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Geschichte

Die Gründung der Wählergemeinschaft erfolgte im Februar 2007, nachdem sie Bürgerinnen und Bürger sich nicht mehr von den Flensburger Parteien vertreten sahen. Die maßgeblichen drei "Altparteien" - SPD, CDU, SSW - hatten wenig Wert auf direkte Bürgerbeteiligung gelegt. Die hätte bei der Durchsetzung von Vorhaben anscheinend gestört. 

Beispiele: 
- Straßenbaumaßnahmen, u.a. die Osttangente
- Bau der Südermarktpassage
- Stadtwerke: Einführung einer Müllverbrennung (aka "Ersatzbrennstoffe")
- Stadtwerke: Überlegungen, Cross-Border-Leasing einzuführen
- Gestaltungssünden am Nordertor
- Verkauf der städtischen Wohnungsbaugesellschaft
- Planung am Hafen-Ostufer: Erst ein Hotel, dann "Klarschiff"
- Bau des neuen Campusbades im Rahmen von "Private Public Partnership"(PPP)


Bürgerinnen und Bürger mit unterschiedlichen Erfahrungen und Kenntnissen hatten sich getroffen und ausgetauscht; teils unter dem Namen des Arbeitskreises Kommunalpolitik (Akopol). 
Schließlich gründeten Sie - die Müllverbrennung der Stadtwerke war gerade eingeführt worden - am 15. Februar 2007 die freie Wählergemeinschaft "WIR in Flensburg". 

In den folgenden Wochen wurden die Strukturen der Wählergemeinschaft geschaffen und Material beschafft. 
Schließlich erschien die neue Gruppe auch erstmals mit einem Informationsstand in der Öffentlichkeit. 

1. WiF-Stand am Südermarkt zur DGB-Kundgebung (01.05.2007)

Die Informationsstände sorgten für Aufmerksamkeit und waren gut besucht. Im Mai 2007 erschien die erste Zeitung der WiF, die von den Mitgliedern produziert und ausgetragen wurde. Im weiteren Verlauf des Jahres wuchs die Zahl der Mitglieder. Sie versammelten sich regelmäßig, meistens im Café Aktiv in der Glücksburger Straße. Nach einer Podiumsdiskussion im September 2007 hatten zwei Mitglieder ihren Austritt aus der noch jungen WiF erklärt, und die Kommentierung des Vorgangs ließ nicht lange auf sich warten: "Der Flensburger Rat hat sich in den vergangenen Jahren nicht durch übertriebene Dynamik ausgezeichnet. Da war es doch ein Hoffnungszeichen, als sich eine Wählerinitiative gründete, die ein wenig Schwung in den Laden bringen wollte. Doch, ach, sie scheint den Weg der meisten hoffnungsvollen politischen Initiativen in dieser Stadt zu gehen. Die WiF tanzte nur einen Sommer und dann zerzankte sie sich, ehe sie bei Wahlen beweisen konnte, ob sie wirklich Volkes Meinung oder nur Volkes Frust transportierte. Da geht die SPD doch einen weit vielversprechenderen Weg... Wer gerne mal mit der Arbeit der Fraktionen unzufrieden ist, hat genau jetzt die Chance, etwas zu ändern."(Fördeschnack; Flensburger Tageblatt, 06.10.2007) 


             
 "Hoffnungszeichen" (shz)                    Die WiF und ihr Wahlprogramm, nun noch ein "Laues Lüftchen" (shz)

Die WiF beschloss Anfang November 2007 ihr Wahlprogramm zur Kommunalwahl 2008 , was im shz als ein "Laues Lüftchen" kommentiert wurde. Anscheinend hatte auch das Flensburger Tageblatt etwas zu bewahren. Im November lies die WiF eine zweite Zeitung folgen und veröffentlichte zum Ende des Monats auch eine Liste mit Kandidaturen, mit der sie zur Kommunalwahl 2008 antreten wollte. 




Der Erfolg bei der Kommunalwahl 2008

Zum einjährigen Geburtstag der WiF machte ihr und anderen politischen Gruppen das Bundesverfassungsgericht ein Demokratie-Geschenk: Das Gericht hatte die 5%-Sperrklausel bei Kommunalwahlen "gekippt", so dass auch kleinere Gruppen nun darauf hoffen konnten, im Gemeinderat bzw. in der Flensburger Ratsversammlung vertreten zu sein.("Rückenwind für die Kleinen"; Flensburger Tageblatt, 14.02.2008) 

 
 Demokratie wird zugelassen: Ohne 5%-Sperre. 


Die Kommunalwahl 2008 versprach schon durch diesen höchstrichterlich eröffneten Zugewinn an demokratischer Beteiligung ein abwechslungsreiches Ergebnis. Alle Mitglieder der WiF waren auch deswegen auf das Ziel im Mai 2008 fokussiert: Bei der Kommunalwahl am 25.05.2008 in die Ratsversammlung der Stadt Flensburg einzuziehen. Man versammelte sich weiterhin regelmäßig, veröffentlichte im Februar 2008 die dritte Zeitung und führte zusätzlich Informationsstände durch. Vor der Wahl im Mai legte man im April die vierte Zeitung auf und ließ dieser eine fünfte Zeitung als Wahlausgabe folgen. Die über 40 Plakatwände im Stadtgebiet wurden mit Wahlwerbeplakaten versorgt. Die Mitglieder stellten für den Erfolg der WiF bei der Kommunalwahl 2008 ihre eigenen Interessen zurück und in den Dienst der Sache. 

Das Wahlergebnis am 25.05.2008 übertraf schließlich alle Erwartungen (die bei 3 Sitzen gelegen hatten): Die Flensburger hatten die noch junge Wählergemeinschaft WiF mit 22,29%, d. h. mit 10 Sitzen, davon sogar 5 direkt gewonnenen Sitzen, in die 43-köpfige Flensburger Ratsversammlung gewählt und damit die etablierten Parteien CDU und SPD für ihre Politik bestraft.


 Sensation in der Bürgerhalle: Die WiF (blau) hat die meisten Stimmen 


Die Presseartikel und -Bilder aus dem Flensburger Tageblatt bzw. der Bürgerhalle des Rathauses:  



Der durch schwarz-rot-grün-gelbe Bundesparteienpolitik unbelastete SSW sah sich beim Auszählen der Wahlstimmen zunächst noch vorn, wurde dann aber von der WiF überholt. Eine besondere Konstellation mag diesen Erfolg bedingt haben: Die Pleite der Flensburger Sparkasse, eine politische Spaltung beim Campusbad, der Start des Ventspils'-Abenteuer der Stadtwerke, merkwürdige, übel riechende Bauplanungen beim Projekt "Klarschiff"(Ersatzprojekt für Hotel-Planung), die Bebauung des DAA-Geländes an der Friesischen Straße mit Einkaufsmärkten, gestalterische Wagnisse (Nordertor und Phänomenta) und eine insgesamt herablassende Haltung der etablierten Ratsfraktionen gegenüber Bürgerwünschen sowie zusätzlich die Politik der schwarz-roten Bundesregierung, welche z. B. ab 2007 die Umsatzsteuer erhöht hatte und auf die heraufziehende Finanzkrise keine Antwort finden sollte. Der WiF gelang es, mit ihren Zeitungen und dem Einsatz ihrer Mitglieder auf sich als kommunale Alternative aufmerksam zu machen - so sehr, dass die SPD parteiintern darauf setzte, dass die WiF wieder "entzaubert" werden könne. - "Entzaubert" worden war tatsächlich das seit Gründung der Bundesrepublik in Flensburg unauffällig bestehende schwarz-rote Bündnis, das stets Mehrheiten von über 50% auf sich vereinigen konnte (1970 sogar 75% Stimmenanteil; siehe: Ergebnisse der Kommunalwahlen in Flensburg, Wiki). Die WiF - und das erklärte die Reaktionen - hatte den schwarz-roten Stimmenanteil von 61,9% (2003) auf nur noch 36,4% schrumpfen lassen. 

Flensburg wurde plötzlich überregional beachtet, denn dass beide großen "Volksparteien" zugleich verlieren, kommt in der Bundesrepublik selten vor. Die konservative Zeitung "Die Welt" titelte sogar "Demokratisches Lehrstück aus dem Norden". 

Wählergemeinschaft greift ins Ruder           (c) Die Welt

Bedrohlich wirkte hingegen ein lokaler Titel, der in Zusammenhang mit dem Protest gegen eine gewaltige Hotelplanung entstanden war: "Die Hotel-Rebellen sind an der Macht"(Flensburger Tageblatt, 21.06.2008)

Bevor die neu gewählte Fraktion der WiF sich der Arbeit in der Ratsversammlung widmete, bedankte sie sich bei den Flensburgern für das ausgesprochene Vertrauen: 
    
    
Ein weiterer WiF-Stand am Südermarkt kurz nach der Wahl (21.06.2008)

Der neuen Ratsfraktion der WiF blieb wenig Zeit zur Eingewöhnung.("Wir stehen unter Dauerstress"; Flensburger Tageblatt, 30.05.2008) Auf der 1. Ratsversammlung am 19.06.2008 nominierte die WiF als stärkste Fraktion Dr. Christian Dewanger zur Wahl als Stadtpräsident. Gewählt wurde Dr. Dewanger mit 26 Ja-Stimmen bei 12 Nein-Stimmen und 4 Enthaltungen; ein Mitglied der 43-köpfigen Ratsversammlung fehlte. 

Jüngster Stadtpräsident                                    Moin-Moin, 25.06.2008 

Der konstituierenden Ratsversammlung folgte am 24.06.2008 nach nur 5 Tagen eine weitere, eilends angesetzte 2. Ratsversammlung. Diese sollte über über die Zukunft der Flensburger Sparkasse entscheiden, die seit einer Intervention des Oberbürgermeisters im Februar 2008 fraglich geworden war. Auf der Tagesordnung stand eine "Fusion" mit der Nord-Ostsee-Sparkasse (NOSPA). 
Die Flensburger Sparkasse war, nachdem sie sich bereits vor Jahren verspekuliert hatte, vom Sparkassen- und Giro-Verband Schleswig-Holstein (SGVSH) zur Fusion mit der NOSPA vorgesehen. Die WiF-Fraktion konnte der Fusion, die von mangelhafter Aufsicht der Altparteien CDU, SPD, SSW mit verursacht worden war, in der Form nicht zustimmen; eine Alternative zur Fusion stand nämlich nicht zur Wahl und war auch gar nicht geprüft worden. Von den Details konnte die soeben vereidigte Ratsfraktion wenig wissen; auch ein zuvor von der Beratungsfirma PriceWaterhouseCoopers angefertigtes Papier war nur eingeschränkt aussagekräftig. Zunächst hatte die Verwaltung vorgesehen, dass noch die alte Ratsversammlung über die Zukunft der Flensburger Sparkasse entscheiden sollte; jener Zeitplan erwies sich als zu knapp. Die WiF beantragte in der 2. Ratsversammlung zur Fusion der beiden Sparkassen eine namentliche Abstimmung der Ratsversammlung. 


Die Entwicklung nach der Kommunalwahl 

Die Ratsfraktion arbeitete sich zwar zügig ein und fand Ende Juni 2008 sogar noch Zeit für Hausbefragungen in der unteren Friesischen Straße, als der Erhalt des Kopfsteinpflasters diskutiert wurde. Mit dem Wahlerfolg waren zugleich aber auch viele Erwartungen gebunden, an denen die WiF sich umgehend messen lassen sollte. An die Wahlstimmen waren Erwartungen geknüpft. Im September gelang es, zusätzlich zur Ratsarbeit eine sechste WiF-Zeitung an alle Flensburger Haushalte zu verteilen. Während die Mitglieder der Fraktion auf jeder Sitzung der Ratsversammlung und ihrer Ausschüsse mit besonderen, konkreten Fragestellungen konfrontiert waren, wollten einige Mitglieder weiterhin allgemeine, d. h. "grundsätzliche" Fragen geklärt sehen. Als Nachteil erwies sich nun, dass nahezu der gesamte Vorstand der WiF einer Doppelbelastung ausgesetzt war: 7 von insgesamt 8 Vorstandsmitgliedern waren in die Fraktion gewählt worden und mussten nun die neuen Aufgaben der Fraktion und die Pflichten des Vorstands wahrnehmen, d. h. neben den Verpflichtungen im Rathaus auch die Versammlungen der Mitglieder organisieren und durchführen. 

Betrugsverdacht gegen Rathaus und Gartenstadt GmbH: Landeskriminalamt und Staatsanwaltschaft Kiel rückten mit 50 Beamten zur Durchsuchung von 21 Gebäuden an 
Flensburger Tageblatt: 
                16.10.2008: "Betrug? Vorzeigeprojekt gerät unter Verdacht" 
                18.10.2008: "Betrugsvorwurf: Stadt will schnelle Aufklärung" 
                22.10.2008: "'Bösgläubigkeit' - Vergabepraxis der Stadt im Fadenkreuz der Prüfer"  

  Während die Fraktion der WiF erste Erfahrungen sammelte, führte die Kieler Staatsanwaltschaft im Rathaus eine Razzia durch.(Moin Moin, 22.10.2008) 


Gleichwohl gelang es der WiF mit dem bei der Kommunalwahl im Mai gewonnenen Schwung, im Oktober 2008 den "Landesverband Freie Wähler Schleswig-Holstein e.V." zu gründen. Am 11.10.2008 versammelten sich im Bürgersaal vom Borgerforeningen Flensburg zahlreiche Vertreter zur Gründung des Landesverbandes Freie Wähler Schleswig-Holstein e.V. In Schleswig-Holstein hatten bei der Kommunalwahl 2008 verschiedene Wählergruppen mit 6.784 Mandaten und 51,8% noch vor der CDU mit 3.400 Mandaten (26%) und vor der SPD mit 2.141 Mandaten (16,4%) das deutschlandweit beste Ergebnis von Wählergruppen erreicht.(Wikipedia) Um eine Verwechslung mit der Bundesvereinigung Freie Wähler zu vermeiden, wurde der Landesverband, der die verschiedenen Wählergemeinschaften Schleswig-Holsteins organisieren helfen sollte, am 11.02.2012 umbenannt in "Landesverband der Wählergemeinschaften Schleswig-Holstein"; unabhängig vom Landesverband war am 21.09.2008 in Plön eine Partei Freie Wähler Schleswig-Holstein gegründet worden.(a.a.O.)   

Gründung des Landesverbandes am 11.10.2008 in FL

Ideen größerer Bündnisse und Organisationsformen wurden allerdings von der Praxis in der Ratsversammlung und ihren Ausschüssen eingeholt. Hinzu kam, dass im Vorstand der WiF und in der noch jungen Ratsfraktion zwei Mitglieder vertreten waren, die gegensätzliche politische Auffassungen von der zukünftigen Orientierung der WiF hatten. Anscheinend hatten beide, seitdem sie im Rat angekommen waren, größere Ziele - in ihrer Vorstellung bestärkt durch ein Mandat, an dem sie bis ans Ende der Wahlperiode 2008-2013 festhalten sollten, auch nachdem sie die WiF bereits verlassen hatten. Die gegensätzlichen Auffassungen wurden deutlich im Streit um den geeigneten Zeitpunkt der Neuwahl des WiF-Vorstands. Dies führte schließlich zum Rücktritt des Vorstands am 17.12.2008.("'Überlastung' - WiF-Vorstand wirft geschlossen das Handtuch"; Flensburger Tageblatt, 19.12.2008) 
    
 Rätselhaft: Wer informierte zeitnah das NDR-Fernsehen?   (SH-Magazin, 18.12.2008)
 Wer nicht zurücktreten wollte, hatte ein Motiv gehabt. 

Nachdem bis dahin Erika Vollmer und Hans Andersen als 1. bzw. 2. Vorsitz die Außenvertretung der WiF wahrgenommen hatten, wählte die WiF auf ihrer Mitgliederversammlung im Bellevue am 21.01.2009 einen neuen Vorstand. Erk Quedens und Volker Schendel übernahmen als 1. bzw. 2. Vorsitz die Außenvertretung.("Geschafft! WiF mit neuer Vorstandsriege"; Flensburger Tageblatt, 23.01.2009) Beide waren angetreten, um die Strukturen der WiF den inzwischen gewachsenen Anforderungen, die sich auch aus der Arbeit der Ratsfraktion ergaben, anzupassen: Die Website und die Kommunikation zwischen den Mitgliedern sollten insgesamt verbessert werden; der neue Vorstand würde später eine Umfrage unter den Mitgliedern initiieren. Aber zunächst bekamen die neu Gewählten Gegenwind vom ehemaligen 2. Voritzenden: "An der WiF-Basis ist es ein offenes Geheimnis, dass Hans Andersen hier die zentrale Rolle spielt."("Mobbing-Affäre erschüttert die WiF"; Flensburger Tageblatt, 10.02.2009) Ein Kommentar schrieb: "Nicht zuletzt sein provozierender Auftritt vor der Neuwahl des Vorstandes wirft die Frage auf: Wie viel Andersen hält die WiF eigentlich noch aus? Das Renommee, der Rückhalt bei Basis und Bürgern hat schon Schaden genommen. Noch aber hält der Vorstand an dem Ex-CDUler fest."("Fehl am Platz?"; Flensburger Tageblatt, 10.02.2009) 

Im März 2009 eskalierte die Auseinandersetzung zwischen den Vorstandsvertretern und Ratsherr Hans Andersen, der sich wiederholt despektierlich gegenüber anderen Mitgliedern geäußert hatte.("Hans Andersen schmeißt hin"; Flensburger Tageblatt, 18.03.2009) Schließlich entschied der Vorstand, Hans Andersen aus der WiF auszuschließen. Das sollte Folgen auch für die Fraktion haben, da man nur Mitglied einer Fraktion sein kann, wenn man auch ihrer Basisorganisation angehört. Hans Andersen schied also im April 2009 formal aus der Fraktion aus, was die Tagespresse als "Andersen-Krise" betitelte.("WiF am Scheideweg"[Kommentar]; Flensburger Tageblatt, 27.03.2009) Das Tageblatt hatte nähere Kenntnis der Charaktere: "Einigen der neuen Würdenträger ist die plötzliche Macht eindeutig zu Kopf gestiegen.(...) Der WiF hätte klar sein müssen, dass sie mit Andersen jemanden ans Ruder lässt, der bestimmt das Zeug zum Politiker hat - aber der Politik immer nur vor allem und zuvorderst für sich selbst macht."("Die Macht zu Kopf gestiegen"; Flensburger Tageblatt, 28.03.2009) Gegen seinen Ausschluss aus der WiF sollte der fraktionslose Ratsherr nicht nur Rechtsmittel einlegen: "Obwohl Hans Andersen vor gut zwei Monaten Monaten aus der Wählergemeinschaft ausgeschlossen wurde, schießt er weiterhin scharf gegen seine ehemaligen Mitstreiter."("Schlammschlacht: Wie lange hält der WiF-Vorstand noch durch?"; Flensburger Tageblatt, 23.06.2009) Ende 2009 sollte über die juristische Wirksamkeit des Ausschlusses geurteilt werden. Die Tagespresse veröffentlichte nun wiederholt Artikel über die "Krise" in der WiF, ohne dass sie von der WiF Mitteilungen erhalten hätte. Die Vorsitzende der Fraktion, Erika Vollmer, sollte sich ebenfalls zur Stellung von H. Andersen positionieren, obwohl ihr die Entscheidung mit dem Ausschluss aus der WiF formal abgenommen worden war. 

Die Häufigkeit der Artikel über die WiF und ihre "Krise" war tatsächlich auffällig: Die WiF hatte zu dem Thema keine Mitteilungen veröffentlicht und sah sich mit der Deutung von internen Konflikten konfrontiert; Beispiel: "Schlammschlacht: Wie lange hält der WiF-Vorstand noch durch?"(Flensburger Tageblatt, 23.06.2009) Seitdem H. Andersen aus der WiF ausgeschlossen wurde, erschien er auch nicht mehr auf ihren Versammlungen, zumal er inzwischen, ohne dies der WiF anzuzeigen, eine so genannte "Freie Wähler Liste" mit gegründet hatte. Vertreter dieser Liste erschienen auf einer Versammlung der WiF, wollten ihre politischen Zielsetzungen aber nicht preisgeben. Nachdem die WiF im September ihre siebte Zeitung herausgebracht hatte, wurde das Thema, ob der Ausschluss auch wirklich rechtskonform erfolgt sei, im November 2009 erneut aufgekocht, als vor Gericht über die Form des Ausschlusses verhandelt wurde, die schließlich beanstandet wurde.("Was will Andersen nun in der WiF?"; Flensburger Tageblatt, 19.11.2009) H. Andersen sollte kurz nach dem Urteil aus der WiF austreten und blieb der Ratsversammlung mehr als 3,5 Jahre als fraktionsloses Mitglied erhalten, ehe ihm im Dezember 2012 die überraschend halbierte FDP-Fraktion Aufnahmeinteresse signalisieren sollte ("FDP-Fraktion wird Geldhahn zugedreht"; Flensburger Tageblatt, 08.12.2012) und sich schließlich mit ihm einigte, um ihren Fraktionsstatus zu erhalten ("Flensburger FDP-Fraktion neu formiert"; Flensburger Tageblatt, 12.12.2012). Bei der Kommunalwahl 2013 sollte H. Andersen für die FDP im Wahlkreis 10 noch 28 Stimmen erzielen: Für den Ratsherrn ein Wert von -89,7% gegenüber den 273 Stimmen für die WiF 5 Jahre zuvor. 

Auffällig insgesamt war, welchen Raum die Tagespresse enttäuschten Mitgliedern der WiF, deren Wünsche und Interessen sich in der WiF nicht erfüllt hatten, jeweils gab; so traten z. B. ein Mitglied der Gründungszeit und eine ehemalige Pressesprecherin aus, und beiden wurde im Flensburger Tageblatt ein Artikel gewidmet, ohne dass das Tageblatt der WiF die Möglichkeit gegeben hätte, ihre Sicht zu den zwei Austritten darzustellen.("Frust: Aderlass bei der WiF geht weiter"; Flensburger Tageblatt, 10.09.2009) Wie viel Objektivität enthält solche Berichterstattung eigentlich, wenn erstens nur zwei Unzufriedene aber keine WiF-Vertreter zu Wort kommen und wenn zweitens so gut wie nichts über Parteiaustritte aus CDU oder SPD berichtet wird, die sicherlich häufiger sind, gemessen an den Enttäuschungen, die jene "Volksparteien" ihren Wählern und Mitgliedern auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene zugefügt haben?! Oder was ist von einer Presse zu halten, die landesweit nahezu verschweigt, wie die etablierten Parteien sich im Landtag zu beiden Volksinitiativen mit je 25.000 Unterschriften verhalten haben?!(13.06.2012) Auch über die Änderungen der Gemeindeordnung war so gut wie nichts zu lesen. Personenbezogene Skandälchen werden bevorzugt. 

Während die neue Ratsfraktion sich in der Ratsversammlung gut zurechtfand und zu ihrer Arbeit auch Mitteilungen veröffentlichte, deutete sich ein weiterer Konflikt in der Fraktion an, der 2010 eskalierte und auch trotz zweier durchgeführter Mediationen der Fraktion nicht geklärt werden konnte. Nachdem die WiF am 22.04.2010 einen Wechsel im Vorstand beschlossen hatte - Volker Schendel und Ralf Suhr übernahmen nun den 1. bzw. 2. Vorsitz der Wählergemeinschaft -, kam es am 26.05.2010 zu zwei Austritten aus der WiF-Fraktion - noch bevor die dritte, für den 29.05.10 geplante Mediation stattfinden konnte. Jörg Pepmeyer und Margret Helwig kehrten der WiF den Rücken, indem sie ihre Austrittserklärung im Büro des Stadtpräsidenten abgaben, anstatt sich gegenüber den WiF-Mitgliedern oder der Fraktion zu erklären - dies obgleich sie das Programm der WiF weiterhin würdigten, wie sie in der Juli-Ausgabe Flensburg Journal andeuten sollten. Die Größe der WiF-Fraktion verringerte sich von 9 auf 7 Mitglieder; die zwei Ausgetretenen okkupierten den Namen des ehemaligen Arbeitskreises Kommunalpolitik, in dem auch zahlreiche WiF-Mitglieder mitgewirkt hatten.("Austritt im Doppelpack: Die WiF-Fraktion schrumpft"; Flensburger Tageblatt, 28.05.2010) Akopol war jedoch stets ein loser Zusammenschluss, zu dem ein Teilnehmer einen Newsletter veröffentlichte, dessen Inhalte so gut wie nie demokratisch abgestimmt worden waren. Die Möglichkeit, für die neu gegründete Fraktion eine zusätzliche öffentliche Förderung einzustreichen, könnte den Ausschlag für den Austritt gegeben haben.("Acht Fraktionen: Kostenträchtig und rekordverdächtig"; Flensburger Tageblatt, 03.06.2010)

Eingeleitet zum Pfingstsamstag hatte J. Pepmeyer seinen Austritt aus der WiF-Fraktion mit Vorwürfen an "zurechtgezimmerten Holzbauten" am östlichen Stadtrand, die Fraktionskollege Hubert Ambrosius auf seinem Grundstück für den Reiterhof Tarup errichtet hatte.("Schwarz gebaut? Reiterhof in Gefahr"; Flensburger Tageblatt, 22.05.2010) Zu einer Aussprache kam es nicht mehr. Für seine bloß zweiköpfige Akopol-Fraktion, die natürlich ihn als Fraktionsvorsitz gewählt hatte, versuchte J. Pepmeyer, Mitglieder aus der WiF abzuwerben, was nicht gelang, da "Schwache"(Pepmeyer) kaum zu finden waren. Gleichzeitig taktierte er nach eigenen Worten "pragmatisch", so dass die Fraktionen von SSW und CDU, die in der Ratsversammlung mit je 9 Sitzen (gegenüber den 7 Sitzen der WiF) vertreten waren, in Versuchung gerieten, die Stellung des Stadtpräsidenten Christian Dewanger anzuzweifeln.("SSW und CDU wollen den Stadtpräsidenten stürzen"; Flensburger Tageblatt, 03.06.2010) Die öffentliche Debatte brachte SSW und CDU keinen Vorteil, zumal eine Abberufung des amtierenden Stadtpräsidenten eine 2/3-Mehrheit der Ratsversammlung erfordert hätte. Akopol ist seitdem bemüht, Mängel in WiF-Anträgen aufzudecken und bietet sich dem ancien regime als Helfer an, das er einst zu bekämpfen vorgab. Die WiF-Fraktion empfindet in ihrer Arbeit den Verlust an Reibungsverlust als Gewinn, nachzulesen auch in der achten Zeitung der WiF


Vom Versuch, im Herbst 2010 die Wahl zum Oberbürgermeister zu gewinnen 

Am 26.05.2010, am Abend des Bekanntwerdens des Austritts zweiter Mitglieder aus der WiF-Fraktion, entschied die Mitgliederversammlung der WiF, für die Oberbürgermeisterwahl am 31.10.2010 ebenfalls einen Kandidaten zu nominieren. Die Arbeit im Rathaus hatte insbesondere in Planungsangelegenheiten und Finanzierungsfragen gezeigt, dass die Spitze der Stadtverwaltung auf einen sachkundigen Verwaltungschef angewiesen ist. Ausschlaggebend war auch die Frage, inwieweit die Politik bzw. die WiF-Ratsfraktion das Handeln der Verwaltung würde beeinflussen können, wie eine prägnante Schlagzeile in Frageform andeutete.("Macht die Verwaltung am Rat vorbei Politik?"; Flensburger Tageblatt, 27.09.2010) 
Dr. Jörg Klose sollte der Favorit der WiF werden, um die Situation der Stadt Flensburg zu verbessern. Der Wahlkampf für die Oberbürgermeisterwahl wurde mit Plakaten, Informationsständen, Flyern und einem Extrablatt geführt. 

    
WiF-Extrablatt zur OB-Wahl am 31.10.2010                                      Kandidaten-Flugblatt Dr. Jörg Klose, Ausschnitt 

Trotz aller Anstrengungen sollte es sich als schwieriger erweisen, für eine einzelne Person zu werben als für eine ganze Gruppe, in der verschiedene Auffassungen und Erfahrungen repräsentiert sind. Vor diesem Problem standen alle neun zur direkten Wahl antretenden OB-Kandidaten, wenn Fragen zu ihrer zukünftigen Amtsausübung konkreter wurden. Der Kandidat der WiF schaffte es leider nicht die Stichwahl, aus der am 21.10.2010 Simon Faber (SSW) als Sieger und neuer Oberbürgermeister hervorging. Ein weiterer Grund mag gewesen sein, dass insgesamt neun OB-Kandidaten zur Wahl angetreten waren, die die Flensburger insgesamt kaum an die Urne locken konnten; die Wahlbeteiligung lag zweimal unter 30% (ähnlich niedrige Werte sollte auch die direkte OB-Wahl in der Landeshauptstadt Kiel im Herbst 2012 bringen). 


Konsolidierung 2011/2012: Einigkeit bringt Resultate  

Nach dem Ergebnis der Oberbürgermeisterwahl trat Volker Schendel am 05.11.2010 von seinem Amt als 1. Vorsitzender zurück und schied aus der WiF aus. Ralf Suhr übernahm die Außenvertretung der WiF, ehe schließlich im September 2011 alle Ämter im Vorstand neu gewählt wurden; die Außenvertretung haben seitdem Ralf Suhr und Dr. Harro Teichmann als 1. bzw. 2. Vorsitz. Das Jahr 2011 brachte nach den öffentlich vollzogenen Trennungen im März 2009 und Mai 2010 sowie den außerordentlichen Anstrengungen zur Oberbürgermeisterwahl im Oktober 2010 endlich ein geordnetes Arbeiten, in dem die WiF die gemachten Erfahrungen auswertete und das Erreichte bilanzierte. Das Tageblatt stellte zwar das Ideal der Transparenz in Frage, erkannte aber in der WiF auch "Protagonisten wie die Fraktionsvorsitzende Erika Vollmer und Wirtschaftsexperte Wolfgang Schmiel ... denen ein maßgeblicher Anteil an der neuen Ausrichtung der Stadtwerke angerechnet werden darf."("Café Lichtlos"; Flensburger Tageblatt, 17.09.2011) Es bestand Zuversicht.("'Wir sind wieder stabil und froh miteinander'"; Flensburger Tageblatt, 22.09.2011). Erkennbar wurde die Stabilität auch in der neunten Zeitung der WiF, die im Oktober 2011 erschien und berichtete, dass die Stadtwerke Flensburg nach vielen Jahren mit Preiserhöhungen einen wesentlichen Kurswechsel vollzogen hatten (der seit 2000 lenkende Geschäftsführer der Stadtwerke, Matthias Wolfskeil, war im April 2011 bei vollen Bezügen vorzeitig beurlaubt worden); kurz darauf wurde ein Strategieprozess mit externer Beratung durchgeführt. 

  Die Stadtwerke in der Morgensonne

Gleichzeitig stärkte die WiF den Aktivitäten der IG Fahrensodde den Rücken, die zeitweise einen schweren Stand gegen die Absichten der Stadtplanungschefs hatte, das attraktive Gelände für eine Wohnbebauung zu verwerten. Für Fahrensodde konnte schließlich Anfang 2013 ein deutliches Signal für ein maritimes Dienstleistungszentrum gesetzt werden. Die WiF war an weiteren Planvorhaben beteiligt und forschte nach zu den Hintergründen einiger Planungen; bei dem an falscher Stelle geplanten "Klarschiff" war die WiF die einzige Fraktion, die einforderte, dass die Durchführung des Gebäudes auch wirklich den mit dem Investor ausgehandelten Rahmenbedingungen entsprechen würde. Gegen Siedlungsplanungen, die auf fragwürdigen Prognosen beruhten, brachte die WiF fundierte Einwände; die Mehrheit der Ratsfraktionen interessierte wenig, welche Arbeitsplätze zusätzlich entstehen müssten, um die Finanzierung der Einfamilienhäuser zu sichern, die durch die Kreisstraße 8 in Tarup-Südost neu erschlossen werden sollen. Um angesichts der Sparziele der Stadt Flensburg auch weiterhin alle Leistungen anbieten zu können, wurde angesichts immer schwierigerer Stadtfinanzen auch für die Stadtverwaltung ein Strategieprozess eingeleitet. 
Ein weiteres Resultat war auch die Erneuerung der WiF-Website, die im Jahr 2012 mit einem neuen Anbieter an Fahrt gewann und inzwischen über zahlreiche Themen informiert. Nach den Resultaten der Landtagswahl 2009 sah die WiF davon ab, für die Landtagswahl im Frühjahr 2012 wieder einen Direktkandidaten für die Freien Wähler zu nominieren. Sie konzentrierte sich ganz auf die Arbeit an ihrer zehnten Zeitung, die noch rechtzeitig vor der Landtagswahl (06.05.2012) erschien und erstmals auch einer Tageszeitung beilag. 

Die WiF konzentriert sich weiterhin auf die problematischen Angelegenheiten Flensburgs und wird dazu publizieren: Auf dieser Website, mittels Flyern oder mit ihrer Zeitung. In 2013 erfolgte eine umfassende Darstellung der Erfolge und Erkenntnisse aus der Arbeit in der Flensburger Ratsversammlung und ihren Ausschüssen: eine Bilanz der Wahlperiode 2008 bis 2013. Im März stellte sich die Wählergemeinschaft für die Kommunalwahl 2013 mit ihren Positionen für die Wahlperiode 2013-2018 neu auf ("WiF mit jungem Team in den Rat"; Flensburger Tageblatt, 20.03.2013) 

Bei der Kommunalwahl am 26.05.2013 sollte die WiF ihren Überraschungserfolg bestätigen. Zwar musste sie Stimmen abgeben, aber sie erzielte noch immer mehr als 2/3 der Stimmen der stärksten Ratsfraktion und mehr als die Partei der Grünen, die ihr bis dahin bestes Ergebnis in Flensburg erzielten. 


- wird fortgesetzt -