal, Ratsherr
WiF-Ratsfraktion