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Gründung

Mit unterschiedlichen Erfahrungen, Hoffnungen und Motiven trafen sich über mehrere Monate und Jahre seit der Jahrtausendwende Flensburger Bürger, die eines einte: Die gemeinsame Erfahrung, dass sie von kommunalen Partei-Vertretungen regiert wurden, welche die Meinungen der Bürgerinnen und Bürger nur vor den Kommunalwahlen beachteten. 2006, die Stadtwerke hatten mit der Verbrennung von Müll ("Ersatzbrennstoffen") begonnen, verdichteten sich die Widersprüche zu einer organisierten Bürgervertretung. 

21.11.2006, Flensborg Avis 
Flensborg-parti stiller op til naeste byradsvalg
Von Mads Bruhn

Übersetzung: Heinz Kellermann 
Flensburg-Partei tritt zur nächsten Kommunalwahl an
Flensburg. Die Flensburger Wähler können schon jetzt damit beginnen, sich darauf einzustellen, auf dem Stimmzettel eine neue Buchstabenkombination vorzufinden, wenn sie bei der nächsten Kommunalwahl im Frühjahr 2008 ihre Stimme abgeben. 
Außer den bekannten Parteien, die seit Jahrzehnten um die normalen 43 Sitze in der Flensburger Ratsversammlung gekämpft haben, ist jetzt eine so genannte Wählergemeinschaft so weit, Kandidaten für die Kommunalwahl aufzustellen, und man hat sich gerade selbst den Namen WiF gegeben, was „Wir in Flensburg“ bedeutet. 
„Wir haben lange über den Namen diskutiert und einigten uns auf WiF, um zu unterstreichen, dass wir für alle Flensburger da sind, die mehr Einfluss auf die kommunale Politik, und damit mehr Demokratie in Flensburg wünschen“, erklärt Erika Vollmer. Sie ist soeben zum Sprecher der neuen Wählergemeinschaft gewählt worden. 
Versammlungen sind für alle offen
Der erste Schritt ist mit dem Namen getan, aber die Wählergemeinschaft soll erst offiziell gegründet werden. Das Datum für die Gründungsversammlung ist auf den 14. Februar 2007 festgesetzt worden, und bei dieser Gelegenheit soll auch ein Vorstand gewählt werden. 
„Bis dahin wollen wir unter anderem ein Treffen mit dem Verein Demokratie abhalten, um dessen Auffassung zu hören, wie eine demokratischere Gesellschaft, nicht nur auf lokaler Ebene, strukturiert werden kann“, berichtet Erika Vollmer. 
Sie betont, dass alle Versammlungen der WiF für alle Interessierten offen sind. 
„Wir haben uns gerade zur Aufgabe gemacht, so viele wie möglich dazu zu bringen, sich aktiv in das politische Leben einzumischen. Ohne die Bürger sind wir nichts wert“, stellt sie fest. 


Zur Jahreswende 2006/2007 wurden daraufhin die notwendigen Strukturen erarbeitet, wie man an der Entwicklung des Logos der WiF nachvollziehen kann. 


    
    Erstes Foto der Gründungsmitglieder der zukünftigen Wählergemeinschaft.
     Aufgenommen am 07.02.2007 im "Feuerstein", Norderstraße in Flensburg.




    
    Unsere Gründungsveranstaltung am 15.02.2007 im Restaurant "Borgerforeningen" in Flensburg.


Gründungserklärung der Wählergemeinschaft „WIR in Flensburg (WiF)

Die Unzufriedenheit in großen Teilen der Bevölkerung ist unüberhörbar. Die Leserbriefe in den Zeitungen sind angefüllt mit Ärger und Verdrossenheit, sofern sie denn veröffentlicht werden. Doch Emotionen bleiben folgenlos, wenn sie nicht in konkretes Handeln einmünden. Wir haben uns deshalb entschlossen, mit dieser Gründung eine Plattform zu schaffen, um einen eigenständigen Bürgerwillen zu artikulieren.

Wir sind überzeugt, dass wir auch die größte Gruppe, die Nichtwähler, für unsere Ziele begeistern werden. Wir haben uns zusammengefunden, um u. a. die Interessen dieser Gruppe basisdemokratisch zu verteidigen. Nichtwähler sind keine unmündigen Menschen, als die sie von den etablierten Parteien gerne dargestellt werden. Nichtwähler haben den Bezug und das Vertrauen zu diesen Parteien verloren, weil sie nach der Wahl von genau diesen Parteien bei Entscheidungsfindungen ausgeschlossen werden. Wir kämpfen für die Interessen aller Bürger/innen, für urdemokratische Abstimmungen und Entscheidungen.

Dafür benötigen wir Ihre Unterstützung - als Wähler und erst recht als bisheriger Nichtwähler. Voraussetzung ist die Bereitschaft zur Mitarbeit, sich Sachverstand anzueignen und Zivilcourage zu zeigen. Vernunft, ehrliches Engagement, Fachwissen und Lebenserfahrung, sind die effektivsten Fertigkeiten für nachvollziehbare Lösungen. Unseren Diskussionspartnern/innen wollen wir fair, aufgeschlossen und tolerant begegnen. Wir suchen Flensburger/innen, die den Mut haben mit uns, längst überfällige Veränderungen in der Kommunalpolitik herbeizuführen. Wir brauchen Menschen aller Altersstufen, die Neuem offen begegnen und im Interesse aller Bürger/innen zweifelhafte Vorgänge kritisch hinterfragen und offen legen.

Wir wollen und können gar kein detailliert ausformuliertes Programm vorlegen. Wir sind jedoch durch inhaltliche Leitvorstellungen verbunden, die unserem Handeln Richtung geben. Diese konkreten Visionen halten wir für aussagefähiger als die breit ausgewalzten Wahlprogramme der Parteien, in denen Allen alles versprochen wird.

Die Gründung dieser Wählergemeinschaft ist mit dem konsequenten Wunsch verbunden, positiven, richtungsweisenden und nachhaltigen Einfluss auf die Entwicklung der Stadt Flensburg zu nehmen. Wir wehren uns gegen die anhaltende Politikverdrossenheit und freuen uns darauf, an der politischen Auseinandersetzung im Interesse aller Bürger/innen mitzuwirken. Unsere Ziele verfolgen wir nach demokratischen Grundsätzen mit Entschlossenheit und gebotener Rücksichtnahme. Wir wehren uns gegen jede Art von Diskriminierung und politischem Extremismus.

Der Stadtrat der Stadt Flensburg vertritt nicht die Mehrheitsinteressen der in Flensburg wahlberechtigten Bürger/innen (der Anteil der Nichtwähler/innen in der vergangenen Wahl lag bei 59%). Gleichwohl wird dieser Zustand vom Stadtrat als demokratisch empfunden. Es werden schwerwiegende Entscheidungen auch gegen zahlreiche konstruktive Proteste getroffen. Diese Entscheidungen haben auf Jahrzehnte hinweg Auswirkungen auf jede/n einzelne/n Bürger/in der Stadt Flensburg. Die Ablehnung demokratischen Mitgestaltens erzeugt bei den Bürger/innen der Stadt Flensburg ein Gefühl der Ohnmacht und Ausgeschlossenheit. Eine Vielzahl von Entscheidungen erscheint ausgehandelt und vereinbart, bevor sie der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Es fehlen öffentliche und sachbezogene Diskussionen, die erst eine überlegte Meinungsbildung erlauben. Fehler, Versagen und Versäumnisse werden auf diese Weise nicht aufgedeckt und kommen nicht zur Sprache. Themen, an denen die Parteien kein Interesse haben, werden konsequent unterdrückt.

Wir möchten die offensichtliche Entmündigung der Flensburger Bürger/innen beenden. Um diesen Zustand aufzulösen, ist ein neues, ein bürgernahes Demokratieverständnis erforderlich. Die "große", überregionale Landes- und Bundespolitik, die das Vertrauen und die Bedürfnisse der Bürger/innen "vor Ort" mit Nichtbeachtung straft, steht für eine Politik der Starrheit und Vergangenheit. Eines unserer Ziele ist es die besonderen Möglichkeiten der direkten Wege in der Kommunalpolitik zu nutzen, um fundierte, flexible und dadurch beschleunigte Konsenslösungen zu schaffen. Wir möchten eine konsequente Bürgerbeteiligung aller Bevölkerungsteile suchen und fördern. Offenheit, Information und Transparenz bilden für uns die Basis für konstruktive Meinungsbildungen und Diskussionen. Die Verantwortung für optimale Lösungen wollen wir gemeinsam und für jeden/r Bürger/in nachvollziehbar vertreten.

Der Haushalt der Stadt Flensburg erfordert einen verantwortungsbewußten Umgang mit vorhandenen und neu zu schaffenden Ressourcen. Wir möchten eine vernünftige, nachhaltige Finanzplanung mit klar gesteckten Zielen, Perspektiven aber auch Konsequenzen. Jede/r Bürger/in hat ein Interesse am Wohl und den Entwicklungsmöglichkeiten dieser Stadt. Möglichkeiten der Entlastung sind klar und deutlich aufzuzeigen. Die Aktivierung und Unterstützung der Bürger/innen und der ansässigen Unternehmen ist ein vorrangiges Ziel, um die Finanzen der Stadt Flensburg in den Griff zu bekommen. Wir wehren uns gegen das "Verscherbeln von Tafelsilber" (z. B. den Kollunder Wald). 

Jeder Bürger, jede Bürgerin dieser Stadt hat Verantwortung für Mitmenschen und Umgebung. Eine individuelle, konkrete Beteiligung an der Stadtentwicklung im Großen oder Kleinen ist wieder als ein ehrenwertes, erstrebenswertes Ziel zu etablieren. Die Nutzung des Potentials aller Bürger/innen, Unternehmen, Institute, Behörden, der Hochschulen und Vereine zum Wohle der Stadtentwicklung haben wir als wichtiges Ziel definiert. Wir wollen die innovativen, energiegeladenen Fähigkeiten der Jugend in den Fokus konkreter Stadtentwicklung lenken. Um Verantwortungsbereitschaft zu erzeugen, muss die Bereitschaft vorhanden sein, Verantwortung abgeben zu wollen. Dies wollen wir fördern.

Flensburg hat Identität. Flensburg hat eine großartige Geschichte. Geprägt durch das vorbildliche Miteinander unserer beiden Kulturen ist es uns u.a. gelungen, eine große Akzeptanz unserer beiden Sprachen zu schaffen. Flensburg hat inmitten eines stark wachsenden Europas mit seiner Brückenfunktion die Gelegenheit, Stärken auszubauen, besser zu nutzen und mit seinen Bürger/innen jetzt eine lebenswerte Zukunft zu schaffen. Davon sind wir überzeugt und dafür wollen wir uns engagieren. 

Bitte unterstützen Sie uns!

Flensburg, den 15. Februar 2007
Der Gründungskreis